Nordkoreas Vizeaußenministerin bügelt Washington ab

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Vizeaußenministerin Choe (Archivbild): "Wir spüren keine Notwendigkeit"
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Die Führung in Pjöngjang plädiert für eisiges Schweigen – das aber beredt. Die USA irrten, wenn sie dächten, dass Verhandlungen noch funktionieren. Die Erklärung der Vizeaußenministerin kommt nicht zufällig gerade jetzt.

Nordkorea sieht nach eigenen Worten keinen Grund für neue Gespräche mit den USA. Diese wären nur ein „politisches Instrument“ für die Regierung in Washington, um von ihrer innenpolitischen Krise abzulenken, sagte die stellvertretende nordkoreanische Außenministerin Choe Son Hui.

„Wir spüren keine Notwendigkeit, den USA von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu sitzen“, wurde sie von Staatsmedien zitiert. Choe reagierte auf Spekulationen, wonach es ein weiteres Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un noch vor der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten im November geben könnte.

„Oktober-Überraschung“

So hatte der frühere Nationale Sicherheitsberater John Bolton in New York von einer möglichen „Oktober-Überraschung“ gesprochen und die Ansicht vertreten, Trump könnte Kim kurz vor dem Wahltermin treffen, falls der US-Präsident denke, dies erhöhe seine Wahlchancen. Südkoreas Präsident Moon Jae In hatte unabhängig davon erneut eine Vermittlerrolle angeboten.

In der kommenden Woche wird US-Vizeaußenminister Stephen Biegun in Südkorea erwartet, um über die feststeckenden Verhandlungen mit Pjöngjang zu beraten. Die Gespräche über ein Ende des nordkoreanischen Atomprogramms kommen seit Trumps Begegnung mit Kim 2019 in Vietnam nicht voran.

Der US-Präsident hatte Kim damals vorgeworfen, zu wenig Zugeständnisse für eine Aufhebung der internationalen Sanktionen anzubieten. Seither machte Nordkoreas Regierung mehrfach deutlich, sie sei erst wieder an Verhandlungen interessiert, wenn Washington neue Vorschläge unterbreite.

Verbindungsbüro gesprengt

Auch die Spannungen zwischen beiden koreanischen Staaten haben in letzter Zeit zugenommen. Mitte Juni ließ die Führung in Pjöngjang ein Verbindungsbüro zu Südkorea in der Grenzstadt Kaesong sprengen. In der vorvergangenen Woche sandte Kim allerdings wieder Entspannungssignale nach Seoul und kündigte an, seine „Pläne zur militärischen Aktion“ auszusetzen.