Indien – Asiens neuer Corona-Hotspot

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Vorbereitungen zur Verbrennung eines Corona-Todesopfers in Neu Delhi
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Das indische Gesundheitsministerium meldet bei den nachgewiesenen Corona-Fällen einen Anstieg um knapp 11.000 auf fast 300.000 Betroffene binnen 24 Stunden. Die Dunkelziffer in dem 1,3 Milliarden-Land dürfte riesig sein.

Am Freitag gab es in Indien nach offiziellen Angaben 297.535 Corona-Fälle, 10.956 mehr als noch am Tag zuvor. Die Zahl der Todesfälle wird aktuell mit 8498 angegeben. Obwohl die Zahl der Corona-Neuinfektionen an fast jedem der vergangenen Tage um die 10.000 Fälle gelegen hat, lockert das Land die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zusehends, um nach fast 70 Tagen Lockdown die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Inzwischen sind Büros, Tempel, Moscheen, Restaurants und Shoppingzentren wieder offen. Öffentliche Verkehrsmittel fahren wieder. Gesundheitsexperten warnen. Sie gehen davon aus, dass die Fallzahlen in den kommenden Wochen weiter stark nach oben schnellen werden. Von einem Abflachen der Infektionskurve sei das Land noch weit entfernt. Im Gegenteil: Es drohe eine neue Corona-Sperre für Teile des öffentlichen Lebens.

„Kampf wird noch Monate dauern“

Auch für den Mediziner V. K. Paul, Leiter der Task Force der Regierung zur Bekämpfung des Virus-Ausbruchs, ist ein Ende der Epidemie nicht absehbar. Indiens Bevölkerung sei noch immer anfällig für das Virus. „Dieser Kampf wird noch Monate andauern“, sagte Paul auf einer Pressekonferenz.

In der Hauptstadt Neu Delhi aber auch in Mumbai werden die Krankenhausbetten knapp, Krematorien und Friedhöfe sind überlastet. Nach Schätzungen benötigt allein Neu Delhi bis Ende nächsten Monats 80.000 Krankenhausbetten, um Corona-Infizierte behandeln zu können. Nach Angaben der Regierung verfügt die Stadt derzeit über 11.000 Krankenhausbetten. In Mumbai wurden nach Augenzeugenberichten Menschen mit COVID-19-Symptomen von Krankenhäusern abgewiesen.

Mit fast 300.000 nachgewiesenen Corona-Fällen liegt das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt weltweit inzwischen auf Platz vier – nach den USA, Brasilien und Russland und vor Großbritannien. Bezogen auf die Größe der indischen Bevölkerung sind die offiziellen Zahlen weiterhin gering. Es bleibt aber die große Frage, wie hoch die Dunkelziffer bei den Erkrankten ist.