Facebooks Asien-Offensive

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Markt mit Potenzial: Die Zahl der Handynutzer in Indien steigt rasant.
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Facebook erwägt Investitionen in indische und indonesische Tech-Konzerne

Das ist passiert: Facebook will 5,7 Mrd. $ in den indischen Telekomkonzern Jio investieren. Damit würde das US-Unternehmen eine Beteiligung in Höhe von knapp 10% an dem Konzern erwerben. Es ist Mark Zuckerbergs grösste Investition seit der Übernahme von Whatsapp im Jahr 2014.

Jio ist eine 100%-Tochter des Mischkonzerns Reliance und mit etwa 370 Mio. Kunden nach China Mobile und Vodafone der drittgrösste Mobilfunkanbieter der Welt. Vorstandsvorsitzender von Reliance ist der Milliardär Mukesh Ambani, einer der reichsten Männer der Welt.

Darum ist es wichtig: Mit rund 500 Mio. Internetnutzern ist das 1,3-Milliarden-Einwohner-Land Indien für Tech-Konzerne einer der aussichtsreichsten Märkte der Welt. Anders als China mit seiner strengen Zensur ist Indien für westliche Internetfirmen vergleichsweise offen.

Facebook hat in Indien etwa 250 Mio. Nutzer, Whatsapp mehr als 400 Mio. Für Zuckerberg ist der Einstieg bei Jio auch ein Versuch, ein Whatsapp-Bezahlsystem auszurollen; ausserdem will er über eine Zusammenarbeit mit JioMart ins indische E-Commerce-Geschäft einsteigen.

Das meinen wir: Facebooks jahrelange Versuche, Zugang zum chinesischen Markt zu bekommen, waren bisher erfolglos – und dürften es in den nächsten Jahren auch bleiben. Nun plant der US-Konzern die Fernost-Expansion in anderen Ländern der Region. Das ist schlüssig, auch mit Blick auf die Expansionspläne des chinesischen Facebook-Konkurrenten Tencent in Asien. Der nämlich will seine Kommunikations- und Bezahlplattform WeChat stärker im Ausland etablieren.

Ausser nach Indien wirft Facebook auch einen Blick nach Indonesien mit seinen 260 Mio. Einwohnern. Gemäss einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters ist die Firma in Gesprächen mit drei lokalen Fintech-Unternehmen über eine Zusammenarbeit bei einem mobilen Bezahlsystem. Derzeit bereite Facebook das Antragsverfahren bei der indonesischen Finanzaufsicht vor, heisst es.

Facebook soll sich ausserdem in Gesprächen über eine mögliche Zusammenarbeit mit der indonesischen Fahrdienst-Plattform Gojekbefinden.

Ein weiterer Aspekt: Für Mukesh Ambani und seinen Reliance-Konzern bietet die Vereinbarung mit Facebook eine Möglichkeit, die jüngst kräftig gestiegene Verschuldung zu reduzieren. Allein in den Aufbau von Jio hat Ambani rund 50 Mrd. $ investiert – überwiegend geliehenes Geld.