Corona-Krise treibt Asien an den Rand des Stillstands

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Auch in Indonesien kommt das Wachstum zum Erliegen.
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Die Ratingagentur Standard & Poor’s warnt vor extremer Arbeitslosigkeit und fordert Subventionen. China schrumpft im ersten Quartal noch stärker, als befürchtet. Und Indiens Banken dürfen keine Dividenden mehr ausschütten.

Die Corona-Krise wird Asien mindestens 2 Billionen Dollar in diesem Jahr kosten, schätzt die Ratingagentur Standard & Poor’s. Diese Summe entspricht in etwa dem Doppelten der jährlichen Wirtschaftsleistung Indonesiens, dem viertgrößten Land der Erde und der größten Volkswirtschaft Südostasiens, oder rund zwei Dritteln der indischen Wirtschaftsleistung.

Ein Monat der Ausgangssperre werde die Region rund 3 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung nehmen, sagte Shaun Roache, der S&P-Chefvolkswirt für Asien. Er erwartet einen Wechsel zwischen Ausgangssperren und vorsichtigen Öffnungen: „Wir rechnen damit, dass die Volkswirtschaften nun in eine Übergangsphase mit Maßnahmen zur sozialen Distanz eintreten, die sich zwischen vollständigen Ausgangssperren und Normalgeschäft bis Mitte 2021 hinziehen wird.“ Gleichzeitig warnte Australiens Ministerpräsident Scott Morrison vor überhöhtem Optimismus: „Die Krise wird unsere Wirtschaft wie ein Zug in voller Fahrt treffen.“

Chinas Wirtschaftsleistung ist laut amtlichen Zahlen vom Freitag stark geschrumpft. Im ersten Quartal lag sie 6,8 Prozent unter dem Wert der ersten drei Monate 2019. Analysten hatten mit einem Minus von 6 Prozent gerechnet. Gleichwohl legten die Aktienmärkte am Morgen zu, getrieben von dem Öffnungsplan für Amerika, den Präsident Donald Trump dort vorgestellt hatte.

Einige Faktoren in China verbesserten sich ebenfalls leicht: Zwar fiel die Industrieproduktion im ersten Quartal um 8,4 Prozent im Jahresvergleich, doch lag sie im März den staatlichen Daten zufolge nur noch 1,1 Prozent unter Vorjahr. Der Einzelhandel schrumpfte im Quartal um 19 Prozent, im März aber lag er nur noch knapp 16 Prozent unter dem Vergleichswert. Indiens Notenbankgouverneur Shaktikanta Das forderte alle Banken der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens am Freitagmorgen auf, bis auf weiteres keinerlei Dividenden mehr auszuschütten, da die Liquidität gebraucht werde.

S&P aber warnt nun vor wie zufällig auftretenden zweiten und dritten Wellen der Infektionen. Für die bevölkerungsstarken Länder Indien mit knapp 1,4 Milliarden Menschen und Indonesien mit gut 270 Millionen sagen die Analysten einen Höhepunkt der – kaum gemessenen – Infektionszahlen erst für Beginn des dritten Quartals voraus. Eine sich selbst tragende Erholung der Region erwarten sie erst spät im nächsten Jahr.

Ihre Wachstumserwartungen für dieses Jahr haben sie von 4,8 Prozent – bevor China das Virus bekannt gemacht hatte – auf nun nur noch 0,3 Prozent gesenkt. Japan werde um 3,6 Prozent schrumpfen; bislang hatte Roache mit einem Minus von 1,2 Prozent gerechnet. Indien werde aber noch um 1,8 Prozent, China um 1,2 Prozent in diesem Jahr zulegen. „Aus ökonomischer Sicht ist das größte Risiko nun die Arbeitslosigkeit. Jobs werden leicht gestrichen, aber nur langsam neu geschaffen. Steigt die Arbeitslosenraten um mehr als 4 Prozentpunkte in der Region, fiele die Erholungskurve wesentlich flacher aus.“

Würden Stellen gestrichen, dürfte das auf die gesamte Volkswirtschaft durchschlagen: „Der Konsum würde sinken, die Sparrate steigen, und die höher verschuldeten Sektoren würden unter Stress kommen.“ Deshalb halten die Analysten Subventionen zum Erhalt von Arbeitsplätzen für „entscheidend“. Diese aber würden die Haushalte der teils überschuldeten Staaten mit einem extrem hohen Anteil informeller Arbeitsplätze – Indien und Indonesien kommen auf mehr als 80 Prozent Stellen ohne Verträge oder Versicherung – weiter belasten.