Coronavirus trifft die Armen in Asien besonders hart: Obdachlose, Slumbewohner, Geflüchtete in großer Gefahr

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Photo: Slums am Chao Praya River, Bangkok, Thailand
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Ein Drittel der Menschheit ist inzwischen im Kampf gegen Covid-19 von Beschränkungen betroffen, darunter 1,3 Milliarden Inder. In Asiens Mega-Städten wächst die Furcht vor der Katastrophe; zugleich gibt es viel Solidarität.

Der Hafen der Millionenmetropole Chittagong ist für Bangladesch das Tor zur Welt. Über den drittgrößten Hafen Südasiens kommen allerlei Waren ins Land. Aber die vielen Tausend Seeleute können auch das gefährliche Coronavirus in das massiv überbevölkerte und bitterarme Bangladesch bringen.

„Die Menschen haben Angst vor dem Coronavirus, weil sie sehen, wie schwer sich schon die entwickelten Länder mit der Lage tun“, sagt James Gomes, Direktor der Caritas im Erzbistum Chittagong, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Das Gesundheitssystem in Chittagong sei unzureichend, Ärzte seien kaum verfügbar, Menschen verlören durch die Ausgangssperre ihr Einkommen. „Besonders hart betroffen sind die Tagelöhner“, betont Gomes.

Weltweit leben 800 Millionen Städter – ein Viertel der globalen urbanen Bevölkerung – dicht an dicht in Slums, in denen es an sauberem Wasser, Hygiene, Abwassersystemen, ärztlicher Versorgung und Strom fehlt. Allein in Indien sind offiziell 1,8 Millionen Menschen obdachlos.

Die Befolgung von Covid-19-Schutzmaßnahmen – Abstand halten, Hände waschen – ist Obdachlosen und Slumbewohnern schlicht nicht möglich. Experten warnen, dass sich das Coronavirus mit rasender Geschwindigkeit in den Slums ausbreiten und Zigtausende Todesopfer fordern kann.

Flüchtlingslager in Myanmar und Bangladesch

Ähnlich dramatische Szenarien werden für die vielen Flüchtlingslager in Ländern wie Myanmar und Bangladesch befürchtet. Im Distrikt Cox’s Bazar in Bangladesch, wo rund eine Million muslimische Rohingya-Flüchtlinge in Lagern leben, ist in dieser Woche der erste Covid-19-Fall registriert worden. Ganze Rohingya-Familien hausen in Bambushütten, von denen kaum eine größer als zehn Quadratmeter ist.

Abwasser und Fäkalien fließen durch offene Gräben. Gesichtsmasken und Handdesinfektionsmittel gibt es so gut wie keine.

Fieberhaft seien Hilfsorganisationen dabei, die Rohingya in Lagern über Corona und Schutzmaßnahmen aufzuklären, die Hygieneverhältnisse zu verbessern und Schlangen zum Beispiel bei der Verteilung von Lebensmitteln zu „entzerren“, berichtet James Gomes. Caritas Chittagong koordiniert und leistet die humanitäre katholische Hilfe in den Lagern.

Kaum besser ist die Lage der vielen Hunderttausend Vertriebenen in den Bürgerkriegsgebieten in Kachin und Rakhine in Myanmar. Laut den staatlichen Medien von Myanmar plant die Regierung jedoch

Aufklärungs- und Hilfsmaßnahmen für die Menschen in den Vertriebenenlagern, zu denen Armee, Behörden sowie ethnische Milizen den Zugang von Hilfsorganisationen allerdings bislang weitgehend verwehren.

Große Spendenbereitschaft

Auf der anderen Seite wächst die Solidarität mit den Armen. In Manila bieten katholische Schulen und Universitäten Obdachlosen Unterkunft und Verpflegung.

In Jakarta, wo etwa die Hälfte der 10 Millionen Einwohner in Slums lebt, hat der Bürgerrechtler und ehemalige katholische Priester Sandyawan Sumardi die Initiative „The House of Humanitarian Solidarity“ zur Versorgung von Armen mit Lebensmitteln, Schutzmasken und Handdesinfektionsmitteln gegründet.

„Die Spendenbereitschaft ist groß“, betont Sumardi im Gespräch mit der KNA und preist die vielen Motorradtaxifahrer, die unentgeltlich die Hilfsgüter zu den Menschen bringen. Vor allem aber ist Sumardi froh, dass seine Initiative Nachahmer findet. „Wir sind wirklich glücklich, dass nur zwei, drei Tage nach dem Start unserer Initiative in Jakarta andere kreative Initiativen humanitärer Solidarität entstehen.“

So lobenswert in diesen harten Zeiten diese solidarischen Impulse auch sind, sie sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Hilfsorganisationen befürchten einen Rückgang der Spendenbereitschaft. Man wisse nicht, wie sich die Situation weiter entwickeln werde, sagt eine Sprecherin der Deutschen Welthungerhilfe, und fügt hinzu: „Die Belastungen und Einschränkungen in Deutschland fangen gerade erst an.“