Eine zweite Corona-Welle erfasst Asien

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Ostasiatischen Staaten melden Neuerkrankte, die bereits bei der Einreise infiziert gewesen und mit Symptomen an Flughäfen im Land angekommen waren.
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Neuinfizierte reisen vor allem aus dem Ausland ein. Viele waren in den Ferien in Europa.

Nachdem die Zahl der Neuinfektionen in China, Südkorea, Japan und Singapur in den letzten ­Wochen zurückgegangen war, steigt sie seit dieser Woche wieder deutlich an. Während sich in Europa und den USA das Virus weiter rasant ausbreitet, trifft die ostasiatischen Staaten nun eine zweite Erkrankungswelle.

Ausgelöst werden die Neuinfektionen in immer mehr Fällen durch Menschen, die aus besonders betroffenen Regionen im Ausland einreisen. So verkündete China am Mittwoch zwar zum ersten Mal seit dem Ausbruch des neuartigen Virus im Dezember keine Neuansteckungen im Land, meldete aber gleichzeitig 34 Neuerkrankte, die bereits bei der Einreise nach China infiziert gewesen und mit Symptomen an Flughäfen im Land angekommen waren.

Trend in allen Ländern gleich

Der Trend von importierten Fällen aus dem Ausland ist nicht nur auf Festlandchina begrenzt. In Hongkong stieg die Zahl von Neuinfizierten Mitte der Woche um 25, so viel wie noch nie an einem Tag in der chinesischen Sonderverwaltungszone, die durch eine schnelle Reaktion einen grossen Ausbruch in der Stadt bisher verhindern konnte.

Ähnliches ist nun auch in der Nachbarschaft zu beobachten. In Südkorea gab es am Mittwoch 152 neue Fälle, mindestens 30 von ihnen kamen aus dem Ausland. Auch in Singapur kehren nun ­viele Bürger des Stadtstaates von anderen Kontinenten zurück, manche waren auf Dienstreise oder in den Ferien in Europa. Der Rückstrom macht sich in der ­Statistik bemerkbar: 47 Fälle verzeichneten die Behörden am Mittwoch in Singapur. Auch dort deutlich mehr, als an jedem anderen Tag zuvor. Und auch dort bietet der Befund für den Stadtstaat, der bislang 313 Fälle registrierte und noch keinen Toten durch Covid-19 zu beklagen hat, Anlass zur Sorge.

Drastische Massnahmen

Staaten wie Singapur, die bisher für ihre Strategie gegen das Virus Lob bekamen, stehen nun vor einem Dilemma: Einerseits ist man in dem Stadtstaat entschlossen, die schnelle und gelungene Eindämmung des Virus seit Ende Januar nicht zu gefährden; andererseits sieht sich die Regierung nun zu drastischen Einreisebeschränkungen gezwungen, die einer weltoffenen Wirtschaftsmetropole wie Singapur nicht guttut. Ein Hilfs­paket soll die ökonomischen ­Folgen dämpfen.

Keiner der Minister will hier schon entwarnen, denn die schwierigste Phase steht womöglich erst bevor. Alle Einreisenden werden nun unter Quarantäne gestellt. Selbst jene, die als Ausländer eine Berechtigung haben, in Singapur zu arbeiten, müssen vor ihrer Einreise eine Genehmigung einholen, ohne die sie gar nicht einfliegen können. Das betrifft auch Familienangehörige, was den sozialen Stress erhöht, weil Familien nicht mehr zueinanderfinden und über mehrere Kontinente verteilt bleiben.