Coronavirus hat Asien weiter im Griff

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Klinik in der chinesischen Stadt Wuhan
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Die Zahl der Neuinfektionen und Todesfälle mit dem Coronavirus steigt weiter an. Chinas Behörden registrierten weitere 118 Todesfälle. Über 76.000 Menschen sind infiziert. Große Sorgen auch in Südkorea.

Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen sei um 889 auf über 76.000 Fälle gestiegen, teilte die Gesundheitskommission in Peking den neuesten offiziellen Stand mit. Experten rechnen allerdings mit einer sehr viel höheren Dunkelziffer. Nach offiziellen Angaben starben bislang 2236 Menschen in der Volksrepublik.

Knapp die Hälfte der neuen Ansteckungen mit dem Sars-CoV-2 genannten Virus wurden aus der Provinz Hubei gemeldet, in deren Hauptstadt Wuhan die Epidemie begonnen hatte. Der Anstieg fiel den zweiten Tag in Folge niedriger aus, nachdem China erneut die Zählweise geändert hatte. So werden klinische Diagnosen der COVID-19-Lungenkrankheit in Hubei nicht mehr als Infektionen gezählt. Künftig muss die Ansteckung wieder durch einen DNA-Test im Labor bestätigt werden.

In Südkorea verdoppelte sich die Zahl erfasster Infektionen innerhalb eines Tages auf 204. Ein Mensch starb in einem Krankenhaus in der südöstlichen Stadt Cheongdo, wie die Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention mitteilten. Viele der neuen Fälle wurden aus Daegu und der Provinz Nord-Gyeongsang gemeldet. Die Behörden vermuten, dass sich viele der Betroffenen bei einer mit Sars-CoV-2 infizierten Frau ansteckten, als sie in Daegu einen Gottesdienst besuchten.

Angesichts des rapiden Anstiegs von Corona-Infektionsfällen in Südkorea hat Präsident Moon Jae In von einer „ernsthaften Situation“ gesprochen. Er habe bei einem Treffen mit Premierminister Chung Sye Kyun dazu aufgerufen, „rasche und starke“ Gegenmaßnahmen zu ergreifen, teilte Moons Büro mit.

Deutsche Rückkehrer angekommen

Derweil sind in Stuttgart 15 Rückkehrer aus China gelandet, darunter eine Familie mit Baby. Nach ihrer Ankunft am Vormittag auf dem Flughafen Stuttgart wurden die Reisenden zunächst untersucht. Erste Tests auf das Virus fielen negativ aus, trotzdem müssen die 15 Deutschen zwei Wochen isoliert in einem Hotel in Kirchheim unter Teck bei Stuttgart verbringen. Die Rückkehrer werden vom Deutschen Roten Kreuz medizinisch und psychologisch betreut.

Die letzten sechs an Bord des unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiffes „Diamond Princess“ in Japan verbliebenen Deutschen werden mit einem italienischen Flugzeug nach Berlin ausgeflogen. Das Schiff hatte zwei Wochen unter Quarantäne gestanden. Ein deutsches Ehepaar aus Hessen war positiv getestet worden und liegt in Japan im Krankenhaus. Ein weiterer Deutscher und seine japanische Frau aus München wollen noch einige Tage in Tokio bleiben.

Nachdem an den beiden Vortagen zusammen 717 Passagiere das Schiff in Yokohama verlassen hatten, sollen an diesem Freitag weitere rund 450 Menschen von Bord gehen, wie der japanische Fernsehsender NHK meldete. Am Vortag waren zwei infizierte japanische Senioren gestorben. Bei 634 der rund 3700 Passagiere und Crewmitglieder wurden Infektionen festgestellt. Sie werden in Kliniken betreut. Diejenigen, die Kontakt zu Infizierten hatten, müssen vorerst an Bord bleiben.

Sportveranstaltungen auf der Kippe

Die Angst vor dem Virus beeinträchtigt in Japan auch immer mehr Sportveranstaltungen. Nachdem die Veranstalter des traditionellen Tokio-Marathons entschieden hatten, dass in diesem Jahr nur Top-Athleten, aber keine Amateure teilnehmen dürfen, wurde dasselbe auch für den Frauen-Marathon in Nagoya beschlossen. Der Stadt-Marathon in Nagoya wurde ganz abgesagt.

Gesundheitsminister Katsunobu Kato rief die Organisatoren verschiedenster Veranstaltungen auf, ihre Pläne zu überdenken. Eine Absage fordere die Regierung gegenwärtig aber nicht. Die Ausbreitung des Virus wird in Japan mit Sorge verfolgt, da in einem halben Jahr die Olympischen Spiele in Tokio stattfinden sollen.

Iranisch-irakische Grenze ist dicht

Aus Furcht vor einem Überschwappen des nun auch im Iran nachgewiesenen Coronavirus schloss der Irak seine Grenze zum Nachbarland. Iraner dürften die Übergänge nicht länger passieren. Aus der Islamischen Republik einreisende Iraker würden den vom Gesundheitsministerium angeordneten Prüfungen unterzogen, teilte die irakische Grenzschutzbehörde mit.

Die meisten der 18 bestätigten iranischen Corona-Fälle leben in der Stadt Ghom oder waren in den vergangenen Tagen dort. Im Iran sind mittlerweile vier Patienten gestorben. Am Freitag vermeldete auch der Libanon seine erste Corona-Patientin. Auch sie soll aus Ghom gekommen sein.

Irakischen Medienberichten zufolge setzte die staatliche Fluggesellschaft Iraqi Airways zudem vorerst ihre Verbindungen zu iranischen Zielen aus. Hintergrund sind vier auf den Erreger SARS-CoV-2 zurückgeführte Todesfälle. Inzwischen meldeten die Behörden 18 weitere Corona-Infektionen.

Während das Staatsradio der Bevölkerung versicherte, dass alles unter Kontrolle sei, berief das Innenministerium eine Dringlichkeitssitzung ein. Da an diesem Freitag Parlamentswahlen im Iran stattfinden, bestand die Sorge, dass Ängste vor dem Virus die Wahlbeteiligung senken könnten.

Attacken in der Ukraine

In der Ukraine ist es unterdessen bei Protesten gegen die Krankenhausunterbringung von aus China wegen des Coronavirus ausgeflogenen Menschen zu Gewaltausbrüchen gekommen. Dutzende Demonstranten lieferten sich vor dem Hospital in der Kleinstadt Nowi Sanzhary gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Demonstranten hatten versucht, die Zufahrt der Busse mit den aus der zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan herausgeholten Menschen zu blockieren.

Die Demonstranten entzündeten mehrere Feuer und zerbrachen mindestens drei Scheiben der Busse. Hunderte von Sicherheitskräften waren im Einsatz, wie ein Anwohner der Nachrichtenagentur AFP sagte. Die sechs Busse mit den aus Wuhan ausgeflogenen 72 Menschen – 45 ukrainischen Staatsbürgern und 27 Ausländern – kamen trotz der Proteste bei dem Krankenhaus an.

Die Ausgeflogenen sollen in dem Hospital zwei Wochen in Quarantäne verbringen. Keiner von ihnen zeigte bei Untersuchungen durch chinesische und ukrainische Ärzte Symptome der Atemwegserkrankung. Dennoch fürchten viele Menschen in der 10.000-Einwohner-Stadt Nowi Sanzhary, dass sich der Erreger dort ausbreiten könnte. Staatschef Wolodymyr Selenskyj rief zu Solidarität mit den Ausgeflogenen auf. „Wir sind alle Menschen und Ukrainer“, sagte er.

Geringe Sterberate außerhalb Chinas

Derweil will das Robert Koch-Institut (RKI) Panik vermeiden. Die Sterberate nach der Infektion liegt nach den außerhalb Chinas erfassten Daten bei etwa 0,2 Prozent, wie der Präsident des RKI, Lothar Wieler, erklärte.