Erdbeben in China: Hunderte Helfer suchen nach Überlebenden

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19 Tote, 247 Verletzte – und die Behörden gehen von noch viel mehr Opfern aus: Nach dem schweren Erdbeben in China versuchen die Helfer, Überlebende zu retten und Opfer zu bergen. Zehntausende Touristen wurden in Sicherheit gebracht.

Nach dem Erdbeben der Stärke 7,0 in der südwest-chinesischen Provinz Sichuan ist die Zahl der Todesopfer nach Angaben der Behörden auf 19 gestiegen. Darunter seien auch sechs Touristen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur China News Service. Der Provinzregierung zufolge wurden mindestens 247 Menschen verletzt. Die Katastrophenschutzbehörde geht von vielen weiteren Toten und Verletzten aus.

Bilder in den sozialen Netzwerken und in den staatlichen Medien zeigten aufgerissene Bergstraßen, zerstörte Häuser sowie gigantische Erdrutsche, die sich Schneisen durch die Bergwälder bahnen. Autos stürzten in Schluchten oder wurden von herabfallenden Felsbrocken zerschmettert. Rettungsmannschaften gruben teils mit bloßen Händen in den Trümmern nach Überlebenden. Nach Angaben der Deutschen Presseagentur kamen bei einem Bergrutsch durch schwere Regenfälle schon vor den Erdstößen 25 Menschen in der Provinz ums Leben.

Besonders betroffen ist das bei Touristen beliebte Gebiet des Naturparks Jiuzhaigou. Zehntausende Besucher wurden in Sicherheit gebracht.

Erdstöße noch 280 Kilometer entfernt zu spüren

Eine Augenzeugin sagte im staatlichen Fernsehen, sie sehe viele Soldaten, die helfen. Alle Krankenhäuser seien in Alarmbereitschaft. „Man versucht, die chinesischen Touristen zu versorgen, teilt Wasser und Essen aus.“

Einheimischen zufolge fühlen sich jedoch viele Anwohner im Stich gelassen. Die Behörden kümmerten sich mehr um die Touristen, glauben sie. Die vom Beben erschütterte Region liegt am Rand des Qinghai-Tibet-Hochplateaus. In den Tälern des Naturreservats liegen mehrere von Tibetern bewohnte Dörfer.

2008 starben mehr als 70.000 Menschen

Das genaue Ausmaß der Schäden ist noch unbekannt. Mehr als 1200 Helfer waren nach Angaben des Staatsfernsehens in Sichuan im Einsatz. Hunderte Feuerwehrleute und Soldaten wurden ins Erdbebengebiet geschickt. In der 280 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Chengdu waren die Erdstöße noch zu spüren.

Die Provinz Sichuan ist eine erdbebengefährdete Region. Hier stößt die indische Platte gegen die eurasische, so dass es immer wieder zu tektonischen Spannungen kommt. Allein in den vergangenen neun Jahren gab es zwei schwere Erdbeben: 2013 starben 196 Menschen. Unvergessen ist die Katastrophe von 2008, als mehr als 70.000 Menschen durch ein Erdbeben ums Leben kamen.

Weiteres Erdbeben im Nordwesten

Wenige Stunden nach den Erdstößen in Sichuan bebte mehr als 2000 Kilometer entfernt auch die Erde in der nordwest-chinesischen Region Xinjiang. Die Behörden sprachen von einer Stärke von 6,6, die US-Erdbebenwarte USGS von 6,3. Das Epizentrum lag demnach rund 100 Kilometer vor der Grenze zu Kasachstan. 32 Menschen wurden hier verletzt. Mit den Erdstößen in Sichuan hatte dieses Beben nichts zu tun.