Asien zwischen Vollbelegung und Lockdown

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Bis zur Wiedereröffnung des Anantara Siam Bangkok Hotels muss sich Thomas Meier von den Minor Hotels noch ein wenig gedulden. (Bild: Minor Hotels)
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Im Gespräch mit Thomas Meier von den Minor Hotels

Während sich deutsche Hotels derzeit auf die Wiedereröffnung vorbereiten, ist die Situation in anderen Ländern noch ungeklärt. Thomas Meier, Senior Vice President Operations Asia der Minor Hotelgruppe spricht mit der Tophotel-Redaktion über den Status Quo in einigen asiatischen Ländern und gibt Prognosen für die dortige Entwicklung ab.

Wer sich dieser Tage wie Thomas Meier in Bangkok aufhält, dem präsentiert sich ein höchst ungewöhnliches Bild: Ab 22 Uhr verstummt der eigentlich allgegenwärtige Motorenlärm auf den Straßen der sonst so quirligen Hauptstadt Thailands. Im Zuge der Coronakrise hat Thailand eine Ausgangssperre verhängt und die Bevölkerung muss ab dieser Uhrzeit zurück zuhause sein. Der Senior Vice President Hotel Operations Asia der Minor Gruppe Thomas Meier ist derzeit im Homeoffice – das Corporate Office ist geschlossen. Für ihn eine recht ungewöhnliche Situation. „Bis Ende Februar war ich praktisch ständig unterwegs. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal eine so lange Zeit nicht im Flieger gesessen habe“, erzählt Meier im Gespräch mit Tophotel.

Inländische Märkte unterschiedlich attraktiv

Derzeit sind die Hotels in Thailand noch geschlossen. In einem Monat oder vielleicht auch eher in 45 Tagen, so prognostiziert er, werden sie wieder öffnen dürfen. So genau weiß das aber niemand. Vier Restaurants in den Minor Hotels in Bangkok haben seit kurzem wieder offen – unter strengen Auflagen. „In nächster Zeit werden sich unsere Hotels in Thailand auf den Inlandsmarkt einstellen müssen. Ab wann wir Gäste, zum Beispiel aus China, erwarten können, hängt auch von den Fluglinien ab“, betont er.

In Vietnam haben Hotels vor zehn Tagen wieder eröffnet. „Das lange Wochenende über den ersten Mai waren wir in unseren Resorts komplett ausgebucht“, freut er sich. Dass der inländische Markt zu einer guten Belegung in den Hotels führen kann, gilt aber nicht für jedes asiatische Land, in dem die Hotelgruppe aktiv ist. „In Kambodscha, Laos und auf den Malediven können wir mit solchen Belegungen nicht rechnen“, gibt er zu bedenken. In Thailand dagegen erwartet Meier viele inländische Gäste. Darauf stellen sich die Hotels ein, in dem sie zum Beispiel die Kinderbetreuung erhöhen. „Nach dieser ganzen Zeit, in der die Kinder von zuhause unterrichtet werden mussten, sind die Eltern froh, wenn sie im Urlaub in aller Ruhe ein Buch lesen können“, ist er sich sicher.

Maskenpflicht nicht überall

Die Auflagen für Hotels sind in den asiatischen Märkten unterschiedlich, in China sogar je nach Provinz. „Im Großen und Ganzen variieren die Unterschiede aber nicht allzu sehr – Kontrolle der Körpertemperatur bei Gästen und Angestellten, sowie regelmäßiges Händewaschen und Desinfizieren sind die wichtigsten Standpunkte“, betont er. Das Tragen von Gesichtsmasken ist fast überall gewünscht, außer derzeit in Vietnam. Das liegt aber auch an den unterschiedlichen Fallzahlen in den verschiedenen Ländern. In Thailand haben sich seit dem Ausbruch mit Stand 8. Mai nach Angaben der John-Hopkins-Universität 2.992 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. In Vietnam liegt diese Zahl gerade mal bei 288. „Einige Länder sind noch immer im Lockdown und haben sicherlich andere Probleme zu bewältigen, während andere gerade mitten in der Planung der Wiedereröffnung stecken“, sagt er.

“Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt und Massagen mit Handschuhen gegeben werden müssen”
Thomas Meier, Minor Hotels

Die Sicherheitsabstände in den Restaurants variieren bis zu 50 Zentimeter. In Vietnam gibt es zum Beispiel die Regelung, dass in den Restaurants 1,8 Meter Abstand zwischen den Tischen eingehalten werden muss. In den Hotelküchen sind die Mitarbeiter in Thailand dazu verpflichtet Handschuhe und Gesichtsmasken zu tragen. Sogenannte „Face-Shields“ sind inzwischen auch erlaubt. Das sind keine Masken im klassischen Sinne, sondern vielmehr eine Scheibe vor dem Gesicht. Derzeit wird auch über Hygiene im Spa diskutiert. „Uns wurden schon Handschuhe für die Mitarbeiter präsentiert. Ich hoffe aber, dass es nicht so weit kommt und Massagen mit Handschuhen gegeben werden müssen“, betont Meier. Für den Wellnessbereich sieht er ein großes Potenzial, vor allem was naturnahe, traditionelle Produkte und Verfahren anbelangt. Dabei sieht er Treatments im Kommen, die das Immunsystem auf eine natürliche Weise stärken.

Desinfizierte Kugelschreiber

Auf Reisende aus Europa hofft Meier wieder ab Oktober – eventuell sogar früher. Dass Menschen nach der Krise wieder Lust aufs Reisen haben, steht für ihn außer Frage. Was sich vermutlich ändern wird, ist das Reiseverhalten. „Ich denke, die Menschen werden erstmal nicht mehrere Länder während einer Reise besuchen und in einer Vielzahl an Hotels übernachten. Diese Art von Urlaub wird wohl erstmal kaum stattfinden“, prognostiziert er. Was sich ebenfalls verändern wird, sind die Hygieneanforderungen, die Gäste an die Hotels stellen. Dazu hat Meier schon einige Maßnahmen wie Gesichtsmasken und Plexiglasscheiben am Empfang geplant. Die Registrationskarte, die voraussichtlich Pflicht sein wird, werden Gäste mit einem desinfizierten Kugelschreiber ausfüllen, der hiernach in eine Box kommt und erneut desinfiziert wird. Nach der Abreise, wird das Zimmer auf absehbare Zeit 24 Stunden nicht belegt werden. „In der Reinigung arbeiten wir mit Ecolab und Diversey zusammen. Es gibt unter anderem die Möglichkeit, mit einem ‚Electrostatic Cleaning‘ die Oberflächen zu desinfizieren“, erzählt Meier. Das Housekeeping werde darüber hinaus ebenfalls Masken tragen.

Wie sich die Belegung vor allem mit ausländischen Gästen entwickeln wird, hängt für ihn auch von den Fluglinien ab. Es ist derzeit noch nicht sicher, wie sich die Fluggesellschaften organisieren. Air Asia, die derzeit Inlandsflüge in Thailand anbietet, lässt jeden zweiten Sitz frei. Die Fluggäste sitzen diagonal, also so weit wie möglich voneinander entfernt. „Wie das andere Airlines wie Emirates organisieren werden, darüber wissen wir noch nichts Konkretes“, gibt er zu. Dass die Übernachtungen in den Hotels und Unterkünften von Minor Hotels teurer werden, daran glaubt Meier nicht. Das Ziel der Hotelgruppe sei es, mit der Belegung und den Zimmerraten kostendeckend zu operieren. In Asien sei das durch die geringeren Lohnkosten etwas einfacher zu realisieren als zum Beispiel in Europa.

Kein Aus für Expansionen

Den Expansionskurs der Hotelgruppe von vor der Coronakrise will Minor Hotels weiter fortsetzen. „Derzeit befinden sich drei Häuser in Asien im Bau, wobei die Arbeiten gerade unterbrochen sind“, sagt der Senior Vice President Hotel Operations Asia. Die Expansion innerhalb Europas sei aber auch wichtig. Das werde sich aber nicht in dem ursprünglich geplanten Ausmaß darstellen. Derzeit gebe es noch keinen genauen Zeitplan für Europa. Dennoch gilt nach wie vor: Die Märkte in Europa, dem Mittleren Osten und Asien sind und bleiben für die Hotelgruppe wichtig.

Über Minor Hotels

Minor Hotels mit Sitz in Bangkok ist als Eigentümer, Betreiber und Investor von aktuell 517 Hotels, Resorts, Camps und Serviced Suites in 53 Ländern tätig. Dazu zählen die eigenen Marken Anantara Hotels Resorts & Spas, Avani Hotels & Resorts, Tivoli Hotels & Resorts sowie die NH Hotel Group.