In Asien baut sich eine neue Schuldenblase auf

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Asien Schuldenblase

 
 
 

Die Verpflichtungen vieler Staaten gegenüber dem Ausland wachsen rasant. Selbst Ökonomen geben zu, die Lage unterschätzt zu haben

Es ist gerade mal etwas mehr als zwei Jahrzehnte her, da wurde Asien von einer tiefen Wirtschaftskrise erschüttert. Ihren Anfang nahm sie im März 1997 in Thailand und erfasste nach und nach fast alle Länder der Region. Auslöser waren zu hohe Schulden der Staaten gegenüber dem Ausland, und vielen war das eine Lehre. In den Jahren danach achteten die Finanzminister dort penibel darauf, dass die Schulden mit der wirtschaftlichen Entwicklung Schritt hielten.

Doch 22 Jahre sind eine lange Zeit, und Menschen vergessen schnell. Und so baut sich seit einigen Jahren eine neue Schuldenblase auf, in Asien, aber auch in vielen anderen Schwellen- und Entwicklungsländern auf allen Kontinenten. Dies zeigen aktuelle Zahlen, die die Weltbank veröffentlicht hat. Insbesondere China macht vielen Beobachtern zunehmend Sorgen.

Insgesamt haben die externen Schulden der Schwellen- und Entwicklungsländer im vergangenen Jahr fast acht Billionen Dollar erreicht, wie die Weltbank errechnet hat. Zwar habe sich der Anstieg gegenüber dem Vorjahr deutlich verlangsamt.

Doch entscheidend ist das Niveau: 2017 war der Schuldenberg noch um 10,4 Prozent gewachsen, 2018 dann „nur“ noch um 5,2 Prozent. Vor allem die kurzfristige Verschuldung legte stark zu, um rund zwölf Prozent. Langfristige Verpflichtungen erhöhten sich dagegen um lediglich zwei Prozent.

Allerdings verdecken diese globalen Zahlen die höchst unterschiedlichen Entwicklungen je nach Region und Land. „Die landesspezifischen Indikatoren variieren stark“, heißt es in der Weltbankanalyse, „und in vielen Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen verschlechtern sie sich stetig, was für Besorgnis über nicht tragfähige Schuldenlasten und das erhöhte Risiko von Schuldenkrisen in einigen Ländern sorgt.“

Über die vergangenen zehn Jahre hat sich die Zahl jener Länder, deren externe Schuldenlast über 100 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) beträgt, von vier auf acht Prozent verdoppelt. Dagegen hat nur noch ein Viertel der Länder eine Belastung von unter 25 Prozent des BIP – vor zehn Jahren fielen noch 42 Prozent in diese Kategorie.

Im vergangenen Jahr stach besonders Argentinien heraus, dessen externe Schulden sich um 19 Prozent erhöhten – und tatsächlich hat dies inzwischen zur erneuten Pleite des Landes geführt. Im Nahen Osten und in Nordafrika wuchsen die Verpflichtungen gegenüber dem Ausland im Schnitt um sechs Prozent, besonders tat sich hier Ägypten mit einem Plus von 17 Prozent hervor. Andererseits ist die externe Verschuldung in den Schwellenländern Europas und in Zentralasien zuletzt um 5,5 Prozent zurückgegangen.

Besonders starken Einfluss auf die gesamte Statistik nimmt allerdings die Entwicklung in China. Denn dessen externe Verschuldung beläuft sich inzwischen auf fast zwei Billionen Dollar und damit ein Viertel der gesamten Außenverpflichtungen der Schwellen- und Entwicklungsländer. Zudem ist diese Summe 2018 um 15 Prozent gewachsen – damit ist China der entscheidende Faktor für die gesamte Entwicklung.

Das Problem ist hier weniger die Höhe der externen Schulden, diese belaufen sich auch jetzt noch gerade mal auf rund 14 Prozent der Wirtschaftsleistung. Beängstigend ist eher der Trend. Denn diese schnell wachsende Auslandsverschuldung geschieht vor dem Hintergrund einer ohnehin schon hohen Inlandsverschuldung.

Nach Angaben des Institute of International Finance, der weltweiten Vereinigung von Finanzinstituten, beträgt die Gesamtverschuldung von Staat, Firmen und Haushalten in China inzwischen mehr als 300 Prozent der Wirtschaftsleistung. Vor der Finanzkrise lag sie noch halb so hoch. Das aktuelle Niveau ist nur noch unwesentlich niedriger als in den USA, die allerdings über einen weit höheren wirtschaftlichen Entwicklungsstand und ein weit ausgereifteres Finanzsystem verfügen.

In China ist den Angaben zufolge zudem ein besonders hoher Anteil der Schulden kurzfristig finanziert. Das birgt erhebliche Risiken, wenn einmal Probleme am Finanzmarkt auftreten sollten. Dann könnten viele Firmen schnell nicht mehr an Geld kommen und in die Insolvenz geraten.

„Wie auch immer man es betrachtet, die massive Kreditexpansion in China in den letzten Jahren sollte die Alarmglocken schrillen lassen“, sagt Paul Smillie, Analyst bei der Investmentgesellschaft Columbia Threadneedle. Dies berge möglicherweise größere systemische Risiken für die chinesische Wirtschaft als ein Handelskrieg.

Ihn beunruhigt dabei vor allem, dass die Schulden kaum noch etwas bewirken. So habe die Kreditrendite, die misst, wie effektiv Neukredite das Wachstum beleben, im Jahr 2008 ungefähr bei 0,75 gelegen. Jeder verliehene Yuan erhöhte damals die Wirtschaftsleistung also noch um 0,75 Yuan. Seit 2014 liege diese Kennzahl jedoch im Durchschnitt bei 0,25.

„Wichtige Kennzahlen für das Kreditwachstum signalisieren, dass dieses Wachstumstempo nicht nur unhaltbar ist, sondern zu einem deutlichen Anstieg notleidender Kredite führen wird“, so Smillie. Sollte es dazu kommen, dürfte dies jedoch weitreichende Folgen haben, möglicherweise auch weit über China hinaus. „Vor fünf Jahren waren wir der Ansicht, dass eine starke Kreditexpansion in China mit minimalen Marktstörungen hätte bewältigt werden können“, sagt Smilie. „Heute sehen wir das anders.“