Hongkongs Demonstranten belagern Flughafen

0
495
Anhänger der Demokratiebewegung blockieren den Hongkonger Flughafen, der zu den grössten in Asien zählt.

 
 
 

Schwere Ausschreitungen haben die Metropole am Wochenende ins Chaos gestürzt. Peking schickt offenbar paramilitärische Polizei an die Grenze.

Nach schweren Zusammenstössen mit der Polizei in der Nacht haben sich in Hongkong am Sonntag Hunderte prodemokratische Demonstranten vor dem Flughafen versammelt. Züge zum Flughafen wurden ausgesetzt. An der Haltestelle des Flughafen­expresses im Zentrum Hongkongs wurden Passagiere abgewiesen, die zum Flughafen fahren wollten. Zwischenzeitlich konnte der Flughafen nur noch mit dem Auto erreicht werden. Busse hielten weit vor dem Flughafengebäude, Passagiere mussten mit ihrem Gepäck zu Fuss bis zu den Terminals laufen.

Polizeikräfte sicherten den Zugang in das Gebäude des Flughafens, der zu den grössten in Asien zählt. Lediglich Passagiere mit gültigem Flugticket konnten das Gebäude betreten. Zwischenzeitlich schafften es auch einige Protestierende in den Flughafen, bevor die Polizei diese wieder aus dem Gebäude trieb. Durch die Demonstrationen verzögerten sich die Starts einiger Maschinen.

Die Gewalt in der chinesischen Sonderverwaltungszone erreichte am Wochenende ein neues Ausmass. Am Freitag hatte der Konflikt erneut an Schärfe gewonnen, da die Behörden mehrere Aktivisten und Abgeordnete des prodemokratischen Lagers festnehmen liessen. Darunter war auch der bekannte Aktivist Joshua Wong, der inzwischen wieder auf Kaution entlassen wurde.

Warnschüsse der Polizei

Am Samstag versammelten sich zunächst Zehntausende Menschen trotz eines Demonstrationsverbots in der Innenstadt für einen Protestmarsch. Erst am Nachmittag schlugen die Demonstrationen in Gewalt um. Polizisten gingen mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Teilnehmer einer Kundgebung vor dem Regierungssitz vor. Mindestens 41 Personen wurden verletzt, darunter fünf Männer schwer. Mehr als 60 Personen wurden festgenommen. Im Victoria Park gab die Polizei zwei Warnschüsse ab.

Einige der Demonstranten bewarfen die Polizisten mit Molotowcocktails und Steinen.

Am Sonntag blieben dann drei ­U-Bahn-Stationen wegen Schäden geschlossen. Am Tag zuvor war der Verkehr von fünf U-Bahn-­Linien zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt komplett eingestellt worden. Die Debatte am Sonntag drehte sich aber vor ­allem um das Vorgehen der Polizei während der chaotischen Stunden. Aufnahmen zeigten Beamte beim Stürmen einer ­U-Bahn-Station. In den Videos ist zu erkennen, wie maskierte Polizisten Passagiere verprügeln und Tränengas in Waggons sprühen. Darin sassen viele Passagiere, die keine schwarzen T-Shirts trugen, wie normalerweise bei den Demonstrationen in den vergangenen Wochen üblich.

Viele Passanten trugen im Gegensatz zu den Protestteilnehmern auf der Strasse auch weder einen Mundschutz noch Gasmasken. Mehrere Passagiere wurden verletzt. Videos aus der Station und den Waggons wurden in den sozialen Medien tausendfach geteilt. Die Demonstranten fordern seit Wochen eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt.

«Bereit für den Kampf!»

Um die internationale Aufmerksamkeit auf die Protestbewegung zu lenken, hatten die Demonstranten bereits wiederholt versucht, den Flugbetrieb zu stören. Vergangenes Wochenende hatten die Behörden einen Gerichtsbeschluss erwirkt, der Proteste am Flughafen untersagte. Auslöser der Massenproteste vor über drei Monaten war ein umstrittenes Auslieferungsgesetz mit China. Das hat die Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam zwar auf Eis gelegt, den Demonstranten geht das aber nicht weit genug. Sie wollen eine komplette Rücknahme des Gesetzes sowie mehr demokratische Mitbestimmung in der Stadt.

Für Unruhe sorgten auch die Berichte der chinesischen Staatsmedien darüber, dass das Militär neue paramilitärische Kräfte nach Shenzhen an die Grenze zu Hongkong verlegt habe. In Videoaufnahmen waren Militärwagen zu sehen, die am Samstagmorgen in der Grenzstadt einrollten. Am Sonntag berichtete die «Volkszeitung» von Übungen der Truppen. Die Überschrift des Videos lautete: «Bereit für den Kampf!»