Asien wehrt sich dagegen, die Müllkippe reicher Länder zu sein

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Containerweise stapelt sich der Abfall in Port Klang, nahe der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur. Die Behörden wollen diesen nun in die Herkunftsländer zurückschicken. (Bild: Samsul Said / Bloomberg)

 
 
 

Weil China den Import von Müll vergangenes Jahr gestoppt hat, tauchen in anderen Ländern Asiens Container voller Abfall auf. Malaysia oder die Philippinen wollen die Ware zurück an die Absender schicken – und nehmen dafür diplomatische Verstimmungen in Kauf.

Mit der diplomatischen Höflichkeit ist es vorbei: «Wir schicken die Sch**** zurück», schimpfte der philippinische Aussenminister Teodoro Locsin am Wochenende auf Twitter. Mit dem Kraftausdruck betitelte er rund 25 Tonnen Elektroschrott, die laut philippinischen Angaben aus Hongkong stammen. Dorthin sollen sie nun auch wieder zurück.

Die Philippinen sind derzeit nicht das einzige Land Südostasiens, das haufenweise Müll loswerden will. Der Abfall stammt dabei nicht von der einheimischen Bevölkerung, sondern aus entwickelten Industriestaaten. Statt diesen teuer zu rezyklieren, verkaufen Europa und die USA seit Jahrzehnten einen Grossteil davon lieber nach Asien.

Nur wenig Kunststoff wird rezykliert

Weltweit werden laut Greenpeace nur 9 Prozent der Kunststoffabfälle wiederverwertet. 12 Prozent werden verbrannt, und die restlichen 79 Prozent landen auf Deponien – viele davon in den Schwellenländern Asiens.

Doch das Modell des Westens stösst an seine Grenzen. In Asiens Schwellenländern regt sich der Widerstand. «Malaysia ist nicht die Müllkippe der Welt», sagte Malaysias Umweltministerin Yeo Bee Yin diese Woche an einer Pressekonferenz. «Wir wehren uns. Auch wenn wir ein kleines Land sind, lassen wir uns von den Industriestaaten nicht schikanieren.» Es geht nicht nur um ein Umweltproblem, sondern auch um Nationalstolz.

Chinas Importstopp hat Auswirkungen

Zuletzt waren die Müllberge in Südostasien immer schneller gewachsen. Ein Hauptgrund war der Entscheid Chinas im letzten Jahr, 24 verschiedene Recyclingmaterialien mit einem Importverbot zu belegen. Darunter fallen beispielsweise unsortierter Plastikmüll oder alte CD. Für die globale Abfallindustrie war das ein Schock. Vorher nahm China schätzungsweise rund die Hälfte des globalen Plastikmülls auf.

Chinas Importstopp lenkte die globalen Abfallströme um. Nun verschiffen die Abfallexporteure ihre Ware nach Südostasien, Indien und die Türkei. Allein in Malaysia stiegen die Abfalleinfuhren aus den zehn grössten Importländern von 168 500 Tonnen im Jahr 2016 auf 465 000 Tonnen im ersten Halbjahr 2018. Kein anderes Land nahm mehr Müll auf. In Thailand erhöhten sich die Importe sogar um 1000 Prozent.

Auf den rasanten Zustrom waren diese Staaten nicht vorbereitet – schon mit der Bewältigung des eigenen Abfalls sind sie in der Regel überfordert. Statt dass man die Reste fachgerecht entsorgt oder wiederverwertet, lagert man sie oft unsicher oder verbrennt sie. In einem ausführlichen Bericht listete die Umweltorganisation Globale Allianz für Verbrennungsalternativen (Gaia) die dramatischen Folgen auf. In den am stärksten betroffenen Gebieten registrierten die Aktivisten «eine kontaminierte Wasserversorgung, Missernten, Atemwegserkrankungen durch brennenden Kunststoff und einen Anstieg der organisierten Kriminalität.»

Mittlerweile gehen asiatische Schwellenländer gesetzlich gegen die Abfallflut vor. Thailand, Vietnam, Malaysia und die Philippinen haben die Einfuhrbedingungen für Abfall bereits verschärft. Das löst das Problem jedoch nur teilweise, denn häufig werden die Lieferungen einfach falsch deklariert. Korruption und schwache staatliche Institutionen machen die Verbote wirkungslos.

Gleichzeitig verstärken die Staaten ihre Anstrengungen, den Unrat zurückzusenden. Malaysia hat diese Woche angekündigt, insgesamt rund 3000 Tonnen Müll aus reichen Ländern zurückschicken. In den kommenden 14 Tagen sollen die ersten Container auf die Reise gehen. Eine erste Ladung von fünf Containern ging bereits nach Spanien.

Diplomatische Spannungen

Doch die Absender nehmen den Abfall nur ungern zurück. So führt der Müllstreit bereits zu diplomatischen Spannungen. Mitte Mai riefen die Philippinen ihren Botschafter aus Kanada zurück. Die Kanadier hatten davor eine Frist verstreichen lassen, rund 69 Container mit rund 1500 Tonnen Abfall zurückzunehmen. Die Ladung gelangte bereits 2013 und 2014 illegal in die Philippinen und war als wiederverwertbares Plastik gekennzeichnet. Doch in den Containern war auch Hausmüll und Altpapier.

Umweltschützer begrüssen den neuen Abfall-Protektionismus: «Wenn die reichen Nationen aufräumen, sollte dies nicht auf Kosten der Entwicklungsländer gehen», sagte Beau Baconguis, der Asien-Pazifik-Koordinator der Nichtregierungsorganisation Break Free from Plastic. «Regierungen müssen ihr Territorium strikt vor dem Schmuggel von Abfällen aus reicheren Ländern schützen.»

Hoffnungen setzen Umweltschützer auch auf eine Ergänzung des sogenannten Basler Übereinkommens, das den Handel mit gefährlichen Abfällen regelt. Mitte Mai einigten sich mehr als 180 Staaten darauf, dass Exporteure ab 2021 die Zustimmung von Empfängerländern einholen müssen, bevor sie kontaminierten, gemischten oder nicht rezyklierbaren Plastikabfall verschiffen. Das Abkommen dürfte den globalen Abfallhandel weiter einschränken.

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