Unser Abfall soll nicht länger Asien verschmutzen

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epa07214268 An Indonesian scavanger sorts plastic waste at an imported plastic dumpsite in Mojokerto, East Java, Indonesia, 04 December 2018 (issued 07 December 2018). According to a Greenpeace report, Southeast Asia countries including Thailand, Vietnam, Malaysia and Indonesia have accepted more imported plastic waste, since China banned plastic waste imports in January 2018. EPA/FULLY HANDOKO ATTENTION: This Image is part of a PHOTO SET

 
 
 

So weit weg wie möglich verschiffen Industrieländer einen Teil ihres Plastikabfalls. Eine internationale Konferenz will das nun verhindern.

Auf wilden Deponien in Malaysia oder Indonesien finden sich Plastikverpackungen mit deutschen Aufschriften. Der Abfall stammt aus Europa. Verschifft und verscharrt in Asien. Dort verschmutzt er die Länder oder gelangt in die Ozeane. Die internationale Abfallkonferenz, die diese Woche mit fast allen Staaten der Welt in Genf tagt, will das nun ändern.

Worum geht es?

Auch wenn Plastikflaschen oder anderer Kunststoffabfall getrennt gesammelt wird, lässt er sich nicht immer leicht recyclen. Die Wiederverwertung ist schwierig, wenn der Abfall verdreckt ist – zum Beispiel noch Reste von Medikamenten oder Motoröl in der Plastikflasche sind. Oder wenn der Plastik unsortiert ist, also verschiedene Kunststoffe in einem Container liegen oder es sich um beschichtete Materialien handelt, wie Kurt Röschli vom Verband Swiss Plastics zu 20 Minuten sagt. In solchen Fällen exportieren einige Länder den Plastikabfall.

Was passiert damit?

Jährlich landeten Millionen von Tonnen des Problemplastiks in China. Dort wurde dieser sortiert oder gereinigt und für die Wiederverwendung zu Granulat gemahlen. Seit 2018 ist das auch den Chinesen zu aufwendig und zu teuer, und der Export dorthin ist verboten. Nun endet der Plastik in anderen Ländern Asiens: etwa in Malaysia, Indien oder Indonesien. Dort gibt es für den Exportabfall oft überhaupt keine Möglichkeit zum Recycling oder zum sicheren Verbrennen. Bilder aus Asien zeigen wilde Deponien mitten in der Landschaft. «Die Bilder aus Malaysia dokumentieren jedoch Missstände, die möglicherweise krimininellen Ursprungs sind. Dagegen gilt es vorzugehen», sagt Kurt Röschli von Swiss Plastics.

Was soll sich nun ändern?

Auf der internationalen Abfallkonferenz stimmen knapp 200 Staaten – und damit praktisch alle der Welt – über einen Antrag von Norwegen ab. Dieser sieht vor, dass verunreinigter und unsortierter Plastik nur noch exportiert werden darf, wenn der Empfängerstaat über die Einfuhr informiert wurde und seine Zustimmung gegeben hat. Das ist zwar kein Verbot, aber der Abfallhandel wird damit zur Staatsangelegenheit.

Wie ist die Rolle der Schweiz?

Die Schweiz unterstützt den Vorschlag Norwegens und will die Exporte erschweren. Sie kämpfe auch für eine internationale Partnerschaft gegen die Umweltbelastung durch Kunststoffabfälle, so das Bundesamt für Umwelt. Das heisst, sie will weltweit praktische Lösungen gegen den Abfall unterstützen.

Exportiert auch die Schweiz Plastikabfall?

Rund 60’000 Tonnen oder rund 8 Prozent des getrennt gesammelten Plastikabfalls werden exportiert. Allerdings nicht nach Asien, sondern zum grössten Teil nach Deutschland. Dieser Abfall sei unsortiert und ungereinigt und werde dort fürs Recycling aufbereitet und dann wiederverwertet, sagt Kurt Röschli vom Verband Swiss Plastics. Dass Deutschland aber zu den weltweit grössten Exporteuren von Problemplastik nach Asien zählt, widerspricht dem laut Röschli nicht.

Was passiert mit dem Problemplastik, wenn er nicht mehr frei exportiert werden darf?

Das ist unklar. Ziel der Verschärfung soll es ja sein, Recycling oder eine sachgemässe Beseitigung zu gewährleisten, auch wenn der Abfall exportiert wird. Greenpeace Schweiz fordert, dass die Schweiz und auch andere Länder gar keinen Plastikabfall mehr exportieren: «Wir müssen mit unserem Plastikmüll selbst zurande kommen, da, wo er produziert wird», sagt Yves Zenger, Sprecher von Greenpeace Schweiz. Er will darüber hinaus, dass Wegwerfverpackungen drastisch reduziert und schliesslich komplett durch alternative Mehrweg-Liefersysteme ersetzt werden.