Alkoholkonsum in Asien nimmt zu

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Mehr Einkommen, mehr Promille? Während in Deutschland der Alkoholkonsum auf hohem Niveau verharrt, nimmt der Griff zur Flasche in Schwellenländern zu. Indien und Vietnam verzeichnen die höchsten Wachstumsraten.

Es ist schon viele Jahre her, da gab es in deutschen Zeitungen eine Werbung für einheimischen Wein. Zu sehen war ein übergewichtiger Mann mit einer verdächtig rot geäderten Nase, der glücklich ein Glas Rotwein in der Hand hielt. Darunter stand: „Winzer haben keine Krampfadern“.

Mag sein, dass der regelmäßige, aber gemäßigte Genuss eines Glas Wein durchblutungsfördernd ist. Richtig ist aber auch, dass laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit jeder 20. Todesfall direkt oder indirekt auf Alkoholkonsum zurückzuführen ist.

Drei Millionen Todesfälle

Die WHO will den weltweiten Alkoholkonsum von 2018 bis 2025 um zehn Prozent senken. Ein Ziel, von dem sich die UN-Organisation wohl verabschieden muss. Denn laut einer am Mittwoch veröffentlichten internationale Studie unter Leitung der TU Dresden geht der Trend in die entgegengesetzte Richtung: Bis 2030 wird der Pro-Kopf-Alkoholkonsum ansteigen, von aktuell 6,5 auf 7,6 Liter reinen Alkohol im Jahr.

Für die Untersuchung analysierte das Forscher-Team Daten zum Alkoholkonsum von Menschen im Alter von 15 bis 99 Jahren aus 189 Ländern. Aus den Ergebnissen, die in der Medizin-Zeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurden, leiteten die Wissenschaftler Prognosen für das Jahr 2030 ab.

Danach stieg das Volumen des konsumierten Alkohols seit 1990 weltweit um 70 Prozent. Die Konsumgewohnheiten unterscheiden sich jedoch regional stark voneinander. Während in wohlhabenden Ländern der Pro-Kopf-Verbrauch stabil ist, nimmt er in Schwellenländern stark zu. Am geringsten war der Konsum 2017 in nordafrikanischen Staaten sowie im Nahen Osten, am stärksten in Zentral- und Osteuropa.

In Deutschland nimmt der Konsum laut Studie sogar leicht ab. Allerdings gibt es keinen Grund zur Entwarnung, denn die Trinkkultur verharrt hierzulande auf hohem Niveau: Mit jährlich mindestens zwölf Litern Alkohol gehört Deutschland zu den Spitzenreitern beim Alkoholgenuss.

Mehr Einkommen, mehr Promille

„Alkoholkonsum ist weltweit verbreitet, aber mit klaren regionalen Unterschieden, die weitgehend der Religion, politischen Richtlinien zum Alkoholkonsum und wirtschaftlichem Wachstum zugeschrieben werden können“, sagt Jakob Manthey, Diplompsychologe der TU Dresden und Erstautor der Studie. „Der wachsende Alkoholabsatz in Ländern mit mittleren Einkommen wird den Schätzungen zufolge den sinkenden Konsum in Ländern mit hohen Einkommen überflügeln, was insgesamt zu einem globalen Anstieg führt“, heißt es in einer zur Studie veröffentlichten Mitteilung.

Noch ist Europa bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von 9,8 Litern Alkohol führend, aber in den Modellrechnungen der Studie werden die asiatischen Länder den alten Kontinent einholen und überholen. Indien und Vietnam gehören zu den Ländern mit den höchsten Wachstumsraten, und auch in Südostasien und China verändert sich das Trinkverhalten. Laut Studie trug das wirtschaftliche Wachstum in Indien und China mit dazu bei, dass sich der Alkoholkonsum zwischen 1990 und 2017 verdoppelte.

Die Prognose der Studie wird allerdings nicht von Forschern geteilt. In einem Kommentar in „The Lancet“ weisen Suchtmediziner Sarah Callinan von der australischen La Trobe Universität und Michael Livingston vom Karolinska Institut in Stockholm daraufhin, dass keine exakte Prognosen zu Alkoholkonsum und Wirtschaftswachstum getroffen werden könnten.

Höhere Steuern auf Alkohol?

Höhere Besteuerung von Alkohol, Werbeverbote und eingeschränkter Verkauf an Jugendliche – die Dresdner Forscher halten nicht nur in Deutschland, sondern auch in Schwellenländern eine Präventionsstrategie für notwendig. In Deutschland sind bereits Erfolge zu verbuchen.

Nach einer ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung trinken nur noch 8,7 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf bis 17 Jahren einmal pro Woche Alkohol. 2004 lag dieser Wert noch bei 21,2 Prozent.

Damit hat der Konsum von Bieren oder Schnäpsen in dieser Altersgruppe einen historisch niedrigen Stand erreicht. Entwarnung will die oberste deutsche Drogenbeauftragte Marlene Mortler aber nicht geben. Mortler: „Alkohol ist in Deutschland immer noch Volksdroge Nummer eins.“