Schmutzige Ware: Asien rückt von Schieferöl aus Amerika ab

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Zwei große Ölraffinerien aus Südkorea – SK Innovation und Hyundai Oilbank – haben die Schieferöllieferungen aus den USA provisorisch eingestellt, und zwar wegen eines erhöhten Gehalts von fremden Beimischungen, vor allem von Metallen und Chemikalien.

Warum das US-amerikanische „schwarze Gold“ so schmutzig ist und mit welchen neuen Problemen die Schieferöl-Projekte konfrontiert sind, erklärt RIA Novosti in diesem Beitrag.

Was ist passiert?

Gegen Ende des vorigen Jahres stieg Südkorea zum größten Importeur des amerikanischen Öls auf, das über den Seeweg geliefert wird: Im Dezember erreichten die Lieferungen im Durchschnitt 500.000 Barrel pro Tag.

Im Januar und Februar bezogen die oben genannten Ölbetriebe eine neue Rohstoffpartie vom Ölfeld Eagle Ford im südlichen Texas, stoppten aber sofort die Verarbeitung dieses Öls: Bei seiner chemischen Analyse wurden enorm viele fremde Beimischungen entdeckt.

Die Koreaner verkauften den Rohstoff sofort weiter an den britischen Mineralölkonzern BP, eine weitere Partie schickten sie nach China – an den Konzern Sinochem Hongrun Petrochemical, dessen Anforderungen an die Qualität des Rohstoffs nicht so hoch sind.

Die Amerikaner nahmen sofort Ermittlungen zu diesem Vorgang auf und fanden heraus, dass der wichtigste Grund für die Verschmutzung des Schieferöls im Mangel an Pipelinekapazitäten besteht, um den immer größeren Umfang des Schieferöls zu befördern. Deshalb müssen die Unternehmen dieselben Pipelines und Öldepots einsetzen – und dadurch entstehen fremde Beimischungen.

Metalle und Reinigungsmittel

„Verschiedene Rohöltypen von Schieferölfeldern – von Texas bis North Dakota – haben nur einen Zulieferungsweg. Sie sammeln die Beimischungen, bevor sie nach Asien kommen – in der Region, wo der Ölverbrauch der größte in der Welt ist“, erläuterte die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg und verwies darauf, dass die instabile chemische Zusammensetzung des Schieferöls „große Kopfschmerzen bereitet“.

Wie der Vertreter der südkoreanischen Firma Hanwha Total Petrochemical, Sebastian Barie, gegenüber Bloomberg sagte, werden im amerikanischen Schieferöl immer wieder Metalle, Chemikalien sowie Säuerungsprodukte entdeckt, die die Qualität des aus diesem Rohstoff hergestellten Brennstoffs wesentlich beeinträchtigen.

Barie betonte, dass die Qualität des US-Öls viel schlechter als die des Öls aus dem Nahen Osten sei.

Die Koreaner haben ihre amerikanischen Partner offiziell gewarnt, dass sie die Qualität des Schieferöls streng kontrollieren werden, bevor sie es weiter kaufen. Es ist unwahrscheinlich, dass dies in der nächsten Zeit passiert.

„Das Problem ist, dass die Infrastruktur, die für die Anbindung der Ölfelder an Tiefwasser-Häfen nötig ist, viel langsamer als der Export ausgebaut wird“, stellte Dennis Sutton, Exekutivdirektor der Crude Oil Quality Association (COQA), fest.

Probleme der texanischen Schieferölförderer

Aber wie man bei Hanwha Total sagte, will Seoul trotz der Verschmutzungsprobleme nicht vollständig auf den amerikanischen Rohstoff verzichten. Diese Lieferungen sind für die Koreaner wegen der US-Sanktionen gegen Teheran quasi lebenswichtig geworden.

Eine andere Sache ist, dass die Fähigkeit der US-amerikanischen Schieferölunternehmen, die gesamte Nachfrage abzudecken, fraglich ist. Zumal vor kurzem ein großer Brand in einer großen Ölraffinerie in Texas schon jetzt Probleme mit den Lieferungen provoziert hat: Die Behörden des Bundesstaates haben den Schifffahrtskanal in Houston gesperrt, wo derzeit 60 Tankschiffe feststecken.

„Das Feuer hat nicht nur den Export beeinträchtigt – auch der Umfang der Ölverarbeitung ist gesunken, denn die Betriebe können weder Öl beziehen noch Ölprodukte verschicken“, so ein Analyst der Bank Société Générale.

Experten sind sich einig, dass die Amerikaner mindestens mehrere Wochen brauchen werden, um die Situation zu stabilisieren, während das „schwarze Gold“ auf dem Binnenmarkt immer billiger wird.

Schon jetzt müssen die Schieferölproduzenten, die unter der Preissenkung leiden, ihre Ausgaben kürzen, wobei sie auf einen ernstzunehmenden Investitionsmangel stoßen: Seit zehn Jahren ist der Markt verlustbringend – die Hoffnungen der Investoren gehen nicht in Erfüllung. Angesichts dessen wurde 2018 nur halb so viel wie 2016 in die Branche investiert. Und im Vergleich zum Jahr 2012 sind die Investitionen sogar um zwei Drittel geschrumpft.

Seit Ende des vorigen Jahres leben die Schieferöl-Branchenführer im „Sparmodus“ und reduzieren ihre Haushalte – zum ersten Mal seit mehreren Jahren. Branchenriesen wie Centennial Ressource Development, Diamondback Energy oder Parsley Energy haben ihre geplanten Ausgaben um 15 Prozent gekürzt. Und insgesamt haben mehr als zehn Unternehmen eine Ausgabensenkung angekündigt.

Barclays-Analysten warnen: Jetzt, wo die Ölförderung in den USA auf ein Rekordtief gefallen sei (etwa zwölf Millionen Barrel pro Tag), habe die Branche ihren Höhepunkt erreicht – ein weiterer Produktionsanstieg sei unmöglich.

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