Klebespezialist Tesa baut Produktion in Asien aus

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Die Beiersdorf-Tochter baut ihr Werk in China aus – und denkt laut über einen zweiten Standort nach. Auch weitere Zukäufe stehen auf der Agenda.

Norderstedt. Tesa, die Klebeband-Tochter des Dax-Konzerns Beiersdorf, will die Produktion in Asien deutlich ausbauen. Innerhalb der nächsten beiden Jahre werde Tesa voraussichtlich den Bau eines zweiten Produktionsstandorts auf dem Kontinent bekanntgeben, sagte Unternehmens-Chef Robert Gereke.

Bereits seit Dezember 2018 baut Tesa am Standort Suzhou in China für 30 Millionen Euro eine neue Reinraum-Produktion und ein Entwicklungszentrum. Dort sollen vor allem Klebebänder für die Produktion von Smartphones entstehen.

Tesa macht den größten Teil des Umsatzes von zuletzt 1,34 Milliarden Euro mit Klebebändern für die Industrie – vor allem für Automobilhersteller, Elektronik-Produzenten und den Bau. Während insbesondere die Elektronik-Produzenten in Asien sitzen, stellt Tesa noch 70 Prozent seiner Menge in Hamburg und Offenburg her. Ziel sei, die Produktion in Asien nach dem Ausbau des bestehenden Werks auf 40 Prozent auszubauen, sagte Gereke.

Er nannte dafür zwei Gründe. Zum einen die Kosten: „Lokale Wettbewerber sind immer billiger als Tesa. Wir sind kostenmäßig den Chinesen oder Koreanern himmelhoch unterlegen“, sagte er. Zum anderen die Reaktionszeit: Die Konfiguration neuer Smartphone-Modelle stehe oft erst sechs Wochen vor dem Marktstart fest, anschließend müsse Tesa schnell spezifisch angefertigte Klebestreifen liefern können.

Die deutschen Werke seien bereits an der Grenze der Leistungsfähigkeit, daher sollten Kapazitäten in Asien obendrauf kommen. Tesa werde aber genau schauen, welche schützenswerten Fähigkeiten exklusiv in Deutschland bleiben sollen. Die zusätzlichen Kapazitäten in Fernost sollen in Deutschland keine Arbeitsplätze kosten.

Zudem schaut Tesa erstmals auch auf den chinesischen Konsumentenmarkt. Angebote aus europäischen Baumärkten will Gereke nun auch in China online verkaufen – etwa Handtuchhalter mit der kürzlich zugekauften „Nie wieder Bohren“-Technologie. Allerdings ist der Versuch mit ausgewählten Produkten noch begrenzt – so sollen die Produkte in europäischer statt in chinesischer Verpackung verkauft werden.

2018 legte die Beiersdorf-Tochter beim Umsatz 6,8 Prozent zu, der operative Gewinn stieg unterproportional um 1,3 Prozent auf 210 Millionen Euro. Die vom Beiersdorf-Chef angekündigte Kurskorrektur mit höheren Ausgaben etwa für das Marketing, die die Aktie zuletzt auf Talfahrt geschickt hat, habe keine Auswirkungen auf die unabhängig geführte Tochter Tesa, sagte Gereke. Der Klebeband-Hersteller, dessen Zentrale einige Kilometer weiter nördlich in Norderstedt am Hamburger Flughafen liegt, halte seinen Kurs bei.

Anders als die Konzernmutter Beiersdorf mit ihrer Kernmarke Nivea ist Tesa inzwischen regelmäßig bei Zukäufen aktiv. Der Tesa-Chef will nach drei Übernahmen von Spezial-Anbietern weitere Akquisitionen in Angriff nehmen. Noch im laufenden Jahr könne es eine „Überraschung“ geben, sagte Gereke. Der M&A-Prozess sei jetzt eingeübt. Im vergangenen Jahr hatte Tesa etwa einen Hersteller für bestimmte Druck-Lösungen gekauft sowie ein Londoner Startup, das einen Knetmasse-ähnlichen Kleber namens Sugru im Internet vertreibt. Das Produkt sei „fancy“, sagte Gereke. Tesa wolle über den Zukauf lernen, wie sich das Online-Geschäft verbessern lässt.

Allerdings drücken die Zukäufe auf den Gewinn, weil die jungen Neugeschäfte weniger profitabel sind. Bei der operativen Marge blieb Tesa 2018 mit 15,7 Prozent leicht hinter den Analystenerwartungen von 16 Prozent zurück.

Für das laufende Jahr sagte Gereke eine eher schwache Marktentwicklung voraus – auch weil die Smartphone- und die Autobranche schwächeln. Tesa wolle jedoch weiterhin Marktanteile von Konkurrenten wie 3M gewinnen und so sein Wachstumstempo halten. Große Hoffnungen setzt er ins Anlaufen der E-Autos: Anders als in Verbrennungsmotoren gibt es bei Elektroantrieben zahlreiche Anwendungen für Klebebänder – angefangen bei der Batterie. „Geld kann man mit der E-Mobilität wegen der geringen Stückzahlen noch nicht machen, aber man muss sich darauf vorbereiten. Für Klebebandhersteller ist die E-Mobilität ein Glück“, sagte Gereke.