Schuhhandel: Deichmann wagt den Sprung nach China

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Erst zu kalt, dann zu heiß – Deichmann macht das Wetter in Europa zu schaffen, die Kunden lassen festes Schuhwerk stehen. Nun will peilt der Schuhhändler neue Märkte an. Aber zum Teil ohne Filialen.

Europas größter Schuhhändler Deichmann will neue Auslandsmärkte erschließen. „Wir wollen und wir werden weiter in den Ausbau unseres Filialnetzes investieren“, kündigte Verwaltungsratschef Heinrich Deichmann gegenüber WELT AM SONNTAG an.

„Weniger in Deutschland – hier dürften wir die Wachstumsgrenze mittlerweile erreicht haben.“ Potenzial sehe er vielmehr in Spanien, Frankreich und England sowie in Russland. Gute Entwicklungsmöglichkeiten gebe es zudem in USA.

Die Expansionsstrategie starte 2019 im Nahen Osten, konkret in Dubai. „Anschließend sollen noch weitere Länder auf der arabischen Halbinsel, aber auch in Nordafrika hinzukommen“, sagte Deichmann. „Darüber hinaus werden wir auch in China an den Start gehen“, kündigte der Unternehmer an. „Dort allerdings nur online über die Plattform T-Mall.“ Denn in der Volksrepublik würden bereits 40 Prozent der Schuhverkäufe über das Internet abgewickelt.

Aktuell betreibt Deichmann rund 4000 Filialen in Europa und den USA, dazu 36 Online-Shops. Investieren will das Unternehmen in beide Vertriebsarten. Zwar sei der Online-Anteil zuletzt im deutlich zweistelligen Prozentbereich gestiegen. „Trotzdem wird der stationäre Handel nicht aussterben“, zeigte sich Deichmann überzeugt.

Das Wachstumstempo soll dabei hoch bleiben für das Unternehmen mit zuletzt rund 5,8 Milliarden Euro Umsatz. Auch für 2018 rechnet Deichmann mit Zuwächsen – obwohl der Markt in Deutschland und etlichen anderen Ländern aufgrund des Wetters mit kalten Temperaturen bis April, einem monatelangen Hochsommer und einem viel zu warmen Herbst teils deutlich im Minus liegt.

Ganze Segmente liefen einfach nicht

„2018 war schon sehr besonders für den Schuhhandel“, sagte Deichmann. Ein Teil des Konsums habe schlichtweg nicht stattgefunden, allen voran bei geschlossenen Schuhen, aber auch bei Stiefeln. „In Europa dürfte der Markt daher deutlich im Minus liegen. Für die Deichmann-Gruppe rechnen wir dennoch mit Wachstum.“

Gleichzeitig will sich der Branchenriese zur Lifestyle-Marke weiterentwickeln. „Deichmann soll selbst zur Marke werden“, sagte der Eigentümer. Dabei setzt die Handelskette unter anderem auf Lizenzpartnerschaften wie es sie derzeit schon mit FILA, Bench und Camp David gibt.

„Abgesehen davon haben wir mit Elefanten und Gallus einige sehr bekannte Schuhmarken im Sortiment. Kann auch sein, dass noch weitere dazu kommen. Denn wir können uns weitere Übernahmen in dieser Größenordnung vorstellen.“