Experten rechnen mit weiterem Aufschwung an Asiens Aktienmärkten in 2018

0
724

Die asiatischen Börsen gehören auch im kommenden Jahr zu den Lieblingen der Experten.

Profitieren könnte der Markt womöglich davon, dass die Karten an den Weltmärkten neu gemischt werden. Nachdem die New Yorker Börsen zuletzt von Rekord zu Rekord geeilt sind, sehen einige Fachleute außerhalb der USA größere Chancen und favorisieren dabei unter anderem die Märkte in den Schwellenländern oder in Japan. „Mit Blick auf 2018 erachten wir den US-Aktienmarkt nun weniger attraktiv als Europa, Japan und die Emerging Markets“, schrieb Manfred Bucher von der BayernLB in seinem Jahresausblick.

„Vor allem japanische Aktien dürften stärkeren Rückenwind von der Geldpolitik erhalten und von der Währungsentwicklung profitieren“, heißt eine These von Bucher. Diese gründet unter anderem auf einem schwachen Yen, der die für Japan besonders wichtigen Exporte vergünstigen kann. Grund dafür ist vor allem die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen in den USA, die den US-Dollar zu anderen Währungen stärken dürfte. Die BayernLB rechnet damit, dass japanische Unternehmen in zwölf Monaten 119 Yen für einen Dollar erhalten werden – deutlich mehr als die aktuell etwa 113 Yen.

Basierend darauf glaubt auch Anlagestratege Ulrich Stephan von der Deutschen Bank, dass die Aussichten für den Tokioter Leitindex Nikkei 225 positiv bleiben – auch wenn dieser 2017 auf einen Jahresgewinn von derzeit 18 Prozent zusteuert und auf dem höchsten Stand seit den frühen 90er Jahren steht. „Multinationale japanische Unternehmen sollten weiter vom anziehenden Welthandel profitieren“, resümiert der Experte. Seinen Optimismus baut er außerdem auf den großen Bargeldreserven, die japanische Konzerne auf kurz oder lang entweder an die Anleger ausschütten oder investieren dürften.

Auch mit Blick auf China gibt sich Stephan optimistisch, obwohl der Festlandwerte-Index CSI 300 im bisherigen Jahresverlauf bereits um rund 20 Prozent gestiegen ist. Sein Argument fürs Geldanlagen im Reich der Mitte ist vor allem die Liberalisierung der Kapitalmärkte. Er rechnet damit, dass die Aufmerksamkeit internationaler Investoren für chinesische Festlandaktien weiter zunehmen wird. Chinesen wiederum säßen auf viel Bargeld, das zukünftig stärker in andere Märkte fließen dürfte. Davon könnte zum Beispiel auch der Hongkonger Hang Seng profitieren, obwohl er in Asien zuletzt schon alles in den Schatten stellte. 2017 hat er bislang um die 31 Prozent zugelegt.

Nach Einschätzung des BayernLB-Experten Manuel Schimm wäre eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft zwar ein bedeutendes Risiko, das er aber für unwahrscheinlich hält. Neben staatlichen Konjunkturpaketen werde das Wachstum weiter von Exporten, dem Privatkonsum und den Investitionen gestützt. Außerdem dürfte politisch nichts anbrennen, nachdem Staatsoberhaupt Xi Jinping im Amt bleibe und fortan über noch größere Machtbefugnisse verfüge. „Er wird auch künftig Sorge dafür tragen, dass die außenpolitischen Konflikte in der Region nicht eskalieren und Handel, Wachstum und Wohlstandniveau bedrohen.“

In Schwellenländern allgemein – unter denen in Asien neben China vor allem der Markt in Indien von großer Bedeutung ist – sehen einige Fachleute im kommenden Jahr attraktive Anlagechancen. „Obwohl die Bewertungen seit Anfang 2016 zugelegt haben, sind die Schwellenländer mit Blick auf die Industrienationen und die globalen Aktienindizes immer noch erfreulich günstig und bieten mitunter vergleichbare oder bessere Kapital- und Dividendenrenditen“, sagt James Donald vom Vermögensverwalter Lazard.

Politik dürfte derweil in Asien ein Thema bleiben. Wie in China ist nach dem überraschend deutlichen Wahlsieg von Ministerpräsident Abe zwar auch in Japan politische Stabilität zu erwarten. Experten sind sich aber einig, dass Anleger den Nordkorea-Konflikt im Auge behalten sollten, auch wenn er zuletzt kein ganz großen Schlagzeilen mehr machte. Schließlich liegt der politische Krisenherd inmitten des asiatischen Kontinents. BayernLB-Experte Manfred Bucher sieht im Säbelrasseln mit den USA denn auch einen großen Risikofaktor für die Aktienmärkte insgesamt – neben einem Sieg Euro-kritischer Kräfte bei der Parlamentswahl in Italien und einer globalen Konjunkturabkühlung, die er aber erst im Jahr 2020 erwartet.

Vom möglicher Wachwechsel an der Spitze der Bank of Japan erwarten Experten dagegen keine Gefahr: Die Amtszeit des amtierenden Präsidenten der Bank of Japan, Haruhiko Kuroda, endet im kommenden März. Laut Gerhard Wiesheu von der Privatbank Metzler gehen viele Beobachter davon aus, dass er den Posten erneut erhalten wird. Selbst unter einem potenziell neuen Chef-Währungshüter rechnet Wiesheu aber nicht mit größeren Auswirkungen: „Eine Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik ist nicht in Sicht.“ Diese Geldpolitik treibt seit Jahren die Märkte.