The firm, Taisei, plans to start trialling the drone in April next year

80 Überstunden und mehr im Monat: In Japan völlig normal. Demnächst will eine Firma eine Drohne anbieten, die Mitarbeiter an den Feierabend erinnern soll. Das Gerät soll dabei einen bedeutungsvollen Song spielen.


Eine japanische Firma will eine Drohne anbieten, die Angestellte dazu bringen soll, pünktlich Feierband zu machen. Die Drohne soll durch die Büros fliegen und das schottische Lied „Auld Lang Syne“ dudeln, in Deutschland bekannt unter „Nehmt Abschied, Brüder“. Der Song signalisiert in japanischen Supermärkten, dass die Geschäfte bald schließen.


Experten reagierten wenig begeistert auf das Projekt.


Japan hat seit Jahrzehnten ein massives Problem mit Überstunden. 2013 war eine Reporterin mit 31 Jahren an einem Herzanfall gestorben. Zuvor hatte sie 159 Überstunden in nur einem Monat angehäuft. Tod durch Überarbeitung ist in Japan so verbreitet, dass es dafür ein eigenes Wort gibt: „karoshi“. In einer Regierungsstudie aus dem Jahr 2016 gaben 23 Prozent der befragten Firmen an, dass manche ihrer Mitarbeiter auf mehr als 80 Überstunden pro Monat kommen. Ein Jahr zuvor wurden 93 Fälle von Selbstmord oder versuchtem Suizid infolge von Überarbeitung offiziell anerkannt.


„Das ist eine ziemlich dumme Sache“


Laut Medienberichten will die japanische Firma Taisei die Drohne „T-Frend“ gemeinsam mit den Unternehmen Blue Innovation und NTT East entwickeln. Die Idee: Die Mitarbeiter können nicht mehr konzentriert arbeiten, wenn sie daran denken müssen, dass die Drohne nun jederzeit vorbeifliegen könnte, und gehen lieber nach Hause. Das glaubt zumindest Tasei-Chef Norihiro Kato. Seine Firma will die Rausschmeißer-Drohne ab April einsetzen. Im Laufe des Jahres soll sie auch anderen Firmen angeboten werden, Kostenpunkt: 375 Euro im Monat.


„Das ist eine ziemlich dumme Sache“, sagt dagegen Seijiro Takeshita zu BBC, Professor für Management und Information an der Universität von Shizuoka. Die Drohne könne das Problem der Überstunden nicht in den Griff bekommen und sei ein übler Scherz. Die Firmen wollten der Öffentlichkeit nur vorgaukeln, sie würden tatsächlich gegen massive Überstunden vorgehen. Diese seien jedoch tief in der japanischen Arbeitskultur verwurzelt und ließen sich nur durch fundamentales Umdenken bekämpfen.


Auch Scott North, Professor für Soziologie an der Osaka Universität sagte: „Selbst wenn der Roboter die Mitarbeiter dazu bringt, nach Hause zu gehen, werden sie ihre unerledigte Arbeit einfach mitnehmen.“ Er schlägt stattdessen vor, die Arbeitsbelastung zu reduzieren. Zeitverschwendende Aufgaben müssten ebenso wegfallen wie Wettbewerbe zwischen Kollegen, für die japanische Arbeitsplätze berüchtigt sind. Außerdem sollten mehr Arbeitnehmer eingestellt werden.






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