Japan erfreut sich des Einkaufsrauschs ausländischer Touristen – und erschreckt diese durch rassistische oder nationalistische Zwischenfälle. Der Kosmetikhersteller Pola musste sich nun entschuldigen


Eine der großen wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten Japans in den vergangenen Jahren ist der Tourismus. Auch in diesem Jahr wird die Zahl der ausländischen Touristen einen neuen Rekord erreichen. Bis Oktober haben schon 23,7 Millionen Menschen Japan besucht, 18 Prozent mehr als vor einem Jahr.


Der Erfolg stützt sich nicht zuletzt auf die drastisch expansive Geldpolitik der Bank von Japan, die den Außenwert des Yen schwächt. Die Regierung wurde in den vergangenen Jahren in ihren Prognosen wiederholt von der Realität überholt. Sie hat nun für das Olympiajahr 2020 ein Besucherziel von 40 Millionen ausgegeben.


Die größte Gruppe der Touristen sind die Chinesen.  Bis Oktober kamen in diesem Jahr bislang 6,2 Millionen von ihnen auf Besuch oder 13 Prozent mehr als vor einem Jahr. Unter den ausländischen Gästen geben die Chinesen am meisten aus.


Sie sind bekannt für das Phänomen des „Bakugai“, des wörtlich übersetzt „explosionsartigen Einkaufens“, das den kriselnden Kaufhäusern in Japan gerade recht kommt. Kameras und Uhren sowie Kosmetikartikel standen zuletzt auf der Einkaufsliste der Chinesen ganz oben.


Zutrittsverbote und Massaker-Leugnung


Die neue Weltoffenheit Japans hat aber ihre Grenzen, wie jetzt ein Zwischenfall belegte. Das Kosmetikunternehmen Pola entschuldigte sich am Wochenende für ein „unangemessenes Plakat“ mit rassistischem Hintergrund. „Chinesen ist der Eintritt verboten“ stand auf dem handgeschriebenen Hinweis an der Eingangstür einer Pola-Verkaufsstelle.


Ein Foto des Plakats machte am Wochenende in sozialen Netzwerken unter anderem in China und Taiwan die Runde und erregte Unmut und Ärger. Pola, das rund 4600 Geschäfte in Japan betreibt, ließ das Plakat entfernen, kündigte Konsequenzen an und entschuldigte sich auf seiner Internetseite in japanischer und chinesischer Sprache.


Es ist nicht der erste Vorfall, der in diesem Jahr chinesische und auch koreanische Japanreisende verärgert. Die Hotelgruppe APA geriet am Jahresbeginn unter Kritik, weil sie in ihren Hotelzimmern Bücher mit nationalistischen Texten auslegt. Der Präsident des Unternehmens, Toshio Matoya, ein strammer Rechtsnationalist, bestreitet in den Büchern unter Pseudonym unter anderem, dass das japanische Militär das Massaker von Nanjing im Jahre 1937 ausübte oder koreanische Frauen als „Trostfrauen“ in Bordellen missbrauchte.


Unter öffentlichen Druck und nach Boykottaufrufen stimmte Matoya widerwillig zu, die Bücher im Februar während der Asienspiele in Sapporo zeitweise aus einem Hotel zu entfernen, in dem ausländische Athleten untergebracht wurden.






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