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Wie sehen Gläubige in Asien den Papstbesuch?

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Als Chance für mehr Frieden in der gesamten Region sehen nicht nur Asiens Christen, sondern auch die Vertreter anderer Religionen die Papstreise nach Myanmar und Bangladesch. Viele Asiaten seien davon überzeugt, dass Franziskus zum Dialog als Alternative zur Gewalt ermutigen könne, berichtet die asiatische Nachrichtenagentur Ucanews, die verschiedene Stimmen zur dritten Asienreise von Franziskus gesammelt hat. Länder mit muslimischer Mehrheit wie Indonesien und Pakistan hofften insbesondere auf eine friedliche Lösung für die muslimischen Rohingya in Myanmar.

Indonesien: Unmut über Rohingya-Vertreibung

In Indonesien sei die Vertreibung der Rohingya aufmerksam verfolgt worden. So sei die Hoffnung groß, dass der Papst mit seiner Reise für die verfolgte Minderheit etwas zum Guten wenden könne. Dahnil Anzar Simanjuntak, Sprecher der Jugendorganisation von Muhammadiyah, der zweitgrößten Islamischen Organisation Indonesiens, hebt Franziskus‘ Potential hervor, Menschen zum Respekt vor der Menschenwürde anzuhalten. Im Islam würde so etwas „dakwah“, missionarisches Bemühen, genannt. „Der Papstbesuch wird helfen, ein Friedensbewusstsein aufzubauen“, zeigt sich der junge Mann im Interview mit Ucanews überzeugt. „Was der Papst da tut, ist eine weiche Form der Diplomatie, das ist das Gebot der Stunde, wir müssen seine Anstrengungen respektieren.“ Mit Blick auf die Rohingya-Krise hält der Muslim hingegen schon auch einen entschiedeneren Ton für notwendig: es gehe da um Verbrechen des Staates, was „harte Diplomatie“ erforderlich mache.

Jimmu Gunabhadra, ein Buddhistischer Mönch, sieht den Papstbesuch als Zeichen dafür, dass der Konflikt rund um die Rohingya ein Ende finden muss – unabhängig von religiösen Fragen. Dass dieser Papst starken Einsatz bei Konfliktlösungen zeigt, merkt P. Antonius Benny Susetyo, der Nationalsekretär des Setara Institutes für Demokratie in Indonesien, an. Der aktuelle Papstbesuch erinnere ganz Asien daran, wie wichtig die Stärkung brüderlicher Bande sei anstatt sich militärisch zu rüsten.

Auch Fandis Nggarang von Indonesiens katholischer Studentenvereinigung betont, der Papst zeige mit der Visite seine Sorge um ganz Asien. „Indem er die Region besucht, will er der Welt die Bedeutung der Religion als Friedensinstrument zeigen“. „Ich glaube, er will auch den Christen zeigen, dass wir immer dazu aufgerufen sind, für den Frieden zu wirken, gerade auch innerhalb von Konfliktsituationen“.

Kirchenvertreter aus Pakistan wären gern angereist

Aus Pakistan dürfe kein Kirchenvertreter das Land Myanmar während des Papstbesuches dort besuchen, berichtet Ucanews weiter. P. Inayat Bernard, Sekretär der Katholischen Pressevereinigung Pakistans, macht der Regierung des buddhistischen Myanmar das zum Vorwurf. Drei Priester hätten sich für Reisevisa beworben, wären aber alle abgelehnt worden. Im Jahr 2015 habe ein Priester immerhin ein Visum bekommen, um nach Myanmar zu reisen.

Die Kritik der pakistanischen Regierung an den Repressionen gegenüber den Rohingya in Myanmar wie auch Straßenproteste hätten zu den Reiseeinschränkungen geführt, so der Geistliche weiter. Als der Papst bei einem Angelusgebet im August zu einem Ende der Verfolgungen der Rohingya aufrief, habe das bei vielen Pakistani einen positiven Eindruck gemacht. Für den Papst sei die Lage freilich „knifflig“, so P. Bernard mit Blick auf den Rakhine-Konflikt weiter, in dem Krisenstaat spielte viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Dass auch auf Seiten der Rohingya radikale Kräfte zu finden seien, die Öl ins Feuer gossen, habe eine Lösung des Dramas zusätzlich erschwert, so seine Einschätzung.

Indien: Warum kommt er nicht zu uns?

Die indischen Katholiken seien etwas enttäuscht, dass der Papst nicht auch noch zu ihnen komme, wo er doch schon in die Region reise, fand Ucanews für Indien heraus. Sie dächten an die vergangenen Papstreisen nach Indien zurück. Als der Vatikan von einer Papstreise nach Asien sprach, hätten alle an Indien mit seinen 19 Millionen Katholikenals Reiseziel gedacht. Es seien sogar schon Hypothesen angestellt worden, wo man den Papst hätte unterbringen können. Im August habe es dann auf einmal geheißen, der Papst fliege nach Myanmar und Bangladesch, was viele enttäsucht habe.

Dass Indiens Regierung den Papst nicht offiziell eingeladen habe, habe wohl mit politischen Überlegungen der rechtsnationalistischen Hindu-Regierung von Premier Narendra Modi zu tun, wird allgemein vermutet. Die BJP-Partei habe wohl Angst gehabt, dass eine Einladung des Papstes bei den nationalen Wahlen 2019 ihre Wählermehrheit dezimieren könnte.

Eine Unglückliche über den ausbleibenden Papstbesuch in Indien ist Johana Xalxo von der ethnischen Orano-Minderheit, Schuldirektorin in Neu Delhi. Die 52-Jährige erinnert sich noch gut an den Papstbesuch von 1986, als Johannes Paul II. sage und schreibe 15 indische Städte besuchte. Auch Ranchi, die Hauptstadt des indischen Bundesstaates Jharkhand, woher Xalxo stammt, hatte der polnische Papst damals besucht.

Wird der Papst auch eine Botschaft an China senden?

In der Volksrepublik China gibt es so manchen Kirchenvertreter, der es gern sähe, wenn der Papst etwas zur Lage der Katholiken in China sagt. Pater Paul, katholischer Priester und Chinese, erwartet sich „eine Botschaft an die Katholiken in unserem Land, um deren Glauben zu stärken“, wie er gegenüber Ucanews bekräftigt. Ein anderer Geistlicher, P. John, sieht Chancen dafür, dass Papst Franziskus einen Dialog der Volksrepublik mit Hong Kong und Taiwan erleichtern könnte.

Kirchliche Delegation aus Vietnam

Aus Vietnam ist eine kirchliche Delegation zum Papstbesuch nach Myanmar gereist; das gab die Bischofskommission für die Migrantenpastoral laut Ucanews bekannt. Auch hätten einige vietnamesische katholische Journalisten Presseausweise erhalten können, um vor Ort über die Papstreise zu berichten. Die Kirchenleute aus Vietnam nähmen in Myanmar an diesem Dienstag auch an einer Messe für vietnamesische Migrantenarbeiter teil.

Franziskus‘ Visite in Myanmar und Bangladesch ist die dritte Asienreise des lateinamerikanischen Papstes. 2014 besuchte er Korea und 2015 Sri Lanka und die Philippinen. Auch von den mehrheitlich katholischen Philippinen sind zahlreiche Katholiken nach Myanmar zur Papstreise gereist.