China’s President Xi Jinping (L) and US President Donald Trump attend a welcome ceremony at the Great Hall of the People in Beijing on November 9, 2017.

US-Präsident Donald Trump räumt beim Wirtschaftsgipfel Apec das Feld für China.


Der Aufstieg Donald Trumps wirkt mehr und mehr wie ein Glücksfall für China. Der überraschend zahme Auftritt des US-Präsidenten in Peking hatte diesen Eindruck bereits bestätigt. Am Freitag kamen weitere Nachrichten dazu, die Präsident Xi Jinping mit Wohlgefallen hören wird. Denn Trump hat den Rückzug Amerikas aus dem asiatischen Wirtschaftsgeschehen bestätigt – und macht damit den Weg für China frei.


Trump befindet sich auf dem Apec-Gipfel in Vietnam im Kernland eines Kooperationsprojekts, das er im Januar kurz nach seinem Amtsantritt beerdigt hat. Die transpazifischen Partnerschaft TPP hätte 12 asiatische und amerikanische Länder in ein US-geprägtes Handelsgefüge einbinden sollen. China war bewusst nicht eingeladen. Trump hatte das Projekt jedoch zum „Killer amerikanischer Jobs“ erklärt und per Dekret den Ausstieg befohlen.
Trumps Kehrtwende untergrabe Jahre sorgfältiger Arbeit


Der plötzliche Rückzug Amerikas aus TPP gilt in Peking als riesige Chance, die eigene Position als Vormacht in Ostasien zu zementieren. Chinas Kommunistische Partei betreibt bewusst ein historisches Projekt der Rückkehr des Landes zu alter Größe. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war das „Reich der Mitte“ tatsächlich der Mittelpunkt der asiatischen Welt. Es prägte die Kulturen der Nachbarländer und war Anfangs- und Endpunkt aller Handelswege. Da will das moderne, wiedererstarkte China des 21. Jahrhunderts wieder hin.


Amerika als die große pazifische Macht des 20. Jahrhunderts steht diesen Ambitionen im Weg. Bisher zumindest.


Mit dem Partnerschaftsabkommen TPP wollte Washington dem Werben der Chinesen etwas entgegensetzen: Einen besseren Vertrag, der die Handelspartner an die USA bindet und zugleich zur Einhaltung von Werten verpflichtet.


Der frühere Präsident Barack Obama „sah darin viel mehr als nur ein Abkommen zur Steigerung des Handels“, sagt Jack Thompson der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich der Zeitung „South China Morning Post“. Trumps Kehrtwende untergrabe Jahre sorgfältiger Arbeit der amerikanischen Diplomaten und Unterhändler.


Kein Wunder, dass Präsident Xi seinen Kollegen Trump so auffällig freundlich empfing. Sein Land macht im Handel mit den USA weiterhin jeden Monat mehr als 25 Milliarden Dollar Gewinn – alle Sprüche Trumps haben sich als Prahlerei erwiesen. Und nun macht Amerika sogar freiwillig Platz für Chinas Großmachtambitionen. Der Rückzug aus TPP „gilt als gewaltiges Geschenk an die Chinesen“, sagt Eric Altbach von der Politikberatung Albright Stonebridge Group in Washington.


Japan will das Abkommen am Leben halten


China zieht nun sein eigenes Freihandelsprojekt durch, ohne Konkurrenz fürchten zu müssen – natürlich ohne die Mindestanforderung für Umweltschutz, Arbeitssicherheit und den Schutz geistigen Eigentums, den TPP vorgesehen hatte. Die Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) soll Freihandel zwischen 16 asiatischen Ländern ermöglichen – mit China im Zentrum. Dazu kommt die Seidenstraße-Initiative, mit der Peking 64 Länder in ein selbst geknüpftes Handelsnetz einbindet.