Indonesien hat 17.000 Inseln, aber im Tourismusgeschäft des Landes zählt nur eine einzige: Bali. Vulkan Agung bremst das Erfolgsmodell auf der Paradiesinsel nun aus – und stellt Indonesien vor eine unangenehme Erkenntnis.


DenpasarWeil der Vulkan bedrohlich brodelt, ist die Arbeit von Komang Carma deutlich ruhiger als sonst. Der junge Mann sitzt auf der indonesischen Ferieninsel Bali am Eingang einer berühmten hinduistischen Tempelanlage. Sein Job ist es, die freiwilligen Spenden der Besucher in einem Buch zu notieren. Noch vor anderthalb Monaten füllte er jeden Tag gut ein Dutzend eng beschriebene Seiten. Inzwischen wird bis zum späten Nachmittag nicht einmal eine einzige voll. „Früher kamen ganze Busladungen“, sagt er. Doch seit in den Nachrichten davon die Rede ist, dass der benachbarte Vulkan Agung jederzeit ausbrechen könnte, würden sich nur noch vereinzelt Touristen zu seinem Tempel im Nordosten der Insel trauen. „Es ist hier sicher“, sagt er. „Die Menschen haben aber trotzdem Angst.“


Die kleinen Läden rund um die Touristenattraktion, die normalerweise Snacks und Getränke an die Urlauber verkaufen, sind wie ausgestorben. Aber nicht nur hier, wenige Kilometer neben dem Vulkan, laufen die Geschäfte schlecht. Auch im Süden, dem viel weiter entfernten touristischen Zentrum Balis, sind aus Furcht vor dem Vulkan die Besucherzahlen eingebrochen. Dass die Warnstufe nun vor wenigen Tagen von 4 auf 3 reduziert wurde, dürfte zwar etwas Erleichterung bringen. Ein Ausbruch ist jedoch nach wie vor möglich. Indonesiens Tourismusindustrie muss sich deshalb weiterhin mit einer unbequemen Erkenntnis auseinandersetzen: Ein qualmender Berg reicht aus, um sie massiv zu stören.


Eigentlich hätte Indonesien in Problemfällen für Urlauber reichlich Ausweichmöglichkeiten: Das südostasiatische Land erstreckt sich über 5.000 Kilometer vom Indischen Ozean bis zum Südpazifik. Indonesien hat so viele Inseln, dass nicht mal die Regierung genau weiß, wie viele. Offiziell registriert sind mehr als 13.000, wahrscheinlich sind es aber eher 17.000. Selbst wenn man jede von ihnen nur für einen Tag besuchen würde, bräuchte man dafür fast ein halbes Jahrhundert. Von der riesigen Auswahl machen Urlauber ebenso wie die Tourismusbranche kaum Gebrauch: Von den rund 12 Millionen ausländischen Besuchern, die vergangenes Jahr nach Indonesien kamen, hatte mehr als jeder dritte eine einzige Insel als Ziel: Bali.


Die Insel steht auch für mehr als die Hälfte der gesamten Tourismusumsätze Indonesiens. Wenn die Geschäfte auf Bali nicht laufen, ist das für ganz Indonesien ein Problem. In den vergangenen Wochen, als Vulkan Agung sehr aktiv war, gingen die Besucherzahlen nach Behördenangaben um rund 40 Prozent zurück. Von einem Schaden von fast 150 Millionen Dollar ist die Rede.


Balis Gouverneur Made Mangku Pastika trägt deshalb mantraartig seine Kernbotschaft an die Öffentlichkeit: „Bali ist nicht gefährlich. Ich garantiere, dass es kein einziges Opfer geben wird“, versprach er auch in der Zeit, als noch die höchste Gefahrenstufe galt. Mehr als Hunderttausend Menschen hatten sich vor dem Vulkan in Sicherheit gebracht. Die Dörfer in der Nähe des Berges wirken wie Geisterstädte. Unmittelbar an der Grenze der Gefahrenzone, die zuletzt für einen Radius von neun Kilometern galt, herrschte aber entspannte Stimmung: Die Checkpoints sind mittlerweile beliebte Treffpunkte, Männergruppen sitzen dort zusammen am Boden und trinken selbstgebrannten Schnaps. Hinter ihnen ist ein Banner in Warnfarben zu sehen: „Volcanic Hazard Zone, No Entry“, ist darauf zu lesen.


Auch die fehlenden Urlauber haben einen Anteil daran, dass sich Bali trotz Vulkansorgen derzeit ein wenig gemütlicher anfühlt als sonst. Denn der immense Erfolg der Insel als Touristenmagnet hat auch negative Seiten: Strände voller Müll, Überbebauung und ständiges Verkehrschaos lassen die Attraktivität des Naturparadieses zunehmend sinken. Auch deshalb versucht Indonesiens Regierung ihr touristisches Angebot zu diversifizieren und will unter dem Schlagwort „New Bali“ zehn weitere Regionen des Landes zum Kassenschlager im Urlaubsgeschäft


Noch sind sie aber weit davon entfernt, Bali den Rang abzulaufen. Das zeigt das Beispiel von Lombok: Die Nachbarinsel ist ungefähr gleich groß wie Bali und verfügt über mindestens ebenso schöne Strände. Die Zahl der Hotelzimmer liegt aber gerade einmal bei einem Zehntel. Selbst wenn alle verschreckten Bali-Touristen kommen wollten, gäbe es für sie keinen Platz.






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