Chinas Stahlindustrie muss ihre Öfen runterfahren. Denn bald qualmen im Lande nicht nur die Fabrikschlote – auch die Kraftwerke müssen kräftiger heizen: die kalte Jahreszeit bricht an. Dabei kann die Umwelt im Reich der Mitte ohnehin kaum noch atmen.


Chinas Stahlkonzerne müssen neue Wege gehen, um ihre Produktion am Laufen zu halten. Wegen der einsetzenden Heizsaison verordnet die Regierung in Peking den Kohle- und Stahlrevieren im Osten und Nordosten des Landes eine Atempause. Um bis zu 50 Prozent müssen chinesische Stahlhütten ihre Produktion in der kalten Jahreszeit drosseln, wie die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ berichtet.


Dabei war die Stahlproduktion in China wegen der belasteten Umwelt schonmal zurückgefahren worden: Die Hochöfen chinesischer Stahlkocher sind laut dem Blatt nur zu 71 Prozent ausgelastet – der niedrigste Wert seit 2012. Trotzdem hat sich die Luftqualität in der Hauptstadtregion im Vergleich zum Vorjahr nicht verbessert, bemängelt das chinesische Umweltschutzministerium laut der Zeitung.


Wegen der schlimmen Umweltsituation geraten die zuständigen Behörden und die Wirtschaftsbosse in China zusehends unter Druck. Schließlich hat die Kommunistische Partei auf ihrem letzten Parteitag beschlossen, dass die andauernde Umweltkrise bis 2035 bewältigt sein müsse.


Da sind Umweltaufseher gefragt. Sie kontrollieren die Einhaltung der Umweltschutzauflagen und verhängen Bußgelder, mitunter auch Freiheitsstrafen. Manche Kontrolleure gehen derart emsig ans Werk, dass sie den Umweltsündern Strom und Gas abstellen: Ganze 50.000 Fabriken standen letztes Jahr in China still.


Chinesische Wirtschaftsleute stöhnen: Wegen der staatlich verordneten „Umweltpause“ könnten sie ihre Aufträge nicht erfüllen – sie müssten die Logistikkette umstellen und auf Produktionsstandorte in anderen Ländern ausweichen.


So hat der chinesische Konzern Debang Guangdong aus Hongkong angekündigt, ein Stahlwerk in Russlands Fernost-Region zu errichten. Bekanntgegeben wurde das Vorhaben während des zweitägigen Besuchs des russischen Premierministers Dmitri Medwedew in Peking.


Die künftige Anlage soll mit einem umweltfreundlicheren Elektro-Ofen statt mit einem traditionellen Hochofen betrieben werden. Zunächst sollen so bis zu drei Millionen Tonnen Stahl pro Jahr erzeugt und verarbeitet werden – das Werk werde aber auf die maximale Jahreskapazität von fünf Millionen Tonnen ausgelegt, hieß es.


Zwei Milliarden Dollar sollen insgesamt in die neue Produktionsanlage investiert werden. Das russische Ministerium für die Entwicklung der Fernost-Region hat dem chinesischen Investor laut dem Blatt bereits steuerliche und bürokratische Erleichterungen zugesagt.






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