Rama X. gilt in seiner Heimat als Wiedergeburt des Gottes Vishnu, nach dem Tod seines Vaters wird er bald zum König gekrönt. Seine Mutter bezeichnete ihn als „kleinen Don Juan“.


Von Michael Neudecker


Über Maha Vajiralongkorn erzählt man sich in Oberbayern viele Geschichten, die meisten davon sind mindestens kurios. Wie er einmal im Gartencenter einkaufte, begleitet von großer Entourage; wie er Erdbeeren pflückte; oder auch: wie er einmal erstaunlich viel Essen aus einem am Starnberger See gelegenen Gasthaus holen ließ. Besonderer Beliebtheit erfreut sich unter Einheimischen die Anekdote, wie er diesen Sommer samt Begleittross Fahrrad fahren war und von zwei Lausbuben mit Spielzeugkügelchen beschossen wurde – die Kinder ahnten nicht, wen sie da trafen. Die Polizei ermittelte.


Maha Vajiralongkorn besitzt seit 2016 eine Villa in Tutzing sowie angeblich eine weitere Villa in Feldafing am Westufer des Starnberger Sees. Er ist einer der berühmtesten Bewohner dieser an Berühmtheiten reichen Region. Und der einzige echte König. Zwei Monate nach dem Tod seines Vaters Bhumibol übernahm Maha Vajiralongkorn Bodindradebayavarangkun, wie er mit vollständigem Namen heißt, am 1. Dezember 2016 als Königliche Hoheit Rama X. von Thailand die Amtsgeschäfte. Nach dem öffentlichen Trauerakt und der Feuerbestattung Bhumibols an diesem Donnerstag soll er bald offiziell gekrönt werden.


Über die Lebensführung des 65-Jährigen wird in Thailand allenfalls getuschelt, natürlich sind all die Erzählungen nie offiziell bestätigt worden. Der König gilt in seiner Heimat als Wiedergeburt des Gottes Vishnu, entsprechend groß ist die Verehrung für den Herrscher. Das Majestätsbeleidigungsgesetz ist streng, die Strafen sind drakonisch. In den vergangenen drei Jahren, so heißt es, sollen mehr als 100 Menschen wegen Beleidigung des jetzigen Königs und langjährigen Kronprinzen verhaftet worden sein. Fotos, die den damaligen Kronprinzen im Sommer 2016 am Münchner Flughafen mit Tattoos am Oberkörper zeigten, ließ der Palast als Fälschungen verbieten.


Spätestens seit der König sich im Juli den Zugriff auf das auf mindestens 25 Milliarden Euro geschätzte königliche Vermögen gesichert haben soll, verfügt er wohl über mehr Macht, als sein Vater je hatte; zumal er sich die Unterstützung des Militärs für die Krone sicherte, indem er einige Generäle in seinen Beraterstab holte. Für die meisten Thailänder allerdings ist Maha Vajiralongkorn noch ein Rätsel.


Bekannt ist, dass er, das zweite von vier Kindern und der einzige Sohn Bhumibols, die königliche Chitralada-Schule besuchte, mehrere Privatschulen in Großbritannien sowie eine Militärakademie in Australien. Bekannt ist außerdem das Zitat seiner Mutter, ihr Sohn sei „ein kleiner Don Juan“. Er heiratete drei Mal und zeugte sieben Kinder, aktuell ist er mit Suthida zusammen, einer früheren Thai-Air-Stewardess, die unter anderem in München lebt.


In Thailand wissen sie zwar nicht, was für ein König Rama X. sein wird. Niemanden aber würde es überraschen, wenn er weiter zwischen Thailand und Oberbayern pendeln wird.






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