Kommentar zur Wahl in Japan: Der Kampf um Vorherrschaft in Asien verschaerft sich

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Seit Monaten nehmen nicht nur Europäer mit Schaudern die Twitter-Attacken von US-Präsident Donald Trump gegen Nordkorea wahr. Die Sorge: Trump könnte sein Land in einen blutigen Konflikt mit dem kommunistischen Machthaber in Pjöngjang treiben. Tatsächlich aber lenkt der öffentliche Donner zwischen dem 33 Jahre alten Diktator Kim Jong-un und dem 71-jährigen US-Präsidenten nur vom Kampf um die Vormacht in Asien ab.
In diesem Machtkampf ist Nordkorea allenfalls ein Störenfried, die Akteure sind andere: China betrachtet die Region als seinen Hinterhof, die Nachbarn werden als Vasallen verstanden. Die Vereinigten Staaten haben in dieser Sichtweise in der Region nichts verloren. Deren Zeiten als Ordnungsmacht in Asien sind nach Pekings Meinung zu Ende. Und: Die Führung in China will die schwächelnde Supermacht USA auch nicht mehr als globale Ordnungsmacht akzeptieren. Längst stellt sich China in anderen Regionen den USA entgegen. Die neue Seidenstraße ist ein Mittel dazu, ebenso wie neue Militärstützpunkte, etwa in Djibouti in Afrika.

Chinesen verweisen mit Blick auf Asien auch auf ein altes chinesisches Sprichwort: „Auf einem Berg können nicht zwei Tiger bestehen.“ Einer ist China selbst, der andere ist in dieser Sichtweise Japan. Die Japaner haben bei der Parlamentswahl ein deutliches Signal nach Peking gesandt. Der rechtskonservative Regierungschef Shinzo Abe verfügt nun über eine Mehrheit, um die ungeliebte pazifistische Verfassung zu ändern. Er will aufrüsten, weniger gegen Nordkorea, sondern gegen China. Der Weg dazu ist frei. Der Kampf um die Vorherrschaft wird sich verschärfen.