Darum sind Asiens Schwellenmärkte stark wie nie zuvor, Teil 2

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Ein Grund für das erstarkte Vertrauen liegt in Chinas Krisenresistenz. Denn allen Abgesängen zum Trotz läuft die Konjunktur richtig rund. Die Citigroup prognostiziert für dieses Jahr 6,8 Prozent Wirtschaftswachstum. Die Volksrepublik rangiert hinter den USA bereits auf Platz 2 der Wirtschaftsmächte. Das Bruttoinlandsprodukt toppt mit 9,5 Billionen Euro die viertstärkste Nation Deutschland um mehr als das Dreifache. Die Top-6-Schwellenländer in Asien – China, Indien, Südkorea, Indonesien, Taiwan und Thailand – produzieren zusammen ebenso viel wie die Vereinigten Staaten.

Daran haben vor 20 Jahren auf dem Höhepunkt der sogenannten Asienkrise wohl nur die allergrößten Optimisten geglaubt. Als Japan in den 90er-Jahren in eine schwere Rezession rutscht, ist dies für Asiens sogenannte Tigerstaaten wie Thailand, Singapur oder Malaysia der Startschuss, selbst um Aufträge der Industriestaaten zu buhlen. Ausländisches Kapital heizt ein extrem schnelles Wachstum an, dem Politik und Finanzmarkt noch nicht gewachsen sind. 1997 flammt in Thailand die Asienkrise auf und greift schnell auf andere Staaten wie Indonesien und Südkorea über. Angesichts der einstürzenden Konjunktur ziehen Investoren ihr Kapital ruckzuck wieder ab. Sie pulverisieren damit zig Milliarden Euro Börsenwert und lassen eine jahrelange Wirtschaftskrise folgen.

Kann sich so eine Katastrophe wiederholen? Auf keinen Fall, sagen Asienexperten wie Karl Pilny: „Die fernöstlichen Schwellenmärkte wirtschaften inzwischen weit sorgfältiger und legen mehr Wert auf ordentliche Handelsbilanzen sowie solide Schuldenquoten. In Asien erfüllen mehr Länder die Maastricht-Kriterien als in Europa.“ Der promovierte Jurist und Buchautor („Das asiatische Jahrhundert“) hat viele Jahre in Fernost gelebt und zweifelt nicht am Aufstieg von China, Indien und Co.

„Herd für neue Risiken“

Über Chinas Schuldenberg streiten allerdings die Gelehrten. US-Milliardär Paul Singer etwa hält den Finanzmarkt der Volksrepublik schlicht für gefährlich. Sollte es aufgrund der riesigen Schulden von Privatwirtschaft und Staat zu einer Finanzkrise in China kommen, „wird eine gewaltige Flut von Kapital wie ein Tsunami durch die Weltwirtschaft und das Finanzsystem rollen“, sagt der Großinvestor voraus. Selbst mit umfangreichen Kapitalkontrollen könnte die Regierung in Peking seiner Ansicht nach diesen Aderlass nicht mehr stoppen. Und Chinas Zeit als wirtschaftlicher Hauptdarsteller wäre dann schlagartig vorbei, so Singer.

Von den auf 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angestiegenen Staatsschulden ist auch Joep Huntjens wenig begeistert: „China ist nicht nur eine Quelle für Wachstum und Stabilität in der Welt, es ist auch ein Herd für neue Risiken.“ Der Leiter Asian Fixed Income bei NN Investment Partners glaubt aber nicht, dass dies der Vorbote einer neuen Finanzkrise ist: „Der Regierung ist bewusst, dass mit Schulden angekurbeltes Wachstum langfristig nicht bestehen wird.“ Außerdem liegen die Leitzinsen in China derzeit jenseits von 4 Prozent, in Indien sogar noch bei gut 6 Prozent. Damit haben die Notenbanker anders als im Westen noch reichlich Munition, bei Bedarf Konjunktur und Börse zu stützen. Peking geht fest davon aus, dass sie die Geldpolitik auch bei Problemen auf dem Immobilien- oder Kreditmarkt einsetzten. Zudem verfügt die Volksrepublik über die weltweit höchsten Devisenreserven. Deswegen konnte Peking 2009 ein Billionen-Konjunkturprogramm auf die Schiene setzen und dem Rest der Welt einen Konjunkturschub bescheren.

Dank des höheren Zinsniveaus fallen auch die Anleiherenditen außergewöhnlich gut aus. Der von Huntjens gelenkte Rentenfonds NN Asian Debt Hard Currency hat auf Sicht von drei Jahren 28,1 Prozent Plus erreicht. Noch eindrucksvoller sehen die langfristigen Erfolge aus: Mit 122 Prozent Wertzuwachs seit August 2007 überbietet das 390 Millionen Euro schwere Anleiheportfolio selbst die meisten Aktienfonds. Huntjens zufolge steht weiteren Top-Ergebnissen wenig im Weg: „Das aktuelle Umfeld mit stetigem Wachstum und Chinas Vorhaben, die Schulden abzubauen, kommen asiatischen Unternehmensanleihen zugute.“

Die Kurse der als solide geltenden Investment-Grade-Anleihen entwickeln sich nach Daten des New Yorker Anleihespezialisten Muzinich in Asien zudem deutlich stabiler als etwa in den USA. Der Verschuldungsgrad der Unternehmen sinkt sogar wieder. Ganz anders als in den Vereinigten Staaten, wo der Trend steil nach oben zeigt. „Wir gehen daher davon aus, dass die Ausfallrate niedrig bleiben wird“, so der NN-Fondsmanager. Zudem seien asiatische Unternehmensanleihen im Vergleich zu Titeln aus anderen Schwellenländern weniger anfällig für die wechselhafte Anlegerstimmung, da rund 80 Prozent in Händen lokaler Investoren liegen.

Anders als der NN-Fonds emthält der UBS BS Asian High Yield Hochprozenter. Die ausgebenden Unternehmen gelten als weniger sicher, bieten dafür aber höhere Zinsen. Anteilseigner konnten auf Sicht von drei Jahren gut 30 Prozent einheimsen. Ungewöhnlich ist, dass der Wert weniger schwankt als bei den meisten Wettbewerbern mit weniger riskantem Anlageuniversum. „Dieses Phänomen ist neu. Vor allem in stressigen Phasen, wie zum Beispiel 2011, sind High-Yield-Titel viel volatiler als Investment Grades“, sagt Fondsmanager Ashley Perrott, zugleich Asien-Anleihechef bei UBS AM.

In Perrotts Portfolio spielt Sri Lanka eine ungewöhnlich große Rolle, 12 Prozent des Vermögens stecken in Anleihen aus dem früheren Ceylon. Experten halten auch Asiens zweite Mannschaft für gut aufgestellt und trauen Sri Lanka ebenso wie Bangladesch, Myanmar, Pakistan, den Philippinen und Vietnam zu, den großen Schwellenländern auf ihrem Marsch in die erste Liga zu folgen.