Die britische Strategie, den Austritt aus der EU durch Freihandelsabkommen in aller Welt abzufedern, dürfte schwer umzusetzen sein.


Die von Teilen der britischen Führung favorisierte Strategie, den Verlust des gemeinsamen europäischen Binnenmarktes nach einem Austritt aus der EU durch zahlreiche Freihandelsabkommen mit Ländern in aller Welt zu kompensieren, könnte scheitern. Wie Simon Kuper in einem Beitrag für die Financial Times schreibt, zeige das Beispiel Malaysias, dass auf Großbritannien nach dem Ausstieg große Herausforderungen zukämen.


Für diese Einschätzung liefert Kuper mehrere Gründe. Beispielsweise sei Großbritannien in Malaysia bereits heute deutlich hinter andere EU-Staaten zurückgefallen, was die Bedeutung als Handelspartner betrifft. Mit Deutschland, den Niederlanden und Frankreich wickelt das südostasiatische Land mehr Handel ab als mit Großbritannien. Großbritannien steht in der Reihenfolge aller Handelspartner Malaysias an 17. Stelle.


Selbst wenn der Abschluss eines Freihandelsabkommens gelänge, müssten britische Unternehmen mächtige Konkurrenten überflügeln. Zudem ist auch die EU an einem Freihandelsabkommen mit Malaysia und auch Singapur interessiert. Die britische Volkswirtschaft wird zudem maßgeblich von Finanzdienstleistungen dominiert und kann potentiellen Kunden in Südostasien nur wenige attraktive Waren und sonstige Dienstleistungen anbieten.


„Der britische Handel mit der Region müsste sprichwörtlich explodieren, um auch nur den kleinsten Rückgang im Handel mit Kontinentaleuropa auffangen zu können. Der Handel mit Malaysia betrug im Jahr 2015 etwa 2,75 Milliarden Pfund. Der Handel alleine mit Belgien betrug etwa 25 Milliarden Pfund“, schreibt Kuper.


Hinzu komme, so Kuper, dass die Bedeutung Großbritanniens in diesem Teil der Welt nach dem Verlust der Kolonialgebiete neben den Wirtschaftsbeziehungen auch auf anderen Feldern abgenommen habe. „Die meisten Angehörigen der malaysischen Elite betrachten Großbritannien heute hauptsächlich als Ort, an dem man studieren, Immobilien kaufen und Fußball schauen kann“, schreibt Kuper. Die meisten Geschäftsleute betrachten die Unsicherheiten um den Abschied Großbritanniens aus der EU deshalb heute aus der Ferne und eher aus einer Position des persönlichen Interesses als aus wirtschaftlicher Sicht.


Hinzukomme, dass die Vorbereitungen auf den Ausstieg die britischen Unternehmen so sehr beanspruchen, dass das Geschäft vernachlässigt wird. Kuper schildert den Fall eines Großkunden, dem von seiner britischen Bank mitgeteilt wurde, dass seine Anliegen derzeit die „geringste Priorität“ besitzen.


Nicht zu vernachlässigen ist auch der Umstand, dass in vielen jener Länder, die die Regierung in London als Kandidaten für Freihandelsabkommen identifiziert hat, weitaus schlechtere rechtliche Rahmenbedingungen herrschen als in der EU. Beispielsweise ist Malaysias Premierminister Najib Razak selbst in einen umfangreichen Betrugsskandal um Spenden aus Saudi-Arabien durch einen von ihm gegründeten Fonds verwickelt. Inzwischen ermitteln Ankläger von Singapur über die Schweiz bis in die USA, denn aus dem Fonds fehlen hunderte Millionen. Malaysias Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aber auf Druck der Regierung eingestellt.






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