Mit Dioxin belastete Muttermilch stört den Hormonhaushalt von Babys


Späte Folgen: Das im Vietnamkrieg eingesetzte Herbizid Agent Orange ist noch heute in damals kontaminierten Regionen nachweisbar – und gelangt auch in die Muttermilch. Beim Stillen geben Frauen die dioxinhaltige Substanz offenbar an ihre neugeborenen Kinder weiter, wie eine Studie zeigt. Diese Belastung scheint den Hormonhaushalt der Babys zu stören. Welche langfristigen Auswirkungen das hat, ist unklar.


Agent Orange war der Codename für ein Ende der 1960er Jahre im Vietnamkrieg eingesetztes Herbizid. Das Entlaubungsmittel brachte Bäume und Pflanzen dazu, ihre Blätter abzuwerfen – so wollten die US-Streitkräfte den feindlichen Vietkong ihre Deckung nehmen und die Zivilbevölkerung aus den Dörfern vertreiben. Schon kurz nach dem Krieg stellte sich jedoch heraus, dass das Agent Orange mit Dioxin verseucht war.


Das Gift gilt als hochgradig krebserregend und erbgutschädigend. Als sogenannter endokriner Disruptor greift der Stoff außerdem in den Hormonhaushalt ein und wirkt unter anderem auf den Botenstoff DHEA, eine Vorstufe des Hormons Testosteron. Auf diese Weise kann es das geschlechtstypische Verhalten verändern, sodass Jungen zum Beispiel mädchenhafter werden.


Noch immer nachweisbar
Neben dem massenhaften Einsatz während des Kriegs gelangte das Umweltgift in Vietnam jahrelang auch durch industrielle Prozesse in Boden und Atmosphäre – und ist heute noch immer in hohen Konzentrationen nachweisbar. „Die Menschen nehmen die Chemikalie über die Nahrung und beim Atmen auf“, sagt Teruhiko Kido von der Kanazawa Universität in Japan. „Wir wollten wissen, wie sich diese Belastung auswirkt – und ob der Einfluss des Dioxins von Müttern an ihre Babys weitergegeben werden kann.“


Um das zu überprüfen, untersuchten die Wissenschaftler 104 Frauen und ihre neugeborenen Kinder. Ein Teil der Probandinnen kam aus einer Region im Norden Vietnams, die die Amerikaner während des Kriegs nicht besetzt hatten – der andere aus der Industriestadt Bien Hoa. Hier lagerten die US-Streitkräfte große Mengen Agent Orange, das allein zwischen 1969 und 1970 mindestens viermal versehentlich durch Lecks in die Umwelt sickerte.


Belastete Muttermilch
Die Forscher analysierten die Muttermilch sowie Blutproben der Frauen und nahmen von deren Babys Speichelproben. Das Ergebnis: Auch Jahrzehnte nach dem Ende des Vietnamkriegs ließen sich bei den Frauen aus der kontaminierten Region deutliche Spuren einer Dioxinbelastung finden. Das Team wies bei ihnen zwei- bis fünfmal so hohe Dioxinkonzentrationen nach wie bei der Vergleichsgruppe. Auch der Hormonspiegel der jungen Mütter war verändert.


Die Belastung der Mütter wirkte sich wiederum auf die gestillten Kinder aus: Bedingt durch den Einfluss des Dioxins hatten sie dreimal so viel des Testosteron-Vorläufers DHEA in ihrem Speichel wie die Babys von Müttern aus der nicht belasteten Region. Das Umweltgift gelangt zum einen über die Muttermilch, aber womöglich auch über das Nabelschnurblut in den Körper der Kinder und bringt als Folge deren Hormonhaushalt durcheinander, wie das Team berichtet.


Langzeitfolgen unklar
„Unsere Studie bestätigt, wie sensibel Kinder auf Umweltgifte reagieren, denen ihre Eltern oder womöglich sogar frühere Generationen ausgesetzt waren“, sagt Kido. „Wir wissen längst noch nicht alles darüber, was das für die Gesundheit der betroffenen Kinder bedeutet und welche möglichen Langzeitfolgen damit verbunden sind.“


Um diese Frage zu klären, werden die Wissenschaftler die Babys in zehn Jahren erneut untersuchen. Sie erhoffen sich, auf diese Weise mehr über die langfristigen Auswirkungen von Umweltgiftbelastungen im Mutterleib und in der ersten Lebensphase zu erfahren. (Science of The Total Environment, 2017; doi: 10.1016/j.scitotenv.2017.06.264)






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