Auch wenn die japanische Tätowierkunst eine lange Tradition hat, so arbeiten Japans Tätowierer seit Jahren in einer rechtlichen Grauzone, die zunehmend ihre Existenz bedroht. Nun hat ein Gericht in Osaka entschieden, dass Tätowieren keine Kunst, sondern Medizin ist. Dieses umstrittene Urteil könnte verheerende Konsequenzen für die gesamte japanische Tattooszene haben.


Tattoos in Japan bleiben ein heikles Thema. Auch wenn immer mehr junge Japaner Tätowierungen als modisches Statement betrachten, so hegt die Gesellschaft noch immer negative Assoziationen und Stereotype gegen die Körperkunst.


Grund dafür sind die Yakuza, mächtige japanische Verbrechersyndikate, die symbolträchtige Ganzkörper-Tätowierungen als Zeichen ihrer Gruppenzugehörigkeit tragen. Auch wenn die von komplexen Mustern und ausdrucksstarken Motiven der japanischen Holzschnittkunst geprägten Tätowierungen heute nicht mehr unbedingt etwas mit den Yakuza zu tun haben, so wird die Kunstform in Japan trotzdem noch mit Kriminalität assoziiert und sozial geächtet.


Tattoos in Japan – Kunst oder Medizin?


Für die zahlreichen Tätowierer in Japan stellt diese soziale Ächtung seit Jahren ein tiefgreifendes Problem dar. Schuld daran ist eine Auslegung des japanischen Ärztegesetzes, nach der es nur Ärzten erlaubt wird, medizinische Tätigkeiten auszuüben. Da die traditionelle Kunst des japanischen Tebori (hier wird die Farbe mit einem Bambusstab unter die Haut gespachtelt) beispielsweise unter die Kategorie “medizinische Fähigkeiten” fällt, haben viele japanische Künstler seit Jahren mit rechtlichen Problemen und Anschuldigungen zu kämpfen. Tätowierer arbeiten in einer rechtlichen Grauzone, Studios müssen schließen, Hausdurchsuchungen finden statt und einige Künstler wurden sogar verhaftet oder zu hohen Geldstrafen verurteilt.


Taiki Matsuda – Der Kampf um Anerkennung einer jahrhundertealten Profession


Auch der 27-Jährige Taiki Matsuda war von den Übergriffen der Polizei betroffen. Weil er unerlaubterweise ein Desinfektionsmittel im Internet bestellte, wurde er 2015 verhaftet und zu einer Geldstrafe verurteilt. Sein Studio musste er vorerst schließen. Matsuda legte Einspruch ein und brachte seinen Fall bis vor das Bezirksgericht in Osaka. Für den Künstler ist das Tätowieren keine medizinische Praxis, sondern Kunst und sollte daher nicht als illegal betrachtet werden. Zusammen mit einem Team von Anwälten und anderen Tätowierern rief er das Projekt Save Tattooing in Japan ins Leben, um für die Anerkennung seiner Profession zu kämpfen und vor Gericht ein Grundsatzurteil zu erstreiten, das auch über die Zukunft zahlreicher anderer Tätowierer in Japan entscheiden sollte.


Der Prozess von Taiki Matsuda und Save Tattooing in Japan wurde von Tattoo-Künstlern im ganzen Land verfolgt. Sollte der Tätowierer aus Osaka ein Grundsatzurteil erstreiten, dann wäre das eine entscheidende Wendepunkt für die Tattooszene in Japan. Künstler würden nicht mehr in rechtlichen Grauzonen agieren, könnten ihre Profession ganz legal ausüben und sich aus ihrem zunehmend untragbaren Zustand befreien.
Ein Gerichtsurteil mit verheerenden Konsequenzen für die japanische Tätowierkunst


Doch Taiki Matsuda, Save Tattooing in Japan und die gesamte japanische Tattooszene haben am 27. September 2017 einen schweren Rückschlag erlitten: Nach knapp einem Jahr Verhandlungen urteilte Richter Takaaki Nagase, dass Taiki Matsuda sich der Verletzung des japanischen Ärztegesetzes schuldig gemacht hat. Nach Auffassung des Gerichts ist das Benutzen einer Tattoo-Nadel eben keine Kunst, sondern eine medizinische Fähigkeit, die nur von medizinisch ausgebildeten Fachkräften ausgeübt werden darf.


Auch wenn das Urteil das Schicksal anderer Tätowierer offen lässt: Zahlreiche japanische Tattoo-Künstler dürften sich nun in ihrer Existenz bedroht fühlen, immerhin gibt es nur wenige Tätowierer, die tatsächlich ein medizinisches Zertifikat besitzen. Vielen Menschen erscheint es, als wolle die Regierung in Japan das legale Tätowieren für Künstler unmöglich machen. Das würde Tausende ins gesellschaftliche Abseits drängen und sie ihrer Lebensgrundlage entziehen.


“Ich werde nicht aufgeben”


Taiki Matsuda wurde zu einem Bußgeld von 150,000 Yen (ca. 1100) Euro verurteilt. Zwar ist dies nur die Hälfte von der eigentlichen Forderung, aber kein Trost für den Künstler. Dieser will den Kampf um die Anerkennung seiner Profession allerdings noch nicht aufgeben: “Ich akzeptiere das Urteil nicht”, sagte er nach dem Prozess zu Reportern. “Ich praktiziere Kunst und Tätowieren ist ein integraler Bestandteil der traditionell japanischen Kultur.” Der Tätowierer plant, das Urteil noch mal anzufechten. Für Japans Tattoo-Künstler ist dies zumindest ein Funken Hoffnung in der Krise.






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