In einem Bangkoker Hotel sollen sich Gäste wie Sträflinge fühlen – doch das ist Wellness im Vergleich zu den echten Horror-Gefängnissen Thailands. Auch dort landen immer wieder Touristen. Eine Weltgeschichte.


BangkokDieses Hotel hat viel unternommen, um den Aufenthalt so unangenehm wie möglich zu machen. In die Zimmer passt bloß ein schmales Etagenbett, es gibt nur winzige Fenster und die Betonwände sind unverputzt. „Sook Station“ nennt Besitzer Sittichai Chaivoraprug sein Hotel, was ironischerweise so viel heißt wie „Station des Glücks“. Die Schikane hat System: Der Hotelier will seinen Gäste eine Nacht als Sträfling ermöglichen.


Ein befreundeter Architekt von Sittichai durfte sich dafür austoben: Er installierte schwere Eisengitter und ließ noch ein paar Extra-Mauern einziehen, damit die Räume auch ja beklemmend genug sind. Beim Check-In werden von den Kunden Häftlingsfotos gemacht. Wer will, kann für die Nacht in einen Schlafanzug mit Sträflingsstreifen schlüpfen. „Rund 90 Prozent unserer Kunden nehmen das Angebot wahr“, sagt Sittichai.


Zumindest PR-technisch ist die Idee eingeschlagen: Gerade erst hat sich wieder ein TV-Sender aus Singapur angekündigt. Auf allen Kontinenten wurde über sein Knast-Hotel seit der Eröffnung im Frühjahr bereits berichtet, sagt Sittchai stolz. Während die Journalisten kommen, bleiben die Gäste aber noch aus. An diesem Tag sind die Räume leer und unbewohnt. Für ein Zimmer ohne Tageslicht sind die rund 20 Euro pro Person dann wohl doch etwas zu teuer. Auch wenn Sittichai ihnen immerhin eine Klimaanlage und ordentliche Matratzen gönnt.


Der Hotelaufenthalt ist allerdings nichts gegen die echten Strafvollzugsanstalten des Landes. Einige Bekannte von mir mussten schon einsitzen, weil sie von der Militärjunta wegen Aufwiegelung angeklagt wurden. Sie erzählten von völlig überfüllten und verdreckten Zellen, in denen es nicht einmal genug Platz gibt, sich richtig hinzulegen. Das Essen ist ungenießbar. In der Regel lassen sich alle Insassen von Bekannten beliefern.


Internationale Organisationen verurteilen immer wieder die schlimmen Bedingungen. Die Belegung übertrifft die Kapazität um das Dreifache. Es breiten sich Krankheiten aus, Gewalt gehört in manchen Anstalten zur Tagesordnung. „Wenn eine Gesellschaft danach beurteilt wird, wie sie mit ihren Gefangenen umgeht, dann muss die thailändische Regierung als grausam und unmenschlich bezeichnet werden“, kritisiert der Dachverband der Menschenrechtsorganisationen FIDH.


Auch Touristen landen immer wieder im Knast – dafür müssen sie nicht einmal schwerkriminell sein. Vergangenen Monat meldete die britische Regierung, dass mehrere Landsleute wegen der Einfuhr einer E-Zigarette festgenommen wurden. Die sind in Thailand streng verboten, theoretisch kann man dafür zu einer zehnjährigen Gefängnisstrafe verurteilt werden. Dann doch lieber nur eine Nacht im Knast-Hotel.






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