Bislang sind 19 Tote und 27 Überlebende bestätigt. Erst kurz zuvor hatte UN-Generalsekretär Guterres die Lage der muslimischen Minderheit in Myanmar als „humanitären und menschenrechtlichen Albtraum“ bezeichnet.


Nach dem Untergang des Flüchtlingsboots aus Myanmar werden den Behörden von Bangladesch zufolge mehr als 50 Rohingya vermisst. Die Katastrophe ereignete sich am Donnerstagabend bei starkem Regen und schwerer See. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) erklärte, vermutlich seien etwa 130 Menschen an Bord gewesen. Mitglieder der muslimischen Minderheit der Rohingya fliehen gegenwärtig zu Hunderttausenden aus Myanmar. Die Vereinten Nationen und mehrere Staaten werfen dem Militär des überwiegend buddhistischen Landes „ethnische Säuberung“ vor. Die Regierung des früher Birma genannten Landes weist dies zurück.


Fast zeitgleich hatte UN-Generalsekretär António Guterres die Lage der Rohingya in Myanmar als „humanitären und menschenrechtlichen Albtraum“ bezeichnet. Vor dem Weltsicherheitsrat in New York erklärte Guterres, seit dem Ausbruch der Gewalt Ende August habe sich die Krise zur „am schnellsten voranschreitenden Flüchtlingsnotsituation der Welt“ entwickelt. Die dadurch entstandene humanitäre Krise sei „nicht nur Brutstätte für Radikalismus, sondern setzt gefährdete Menschen inklusive junger Kinder dem Risiko von Kriminalität wie Menschenhandel aus“.


Fast 200 Orte sind menschenleer


Mehr als eine halbe Million Menschen sind seit Beginn der Krise nach UN-Angaben ins benachbarte Bangladesch geflohen. Weitere 250.000 Rohingya könnten zusätzlich gezwungen sein, ihre Heimat zu verlassen, wenn die Regierung von Myanmar die „systematische Gewalt“ in der Rakhine-Provinz nicht angehe, sagte Guterres.


Die Armee müsse den Einsatz in Rakhine sofort einstellen und einen uneingeschränkten Zugang für humanitäre Hilfe zulassen, forderte der UN-Generalsekretär. Und: Den geflüchteten Rohingya müsse die sichere Rückkehr in ihre Heimat ermöglicht werden.


Lag es wirklich am Wetter?


Zuvor hatte die Regierung von Myanmar einen eigentlich für Donnerstag geplanten Besuch von UN-Vertretern in der Konfliktregion Rakhine verschoben. Als Grund hatten die Regierungsvertreter schlechtes Wetter genannt. Bislang sind nach Angaben aus Myanmar mindestens 176 der 471 muslimischen Dörfer im Norden der Rakhine-Provinz komplett verlassen worden.


Die muslimische Minderheit der Rohingya ist staatenlos, nachdem ihnen die damalige Militärjunta 1982 die Staatsbürgerschaft entzogen hatte. Die derzeitige Krise war Ende August ausgebrochen, nachdem Rohingya-Milizen Polizei- und Militärposten angegriffen hatten. Die Sicherheitskräfte gingen anschließend mit großer Härte gegen die muslimische Minderheit vor.


Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) drängte den UN-Sicherheitsrat, ein Waffenembargo gegen Myanmar zu verhängen. „UN-Mitgliedsländer müssen sich fragen, auf welcher Seite der Geschichte sie stehen wollen“ sagte eine AI-Vertreterin.






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