Warum sich Chinesen an korrupten Beamten ergötzen

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In China erreichen TV-Serien über Korruptionsbekämpfung Zuschauerzahlen in Milliardenhöhe. In den Verfilmungen werden Missstände in der obersten Reihen der kommunistischen Partei mit all ihren Luxus-Exzessen dargestellt.

239.995.400 chinesische Yuan: Der Beamte kennt die exakte Summe, die er an Bestechungsgelder im Laufe seiner Karriere eingesammelt hat. Die Scheine sind im Kühlschrank, hinter Gemälden, unter Matratzen, einfach überall in der leeren Villa gebunkert.

Das ist der erste Fall in der 55-teiligen chinesischen Serie „Im Namen des Volkes“, die von der Korruptionsbekämpfung erzählt und seit seiner Erstausstrahlung im März 2017 über sechs Milliarden Mal angeklickt wurde. Oft sind Serien über heroische Staatsbeamte in China unbeliebt, der Zuschauer vermutet langweilige Propaganda.

Aber die Fälle in dieser Serie gelten als realistisch. Tatsächlich fanden chinesische Behörden 2014 rund 200 Millionen Yuan, also umgerechnet rund 31 Millionen Euro, in der Villa eines Beamten aus dem Energieministerium. Sie brauchten damals vier Geldzählgeräte, die vierzehn Stunden ununterbrochen arbeiteten, um alle Scheine durchzuzählen. Eine Maschine brach wegen Überlastung zusammen.

Dass das wahre Leben die besten Geschichten schreibt, hat die oberste Staatsanwaltschaft in Peking erkannt. Sie ist als Produzent der Serie aufgeführt. Die staatliche Unterstützung bei dem heiklen Thema ist öffentlich gesichert.

Denn 2004 verbannte die Zensurbehörde Filme, die sich mit Bestechung und Missstände in der Regierung beschäftigten, ins Nachtprogramm. Doch seit zwei Jahren fördert die chinesische Zentralregierung solche Dokumentarfilme und Serien.

Inzwischen laufen sie auch zur Hauptsendezeit oder über Online-Streaming Kanäle, um auch ein jüngeres Publikum zu erreichen. Das Ziel ist eindeutig: Anerkennung und Unterstützung. Staatspräsident Xi Jinping möchte die Erfolge seiner Kampagne gegen Korruption innerhalb der kommunistischen Partei präsentieren und noch mehr Unterstützung dafür mobilisieren.