Um Spielsucht einzudämmen, zieht die Regierung bereits verteilte Lizenzen wieder ein


»Süü leek boo?« Die junge, attraktive Frau im schwarzen Minikleid geht von Tisch zu Tisch in der Sporthalle. Die meisten der Männer haben schon ein Spiel Badminton hinter sich, zumindest einen Satz, und sind durchgeschwitzt. Ein starker Kontrast zur Dame im kleinen Schwarzen. Sie versucht, Lotterielose zu verkaufen. »Wollen Sie eine Nummer kaufen?« Tausende meist junge Frauen sitzen in ganz Laos Abend für Abend an kleinen Tischchen am Straßenrand, andere gehen in Sporthallen und Restaurants auf Kundenjagd. Meist verkaufen sie die Lose der staatlichen laotischen Entwicklungslotterie, die bisher zweimal wöchentlich zwei- bis vierstellige Endzahlen der Lotterielose ziehen. Diese Art Lotterie scheint eine Form gesteigerter Spiritualität zu sein, stehen die zweistelligen Endzahlen doch für verschiedenen Tiere, deren Erscheinen in Tagesereignissen oder Traumbildern zum Kauf des richtigen Loses verhelfen soll. Nicht selten werden auch Geister oder deren irdisches Personal in Form von Mönchen und Schamanen bemüht, einen gewinnträchtigen Tipp zu geben.


Letztlich aber unterscheidet sich auch die laotische Lotterie nicht von den profaneren Ausgaben der westlichen Welt: es bleibt immer ein gehöriger Batzen Geld beim Betreiber. In diesem Fall ist es der laotische Staat, der sich den Gewinn mit einigen ausgewählten Privatfirmen teilt, denen die Logistik der Lotterien vom Losverkauf bis zur Gewinnausschüttung übertragen ist.


Neben der traditionellen Loslotterie betreibt die Entwicklungslotterie ein Fußball-Wettspiel, verkauft Rubbellose und erhielt auch die Lizenz für Bingo und Lotto ähnlich der Zahlenlotterien in Deutschland. Das Geschäft boomt.


Oder boomte. Denn nun hat die Regierung den Hebel umgelegt. Fußball und SMS Lotterien sind ab sofort eingestellt, die schon vergebenen Lizenzen für Bingo und Lotto wurden annulliert, die Zahl der Losziehungen auf einmal wöchentlich begrenzt. Angeblich verursacht wurde die harsche Wende durch ominöse Beschwerden aus der Bevölkerung, die vor allem die Fußballwetten als Einstieg der Jugend in die Spielsucht kritisierten. Dabei spielen eigentlich alle. Sind die Einsätze nominell nicht hoch, so kommen durch den Kauf vieler Lose mit der Traumzahl schnell ein paar Dutzend Euro zusammen. Bei nicht eben üppigen Einkommen oft ein schwerer Schlag in die Haushaltskasse. Zieht dann tatsächlich jemand das große Los, wird ein Gutteil des Gewinns bei einer Feier mit Freunden und Bekannten gleich verprasst.


Die Frau in schwarz hat Glück und einen Kunden gefunden. Eilig knöpft sie ein zigarettenschachtelgroßes Etui von ihrem Gürtel. Zum Vorschein kommt ein mobiler Drucker, der per Smartphone mit der Zentrale verbunden flugs die Spielquittung ausspuckt. Die neuen Regeln werden ihr Geschäft vielleicht schwieriger machen. Aber selbst wenn die laotische Lotterie ganz dicht machen sollte, blieben noch die Glückszahlen aus Thailand und Vietnam. Dann werden auch Smartphone und Drucker nicht benötigt, sondern die Zahlen in althergebrachter, wenn auch verbotener Weise auf kleine Zettel geschrieben. Und auch die Fußballfanatiker haben längst einen Ausweg gefunden. Dutzende Internetshops nehmen illegal Wetten zu den Quoten der großen Onlinewettbüros an. Nur hat da der Staat nichts davon.






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