Kooperationen zwischen Asien und Europa nehmen zu. Deshalb wächst das Interesse an passenden MBA-Programmen.


Der Blick vieler Business-Schulleiter richtet sich tendenziell eher Richtung Westen: Renommierte Wirtschaftshochschulen oder namhafte Unternehmen in den USA sind oft die wichtigsten Zugpferde in der Zusammenarbeit, mit denen europäische MBA-Schools bei ihren Studierenden punkten wollen. Doch ist auch die Region Ferner Osten in den vergangenen Jahren für die Anbieter einer Managementausbildung zunehmend interessant geworden: Die Hochschule Bremen bietet zum Beispiel seit sieben Jahren einen MBA mit Asien-Schwerpunkt an. Er soll auf Management- und Führungsaufgaben an der Schnittstelle zu den Märkten in China, Japan, Korea und Indien vorbereiten. Neben den MBA-typischen Management- und Finanzmodulen stehen regionale Besonderheiten auf dem Lehrplan.


Die Teilnehmer trainieren, was Diplomatie im Dialog mit Partnern aus Fernost heißt


Ein Schwerpunkt, etwa in Bezug auf China, sind Urheber- und Arbeitsrecht sowie Personalmanagement. Thema ist auch die Gesprächs- und Verhandlungskultur in Unternehmen. „Unsere Absolventen lernen den Umgang mit asiatischen Gesprächspartnern in Businessverhandlungen und erfahren, auf welche Besonderheiten sie dabei achten müssen“, sagt MBA-Programmdirektor Professor Tim Goydke. Ein integriertes Auslandsmodul gebe es nicht: „Unser Programm ist so angelegt, dass es die Teilnehmer in möglichst kurzer Zeit abschließen können. Auslandsmodule ließen sich da nur sehr schwer integrieren“, erläutert Goydke. Man sei allerdings gerade dabei, mit asiatischen Partnerhochschulen sogenannte Double Degrees auszuhandeln. „Da könnten die Studierenden dann unter Anerkennung des bei uns erworbenen Abschlusses binnen kurzer Zeit den Abschluss des Partners erwerben“, sagt der Programmdirektor. „Mit Indien und Thailand sind wir schon sehr weit, auch mit China führen wir Gespräche. Die Abkommen sind aber noch nicht in Kraft“, ergänzt er. Bereits seit mehreren Jahren kooperiert die Hochschule Bremen mit Unternehmen vor allem in China und Japan. „Die Firmen in Asien suchen Führungskräfte, die eine MBA-Ausbildung in Deutschland mit einem Asien-Fokus kombiniert haben“, sagt Goydke. Auf der Suche nach geeignetem Personal seien vor allem größere deutsche und internationale Firmen insbesondere aus der Automobilbranche. Ein Absolvent arbeite zum Beispiel für einen Automobilzulieferer in Shanghai; ein anderer sei nach Indien gegangen und habe dort für einen Airbus-Zulieferer eine Niederlassung aufgebaut.


Vor allem auf die Kooperation mit China zielt die Business School Insead im französischen Fontainebleau ab. Gemeinsam mit der Tsinghua University School of Economics & Management in Peking hat sie einen Executive MBA entwickelt, der die Teilnehmer innerhalb von 18 Monaten mit dem notwendigen Management-Rüstzeug ausstatten soll, um in China zu bestehen. Die Teilnehmer verbringen ungefähr fünf Wochen in Peking, drei Wochen in Singapur, eine Woche in Abu Dhabi und zwei Wochen in Fontainebleau. Erfolgreichen Absolventen winken die Abschlüsse beider Business Schools. Einen ähnlichen berufsbegleitenden MBA hat die Mannheim Business School seit 2011 mit der Tongji-Universität in Shanghai im Angebot. Bis zu 40 Personen sind dort pro Jahrgang eingeschrieben.


Doch es sind nicht nur die großen Wirtschaftsmächte China oder Japan, die das Interesse führender europäischer Businesshochschulen wecken. Die ESB Business School der Hochschule Reutlingen ist in einer anderen Nische Asiens fündig geworden. Sie hat dank der Förderung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) vor Kurzem einen Bachelor-Studiengang mit drei Partnerhochschulen in Malaysia, Indonesien und Vietnam aufgelegt. Dieser soll junge Menschen zum Wirtschaftsingenieur mit dem Schwerpunkt International Operations and Logistics Management ausbilden. „Die Wirtschaftskraft in Südostasien wächst rasant, die Beziehungen zu Europa werden immer wichtiger“, sagt Professor Andreas Taschner, Dekan der ESB Business School. Noch werde die Region unterschätzt, es handele sich aber um einen sehr attraktiven Markt. Ein weiterer Pluspunkt sei, dass die Regierungen massiv in die akademische Bildung investierten. „Die dortigen Universitäten suchen Kooperationen, um den internationalen Anschluss zu finden“, sagt er. Im achtsemestrigen, gebührenfreien Studium werden die Studierenden zwei Jahre an der ESB in Reutlingen und zwei Jahre an einer der drei asiatischen Partneruniversitäten verbringen. Integriert sind dabei auch ein Praxissemester bei je einem Unternehmen in Deutschland und dem jeweiligen Partnerland. Zum Abschluss erhalten die Absolventen die Abschlüsse beider Hochschulen.


Deutsche MBA-Programme mit dieser Ausrichtung sind auch für Studenten aus Asien interessant


Sorgen, dass der Bachelor mit einem starken Schwerpunkt auf einer Region oder einem bestimmten Land bei Studierenden keine Resonanz findet, hat Dekan Taschner keine. „Wir richten uns an eine besondere Klientel, bekommen für den Studiengang also keine 2000 Bewerber“, sagt er. Man wende sich an junge Menschen, die von Südostasien angetan seien, dort zwei Jahre lang leben wollten, sehr gutes Englisch sprächen und das Fach interessant fänden. Die ersten Studenten werden bereits an der Universität Malaysia Pahang in Kuantan unterrichtet. Grundsätzlich, so Taschner, sei es vorstellbar, in diesem Bereich auch einen MBA anzubieten. Man müsse sich jedoch überlegen, ob es ein MBA ausschließlich mit Fokus auf einer Region oder einem Land sein solle, oder ob man das Thema als Modul eines Global beziehungsweise International MBA anbiete.


Andere europäische Business Schools haben sich eher für Letzteres entschieden. Beim International MBA kooperieren die Schulen mit Business Schools in oft ganz unterschiedlichen Ländern. Das Zurich Institute of Business Education bietet zum Beispiel den CEIBS Global Executive MBA an. Einen Teil der Ausbildung absolvieren die Studenten an der China Europe International Business School (CEIBS) in Shanghai, einen anderen Teil in Ghana. Das Programm Global Executive MBA der Universität Salzburg sieht vor, dass die Teilnehmer an verschiedenen Hochschulen sowie teilweise an der Fudan University in Shanghai oder an der Chulalongkorn University in Bangkok studieren.


An der Hochschule Bremen ist das Interesse asiatischer Studierender an dem MBA-Studiengang mit Asien-Fokus zurzeit noch größer als das der deutschen. Nishant Sinha, ein 30 Jahre alter Inder, macht seit Oktober 2016 einen MBA in Bremen und absolviert parallel dazu ein Praktikum bei Airbus. Zuvor arbeitete er bei einem Start-up im IT-Bereich in Indien. Das reichte dem IT-Ingenieur aber nicht, also suchte er nach einem MBA, der das Business-Know-how Europas und Asiens verknüpft. „Wie Unternehmen in Asien funktionieren, ist mir vertraut, doch mir fehlt das Wissen, wie sie in Europa strategisch und finanziell operieren“, sagt er. Mit dem MBA in der Tasche würde er gerne bei einem deutschen Unternehmen arbeiten, danach wieder nach Asien gehen. „Ich muss nicht nach Indien zurückkehren.“ Er sei flexibel: Das Bremer MBA-Studium gebe ihm einen guten internationalen Background, sodass er damit auch in Thailand, China oder Japan arbeiten könne.






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