Während im Westen das Lager der Globalisierungsgegner wächst, herrscht in Asien ein anderes Klima. Die Menschen sind voller Zuversicht, dass der weltweite Handel ihr Leben verbessert.


Chinas wachsender Einfluss in Südasien ist schwer zu übersehen. In den Fünf-Sterne-Hotels von Lahore, Karachi oder Colombo treten chinesische Geschäftsleute in großen Gruppen auf. Delegationen aus China treffe ich auch bei meinen Besuchen in Bangladesch, Nepal oder auf den Malediven. Es scheint, als wären die Chinesen sind überall.


Die gut gekleideten Damen und Herren sind im Auftrag der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt unterwegs. Ihr Auftrag lautet, das ehrgeizige Projekt der „neuen Seidenstraße“ mit Leben zu füllen; kaum zu überschauen sind die Investitionsprojekte zum Ausbau von Straßen, Schienen, Flugplätzen und Häfen. Im Hintergrund arbeiten Pekings Diplomaten: Ihre Lieblingsformel lautet „win-win“; jede chinesische Investition beschere dem Partnerland Arbeitsplätze und wirtschaftliches Wachstum – so das Mantra.


Ob in Südasien, Afrika, dem Nahen Osten oder auf dem Balkan – überall ein ähnliches Bild. Den wachsenden wirtschaftlichen Einfluss erkaufen die Chinesen mit milliardenschweren Investitionspaketen. Das hat natürlich einen politischen Preis.


Die Unterstützer der Globalisierung kommen nun aus Asien


Die Welt steht auf dem Kopf: Im Westen wächst das Lager der Globalisierungsgegner. Der Anführer der so genannten freien Welt predigt Isolationismus und ist für hohe Mauern an den Grenzen. Derweil profiliert sich China, die (noch) kommunistische Führungsmacht, als Vorkämpferin von Freihandel und Globalisierung.


Historisch betrachtet erleben wir einen Megatrend: Das Zentrum der Weltwirtschaft hat sich nach Osten verlagert. Spielte die Musik früher in Europa und Nordamerika, liegt das ökonomische Wachstumszentrum heute in China und dessen Peripherie.


Die Verschiebungen in der realen Wirtschaft spiegeln sich in der Welt der Meinungen: Die Einstelllungen der Menschen zur Globalisierung haben sich verändert. Weitaus mehr Asiaten betrachten die Globalisierung heute als etwas Positives als im Westen: Eine Umfrage von 2016 zeigt, 37 Prozent der Franzosen und 40 Prozent der Amerikaner glauben, die Globalisierung nütze ihrer Gesellschaft: Für Vietnam und Indien liegen die Werte doppelt so hoch, bei 83 beziehungsweise 91 Prozent.


Die Schwellenländer sind voller Hoffnung


Hinzukommt: Die Asiaten sind weitaus zuversichtlich, wenn sie in die Zukunft blicken als die Menschen im Westen. Das amerikanische Pew Research Center ermittelte, dass 94 Prozent der Menschen in Vietnam, 85 Prozent der Menschen in China und 71 der Bangladeschis überzeugt sind, ihren Kindern werde es bessergehen als ihnen selbst. Auf der anderen Seite – so der Pew Bericht – sei „der Pessimismus in Europa und in den Vereinigten Staaten allgegenwärtig“.


Der Verdruss mit der Außenwelt ist der Rohstoff, aus dem Nationalisten und Populisten in den westlichen Demokratien ihre illiberalen Kampagnen bauen.


Wie erklären sich die Meinungsunterschiede zwischen dem hoch industrialisierten Westen und den aufstrebenden Schwellenländern Asiens? Im Westen sind die Menschen saturiert, wohlgenährt und auf dem Weg in eine post-materielle Zukunft. Die anderen sind Nachzügler, hungrig nach Wachstum und getrieben vom Ehrgeiz des Einzelnen und des Kollektivs nach materieller Besserstellung.


Der Kapitalismus ist in China populärer als in Deutschland


Auch diese Orientierungen haben eine politische Dimension, sonst wäre es nicht zum Brexit gekommen und Donald Trump säße nicht im Weißen Haus. Interessanterweise haben die Menschen in den asiatischen Schwellenländern eine positivere Einstellung zum marktwirtschaftlichen System und der wirtschaftlichen Freiheit als dies in den entwickelten Gesellschaften des Westens der Fall ist: Die Zustimmung zum Kapitalismus, so die erwähnte Studie des Pew Research Center, liegt im kommunistischen Vietnam bei 97 Prozent, in China bei 76 Prozent und in Malaysia und Indien bei 73 beziehungsweise 72 Prozent. Deutschland erreicht in der Tabelle einen Wert von 70 Prozent, Frankreich liegt bei 60.


Die Daten zeigen, dass in Ländern, die in einer wirtschaftlichen Aufholjagd sind, die Popularität der Marktwirtschaft besonders ausgeprägt ist. Doch die Liebe für den freien Markt währt nicht ewig: Sobald die Gesellschaften ein Niveau ökonomischer Sättigung erreichen, verändern sich die Präferenzen: Jetzt geht es darum, den Status quo zu sichern, aufdringliche Neubewerber hält man sich mit illiberalen Praktiken vom Hals; die Globalisierung gilt nicht länger als Chance, sie wird zum Risiko, zum Buhmann.


Nicht auszuschließen, dass dieses Muster eintritt, sobald China seine ehrgeizigen Entwicklungsziele erreicht hat. Doch das ist Zukunftsmusik, noch immer warten hunderte Millionen Chinesen auf den Anschluss an den Wohlstand.


Im Lichte des wachsenden Einflusses Chinas und der neuen Unberechenbarkeit Amerikas diskutieren Experten in Asien über die Rolle der Europäischen Union (EU) in der Weltpolitik. Zum Teil denken Kolumnisten laut darüber nach, ob die EU die USA als Ordnungskraft ersetzen könne.


Die EU hält sich in Asien zurück


Dies ist eine theoretische Frage, die unterstellt, es bestehe eine solche Absicht. Diese ist bei der EU nicht erkennbar: Anders als traditionelle Supermächte strebt sie nicht nach politischer oder wirtschaftlicher Hegemonie. Ganz deutlich ist dies in Asien, wo die Europäer mit ihrer Rolle als wirtschaftliche Partner zufrieden sind. In diesem Teil der Welt, der immer wieder im Fadenkreuz strategischer Großmachtinteressen steht, sind die Europäer ein Leichtgewicht. Ihr militärischer Einfluss ist gering, in der Realpolitik spielen sie in der zweiten Liga.


Das hat nicht nur Nachteile: Für ihre Zurückhaltung erntet die EU Respekt und Anerkennung. Laut dem aktuellen Eurobarometer haben 84 Prozent der Chinesen eine gute Meinung von der europäischen Staatengemeinschaft. Positiv sehen die EU 83 Prozent der Inder und 76 Prozent der Japaner. Die Datensammlung zeigt, die Asiaten schätzen die EU als „Ort der Stabilität in einer unruhigen Welt“. Ausschlaggebend für die guten Bewertungen ist die politische Ordnung in Europa, als Aktivposten gelten Demokratie, die Achtung der Menschenrechte und die Rechtsstaatlichkeit.


In einer Zeit, da diese Werte in der Außenpolitik der westlichen Kopfmacht an Bedeutung verlieren, wächst Europas Gewicht als Förderin und Behüterin liberaler Prinzipien weltweit.






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