Der Grosse Panda ist gerettet. Das freut den WWF – und China. Ein Lehrstück in diplomatischem Kalkül.


Die Nachricht war so gut, dass sie unterging in den Schlagzeilen zwischen Trump, Kim und ihren vorläufig verbalen Atombomben: Der Grosse Panda, das Maskottchen des World Wildlife Fund (WWF), figuriert auf der Roten Liste nicht mehr bei den aussterbenden Tierarten, sondern nur noch bei den gefährdeten. Der WWF feiert den Erfolg, in Peking reibt man sich still die Hände.


Anlass, den Grossen Panda für gerettet zu erklären, gab die jüngste Volkszählung unter den Bambusfressern. China zählt heute 1864 Bären. Ende der 70er-Jahre waren es noch etwa 1000 gewesen – mit stark abnehmender Tendenz.


Der WWF hat bei der Erhaltung der Pandas eine zentrale Rolle gespielt. Er erforschte die Lebensweise der Bambusbären. Und schuf die Grundlage, um die Bedürfnisse des extrem scheuen Tieres zu verstehen und es wirksam vor dem sicher scheinenden Aussterben zu retten.


Drakonische Strafen


Den Hauptanteil an der Rettung aber haben die kommunistischen Machthaber. Ihnen war die Umwelt lange kaum einen Gedanken wert. Der Smog in Peking oder der verseuchte Perlfluss zeugen von dieser Gleichgültigkeit. Den Schutz des Pandas aber betrieben die roten Funktionäre eifrig und hörten dafür sogar auf den WWF. Sie erklärten riesige Bambuswälder zu Wildtierhabitaten, bestraften Wilderer drakonisch.


Dahinter steckte und steckt ein Kalkül: Mit den putzigen Tieren lässt sich knallharte Diplomatie machen. Länder, die sich für chinesische Waren öffnen, werden mit Pandas beschenkt. Erst im Juli brachte Staats- und Parteichef Xi Jinping ein Pandapärchen nach Deutschland. «Träumchen» und «Schätzchen» sind seither die Stars des Berliner Zoos. Angela Merkel bedankte sich für die «zwei sehr sympathischen Diplomaten».


Tja, wer mag da noch an Todesstrafen und Foltern im Reich der Mitte denken, wenn er die Bären drollig herumtollen sieht? Und jetzt, da planwirtschaftlicher Rigorismus dem Panda zu funktionsfähigem Lebensraum verholfen hat, ist er auch ein glaubhafter Beweis für das neue Umweltbewusstsein in Peking. Das Überleben des Grossen Pandas ist mit dem Überleben von Xi Jinpings Regime eng verzahnt. (Tages-Anzeiger)






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