Nordkorea zeigt sich von den neuen UN-Sanktionen unbeeindruckt und feuert eine Rakete über Japan hinweg. Während Washington die «militärische Option» in Erinnerung bringt, begnügt sich der UN-Sicherheitsrat mit einer Verurteilung der neuen «Provokation».


Nach dem erneuten Raketentest Nordkoreas halten sich die USA die Möglichkeit eines militärischen Eingreifens offen. «Es gibt die militärische Option», sagte der nationale Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster am Freitag in Washington. Diese Option sei aber nicht die bevorzugte.


Der UN-Sicherheitsrat, der erst am Montag verschärfte Sanktionen gegen Pjöngjang beschlossen hatte, verurteilte die jüngste «Provokation» Pjönjangs, einigte sich in seiner Sitzung in New York aber vorerst auf keine weiteren Schritte.


Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un habe den neuen Test persönlich befohlen und auch aus dem Kommandozentrum verfolgt, berichtete die nordkoreanische Staatsagentur KCNA am Samstagmorgen. Mit der Übung sollte «die Kriegslüsternheit der USA» gedämpft werden, hieß es. Ziel sei ein «Gleichgewicht der Kräfte» Nordkoreas und der USA, um der US-Führung die militärische Option zu nehmen. Anschließend lobte Kim die Wissenschaftler und Militärs seines Landes und hielt am Atom- und Raketenprogramm fest. «Wir müssen den Großmacht-Chauvinisten zeigen, wie unser Staat sein Ziel des Ausbaus der Atomstreitkräfte trotz endloser Sanktionen und Blockade erreicht», wurde er von KCNA zitiert.


Die USA näherten sich im Bereich von Sanktionen und Diplomatie dem Ende der Möglichkeiten, sagte McMaster im Weißen Haus. «Dieses ist keine Angelegenheit zwischen den USA und Nordkorea, es ist eine Angelegenheit für die ganze Welt». Internationaler Druck und Sanktionen hatten in der Krise bisher keinen Erfolg, Nordkorea setzte sein Atomprogramm und seine Tests entgegen allen Warnungen fort.


Auch die UN-Botschafterin der USA, Nikki Haley, die ein Ölembargo gegen Nordkorea hatte durchsetzen wollen, sprach von der Möglichkeit eines militärischen Eingreifens. «Ich denke, er hat eine ganze Reihe Optionen», sagte Haley mit Blick auf US-Verteidigungsminister James Mattis, dem sie das Problem bei einer Eskalation der Krise übergeben wolle. Durch Sanktionen sei Nordkorea schon jetzt «wirtschaftlich stranguliert».


Die am Montag beschlossenen Strafmaßnahmen der UN sehen eine Deckelung der Öllieferungen an das Land und ein Verbot von Textilexporten vor. Japans UN-Botschafter Koro Bessho sprach in New York von einer «ernsten Bedrohung für unsere eigene Sicherheit» sowie einer «wirklichen Gefahr für den Frieden und die Sicherheit der ganzen Welt». Die am Montag beschlossenen Sanktionen müssten sofort vollständig umgesetzt werden, sagte Bessho.


Abgesehen von einem Statement, in dem der Raketentest verurteilt wurde, endete die Sitzung des UN-Sicherheitsrates ergebnislos. Das Wechselspiel von Provokationen Nordkoreas, Sanktionen und weiteren Provokationen sei ein «Teufelskreis», sagte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja. Man müsse «unkonventionell denken», um den Atomkonflikt beizulegen.


Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, der am Wochenende unter anderem zu politischen Gesprächen nach China reist, verurteilte den Test «auf das Schärfste». «Das Regime in Pjöngjang führt uns erneut vor Augen, dass es eine ernste Bedrohung für den Weltfrieden darstellt», sagte er in Berlin.


Nordkorea hatte am Freitagmorgen eine Rakete über Japan hinweg in den Pazifik abgefeuert. Die Rakete flog nach Angaben des südkoreanischen Militärs 3700 Kilometer weit – die bisher größte Flugdistanz beim Test einer militärischen Rakete des Landes.






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