Weil in einer WG zusammenlebende Frauen zu „unfeminin“ aussahen, sollen sie die Region nach einer Razzia auf Anordnung der Polizei verlassen.


Erneut wurde ein homophober Zwischenfall aus Indonesien bekannt: Zwölf Frauen, die gemeinsam in einem Wohngebiet im Dorf Tugu Jaya in der Provinz West-Java zusammenlebten, wurden am Samstag laut lokalen Medienberichten bei einer Razzia in ihrem Haus von der Polizei festgenommen. Die Beamten hätten dann den Frauen, die alle in einer Textilfirma in der Nähe angestellt gewesen seien, eine Frist von drei Tagen gesetzt, um die Region zu verlassen.


Dem Vorfall vorausgegangen waren offenbar Beschwerden von religiösen Anführern und einer islamischen Jugendgruppe. Sie zeigten die Frauen bei der Polizei an, weil sie „unfeminin“ aussehen würden und ihre WG „gegen die Lehren des Islam“ verstoße.


Die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) beklagte am Mittwoch, dass die Polizisten keine rechtliche Begründung für die Verbannung der Frauen nannten. „Am schlimmsten ist, dass die Polizei und die Regierungsbehörden die Privatsphäre der Frauen und die Rechtsstaatsprinzipien völlig missachteten, um ein paar engstirnige Nachbarn zu besänftigen“, erklärte HRW-Indonesienexperte Andreas Harsono. „Diese Frauen wegen ihrer angenommenen sexuellen Identität zu vertreiben gefährdet die Privatsphäre aller Indonesier“, so Harsono.


„Es ist nicht akzeptabel, wenn weibliche Paare zusammenleben“


Ein Beamter aus dem Dorf erklärte anonym gegenüber HRW, dass das Aussehen der Frauen der Grund für den Raussschmiss gewesen sei: „Es ist nicht akzeptabel, wenn weibliche Paare zusammenleben. Einige von ihnen hatten kurze Haare und haben sich wie Männer benommen. Einige hatten lange Haare und haben sich wie Frauen benommen. Das widerspricht der Scharia. Das ist obszön.“


Es ist völlig unklar, was die Behörden den Frauen konkret vorwerfen, denn Homosexualität ist in Indonesien mit Ausnahme der Provinz Aceh nicht illegal. Allerdings warnte Human Rights Watch bereits im letzten Jahr, dass ein „nie dagewesener Angriff“ auf LGBTI-Rechte im 250 Millionen Einwohner zählenden Land stattfinde (queer.de berichtete). So hätten Regierungsvertreter die Stimmung gegen LGBTI angeheizt. Die radikalste Äußerung kam von Verteidigungsminister Ryamizard Ryacudu, der meinte, dass die Akzeptanz Homosexueller schlimmer sei als ein Atomkrieg. Daher müssten Schwule und Lesben mit „einer Art moderner Kriegsführung“ bekämpft werden (queer.de berichtete).


In den letzten Monaten wurden auch immer wieder Übergriffe auf Homosexuelle bekannt. In Aceh wurde im Mai sogar eine Folterstrafe gegen zwei mutmaßliche Schwule verhängt: Die 20 und 23 Jahre alten Männer wurden öffentlich mit 83 Stockhieben gezüchtigt






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