Verschiedene Risiken beschäftigen zur Zeit die Marktteilnehmer. Doch falls der Streit zwischen den USA und Nordkorea nicht eskaliert, sind die Aussichten gut, sagt Anlageexperte Burkhard Varnholt.


Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Burkhard Varnholt*: Drei Fragen stehen aktuell weit oben auf der Liste vieler Marktteilnehmer: 1. Wie lange kann der Aufwärtstrend an den Aktien- und Anleihenmärkten noch anhalten? 2. Was müssen wir von der Geldpolitik erwarten? Wann und wie werden sich die Notenbankbilanzen wieder auf das Vorkrisenniveau zurückbilden und die lockere Geldpolitik sich normalisieren? 3. Welche singulären Risiken, schwarzen Schwäne, sollten Anleger am meisten im Auge behalten?


Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Kurzfristig hängt sehr viel vom Franken und den globalen Märkten ab. Nehmen die geopolitischen Unsicherheiten ab, so ist eine weitere Schwächung des Frankens wahrscheinlich, was typischerweise der Schweizer Börse Rückenwind verleiht.


Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
In einer «normalen» Entwicklung, von der wir ausgehen – also ohne einen militärischen Konflikt zwischen den Nordkorea und den USA – sollte der SMI in zwölf Monaten ein Niveau von 9350 Punkten erreichen können.


Der September ist oft ein schwacher Börsenmonat. Auch in diesem Jahr?
Monatsprognosen sind so nützlich wie Kaffeesatz lesen. Wenn solche Saisonalitäten tatsächlich existieren würden, dann hätten die quantitativen Marktteilnehmer bereits einen Algorithmus entwickelt, um sie auszunützen – was natürlich zu einem Verschwinden der Saisonalität führen würde. Im Ernst: Es gibt keine Evidenz für systematische Regelmässigkeiten, welche Börsen und Kalender miteinander verbinden. Soweit also ein Monat diesen alten Stereotypen entspricht, dann ist das mehr Zufall und als Notwendigkeit.


Was bedeuten die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA für die Börsen?
Erstaunlich ist, wie wenig sie bisher bewirkt haben. Zwar ist der Goldpreis gestiegen, doch kann das teilweise auch durch den schwachen Dollar erklärt werden. Aber der koreanische Kospi Index notiert immer noch 20 Prozent über dem Niveau zu Jahresbeginn und der S&P500 hat keine Angst vor neuen Höchstständen. Das deutet darauf hin, dass die Märkte einem Krieg der Gesten mehr Wahrscheinlichkeit zurechnen als einem Krieg der Waffen. Hoffentlich behalten sie recht. Aber man darf die geopolitischen Sekundärrisiken dieses Konfliktes nicht unterschätzen. Asien ist ein Kontinent der eingefrorenen Konflikte, in dem viele Rivalitäten durch das enorme Wachstum der Globalisierung unterdrückt wurden. Der damit verbundene Wohlstand, Frieden und Infrastruktur-Boom für über vier Milliarden Menschen darf nicht als Selbstverständlichkeit verstanden werden.


Der Sturm Harvey sorgte für Verwüstungen in Texas und beschädigte insbesondere auch wichtige Raffinerien. Ist die US-Konjunkturentwicklung damit in Gefahr?
Naturkatastrophen haben, soweit man das rein wirtschaftlich betrachtet, zwei Seiten. Der Schaden für die Staaten, die Bevölkerung und die Versicherungen ist immens. Gleichzeitig entsteht aber damit auch das Geschäft jener, die nun mit dem Wiederaufbau beschäftigt sein werden. Die amerikanische Konjunktur ist gross, diversifiziert und sehr stark vom Konsum getrieben. Wenn man die unterschiedlichen Aspekte abwägt, so sollte das robuste Wachstum der USA trotz Harvey im kommenden Jahr anhalten.


Der rapide Anstieg des Euro bereitet Europas Exporteuren Sorgen. Welche Aktien sind davon besonders betroffen?
Natürlich sind Exportfirmen – und nirgendwo in Europa wird mehr exportiert als aus Deutschland – vom Aussenwert des Euro abhängig. Das betrifft Sektoren wie Automobil, Pharma, Chemie oder den Tourismus. Aber Hand aufs Herz: Wer nach der jahrelangen Baisse des Euros nun einen Schwanengesang anschlägt, der übertreibt. Die Schweizer Exportwirtschaft hat seit Generationen einem starken Franken getrotzt – indem sich Schweizer Exportunternehmen immer wieder neu auf ihre Kernkompetenzen, ihre Produkt- und Dienstleistungsqualität und auf ihre Wettbewerbsfähigkeit konzentrieren mussten. Gute Unternehmen sollten auch nach dem jüngsten Anstieg des Euros noch gute Unternehmen sein – sonst hat der Anleger eine Wette auf Währungen statt auf Unternehmen gemacht.






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