Malaysias Armee fühlt sich schlecht ausgerüstet. Der Ministerpräsident will dem mit einer Einkaufstour in China begegnen und hat dabei auch sein eigenes Schicksal im Hinterkopf.


Hätten Malaysias Generäle noch einen Beweis dafür gebraucht, wie schlecht es um die Form der Streitkräfte steht, wäre die Havarie des USS «John S. McCain» vergangene Woche ein dankbares Beispiel gewesen. Obwohl Malaysias Marine massgeblich an dem Rettungseinsatz beteiligt war, musste deren Führung zugeben, dass sie den Hilferuf des amerikanischen Zerstörers erst um 7 Uhr 25 empfangen hatte – obwohl dieser um 5 Uhr 24 gesendet worden war. Danach verstrichen nochmals 80 Minuten, bis die malaysischen Schiffe in See stachen.


Kuala Lumpurs Generäle beklagen sich schon länger; sie wollen ihre veralteten Arsenale erneuert haben. Ihre Wunschliste ist lang: bessere amphibische Kapazitäten, neue Überwachungsflugzeuge, schlagkräftige Panzer und Kampfhelikopter. Dazu jede Menge leichtere Feuerwaffen für den Kampf gegen Terroristen. Das Ziel der Waffenkäufe ist laut offiziellen Angaben nicht, mit Singapur oder Indonesien gleichzuziehen. Es ist ohnehin schwer vorstellbar, dass es zwischen Mitgliedstaaten des Verbands Südostasiatischer Staaten (Asean) zu einem militärischen Schlagabtausch kommen könnte.


Angst vor dem Marawi-Szenario


Grösser ist Malaysias Angst vor einem Szenario wie auf der philippinischen Insel Mindanao. Dort haben im Mai Hunderte von Islamisten die Stadt Marawi überrannt und die gut 200 000 vorwiegend muslimischen Einwohner in Geiselhaft genommen. Ein Szenario wie in Marawi ist nach Ansicht von Terrorexperten auch in Malaysia denkbar: Das Land muss mit Hunderten von IS-Heimkehrern rechnen. Die Regierung von Ministerpräsident Najib Razak redet das potenzielle Problem allerdings klein, um die Wähler ja nicht zu verprellen.


Im vergangenen Haushaltsjahr hat die Regierung, sehr zum Unmut der Streitkräfte, den Verteidigungsetat um 13 Prozent gekürzt. Für die Militärs heisst das nicht unbedingt, dass sie auf neue Gerätschaften verzichten müssen, sondern dass Najib die Streitkräfte enger an China binden will. Im vergangenen Herbst unterzeichnete er einen Vertrag für mehrere Dutzend Marineboote chinesischer Machart für die «küstennahe Verteidigung».


Schneller sein als die anderen


In der Vergangenheit hatte das südostasiatische Land seine militärische Ausrüstung vorwiegend von der Schutzmacht USA und ihren Nato-Partnern bezogen – etwa Deutschland, Frankreich oder Japan. Der sprunghafte Premierminister Mahathir Mohamad kaufte während seiner Amtszeit von 1981 bis 2003 zudem 29 Kampfflugzeuge in Russland. Was er mit Diversifizierung rechtfertigte, spülte erhebliche Mengen Schwarzgeld in die Taschen der beteiligten Politiker. Für die Militärs war das Ganze ein logistischer Albtraum: Sie mussten Ausrüstung aus einem guten Dutzend Länder warten.


Umso mehr fällt auf, wie sehr sich Najib jetzt den Chinesen an den Hals wirft. Die Nachrichtenagentur Bernama vermeldete kürzlich, dass die malaysische Marine 19 Offiziere und technisches Personal in die zentralchinesische Stadt Wuhan entsendet. In der Boustead-Werft sollen dort die ersten vier der bestellten Schiffe hergestellt werden. Weitere 14 Boote werden dann mithilfe von chinesischen Technikern in Malaysia produziert. Der Oberbefehlshaber der malaysischen Marine erklärte, die Zusammenarbeit mit den chinesischen Kollegen sei auf die «nächsten 30 Jahre» angelegt.


«Wenn China sich als verlässlicher Partner und Waffenlieferant in Südostasien anbieten will, ist es nur logisch, dass es vor allem solche Länder zu beliefern sucht, die in der Vergangenheit ihre Waffen vorwiegend im Westen gekauft haben», sagt Colin Koh, Militärexperte am S.-Rajaratnam-Institut für internationale Studien in Singapur. «Chinas Waffenexporte sind zwar in den vergangenen vier Jahren um 74 Prozent gestiegen. In absoluten Zahlen fallen sie mit 2,1 Milliarden Dollar aber deutlich hinter die Erlöse der USA von 9,9 Milliarden Dollar zurück. Entsprechend nüchtern bewertet Li Jie, Militärexperte am Pekinger Forschungsinstitut für Marine- und Militärstudien, das Abkommen Chinas mit Malaysia. Kleine Länder in Südostasien hätten weniger Möglichkeiten, um Waffen gegen die terroristische Bedrohung herzustellen. China helfe aus, bevor andere Länder das Geschäft machten. Keine Frage, wer damit gemeint ist: die Vereinigten Staaten.


Najibs unendlicher Skandal


Malaysias Regierungschef glaubt offenbar, die Konkurrenz der beiden Grossmächte für sich nutzen zu können. Wegen seiner Verwicklung in die verschwundenen Milliarden aus dem malaysischen Staatsfonds 1MDB hatten amerikanische Staatsanwälte auch Ermittlungen gegen Premierminister Najib Razak persönlich eingeleitet. Da kann eine Neuorientierung nicht schaden.






Über AdriaMediaGroup:

Seit 1999 bilden Online-Magazine das Fundament unseres Unternehmens. Dank unser regelmäßigen Markt- und Zielgruppenanalysen kennen wir unsere Leserinnen und Leser sehr gut und wissen genau, was diese von unseren Magazinen erwarten. Mit renommierten Nachrichtenagenturen wie dpa und AFP ergänzen wir die uns zur Verfügung stehenden Informationsquellen aus Politik und Wirtschaft. Stetig entwickeln wir unsere Magazine weiter und kreieren immer wieder neue Online-Magazine, die speziell auf das entsprechende Marktumfeld angepasst sind. Ob das kleine Nischenmagazin, ein Wirtschaftsjournal im Internet oder ein Tageszeitung im Internet. Mit über 45 Millionen Seitenaufrufen pro Monat (quelle: PIWIK September 2016), zeigt sich dass unsere aktuellen Magazine vom Publikum sehr gut angenommen werden. In den 17 Jahren unserer verlegerischen Tätigkeit mussten wir uns bis heute weder einem Abmahnverfahren stellen noch jemals einen Widerruf veröffentlichen. Entgegen anderer Verlage basiert unsere Berichterstattung auf seriöser Recherche und reinen Fakten. Wir sehen in grundsolider Berichterstattung auch heute noch die Zukunft unserer Arbeit.

Die AdriaMediaGroup ist seit 1999 auf dem internationalen Markt tätig. Derzeit publiziert die ADMG auf dem deutschsprachigen Markt über 80 Online-Magazinen aus unterschiedlichsten Themenbereichen. Alle Zeitschriften werden von unserem eigenem Redaktionsteam regelmässig aktualisiert.