Für die deutsche Industrie ist Chinas Automarkt extrem wichtig. Nun führt Peking eine Quote für Elektrofahrzeuge ein. Für Volkswagen & Co. wird es aber weniger schlimm als gedacht.


Die von der deutschen Autoindustrie heftig bekämpfte gesetzliche Mindestquote für den Absatz von Elektrofahrzeugen auf dem größten Automarkt China wird entschärft. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeine Zeitung will das Pekinger Industrieministerium in den kommenden Tagen die endgültige Quotenregelung präsentieren. Das Gesetz sieht vor, dass die Autobauer ab dem kommenden Jahr für 8 Prozent ihrer abgesetzten Fahrzeuge sogenannte „Kreditpunkte“ sammeln müssen.Diese Punkte gibt es aber nur für E-Autos oder Hybridmotoren – und wer sie nicht erreicht, muss mit Strafen rechnen.


Die Quote von 8 Prozent soll den Informationen nach im ersten Jahr nun jedoch „flexibel“ gehandhabt werden. Unter anderem Volkswagen hatte die Quote kritisiert, da diese zu schnell komme. In den 4 Millionen Fahrzeugen, die VW im vergangenen Jahr auf seinem wichtigsten Markt verkauft hatte, fanden sich kaum Elektromotoren. Sollte ein Hersteller die Quote nicht erfüllen, hatte Peking bisher drastische Strafen angedroht. Diese reichten vom Verbot, einzelne Modelle weiterzubauen, bis zum Verbot, die Produktionskapazität zu erweitern.


Diese Strafen werden nach Informationen der F.A.Z. nun abgemildert. Unklar ist, ob die Hersteller „negative“ Punktestände im Jahr 2018 in späteren Jahren ausgleichen dürfen, sollten sie nicht die ausreichende Menge an E-Autos verkaufen. Alternativ könnte Chinas Regierung auch Hersteller mit zu geringem Punktestand anprangern. Dieser „Pranger“ könnte eine Liste mit „Missetätern“ sein, die in einer Zeitung veröffentlicht würde. Mehr Reputation würde die Hersteller ein Verriss in einer der berüchtigten chinesischen „Verbraucherschutzsendungen“ im Staatsfernsehen kosten.


Daimler und BMW haben es leichter


Daimler und BMW, die eine geringere Anzahl an Autos verkaufen und nach Einschätzung des Schanghaier Beraters Jochen Siebert wenig Probleme haben dürften, die Quote zu erfüllen, dürften dieser Gefahr ohnehin entgehen. So müsste Daimler den Absatz seiner chinesischen E-Auto-Marke Denza auf geschätzt gerade einmal 7000 Stück verdoppeln.


Für den Massenhersteller Volkswagen ist die Erfüllung der Quote weitaus schwieriger. Zwar ist auch VW in China an einem E-Auto-Hersteller beteiligt. Dessen Verkäufe darf VW nach dem Gesetzentwurf aber nicht mit dem Absatz verrechnen, den VW in seinem Gemeinschaftsunternehmen mit dem Automobilhersteller FAW erzielt, da die Wolfsburger daran die Minderheit halten. VW dürfte hier eine Ausnahmeregelung zu verhandeln versuchen.


Widerstand aus Deutschland zeigt Wirkung


Dass die Regeln nun weniger scharf ausfallen, ist vor allem Ergebnis des Widerstands aus Deutschland, wenngleich wie VW auch der amerikanische Hersteller General Motors im kommenden Jahr geschätzt 320.000 Kreditpunkte sammeln muss. Im Frühjahr hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) persönlich in einem Telefongespräch mit Chinas Präsident Xi Jinping die Quote kritisiert. In der Folge hatte es jüngst sogar geheißen, dass Chinas Regierung eine Art Vorzugsbehandlung für die Deutschen gewähren würde. Diese fragwürdige Idee ist vom Tisch. Nun heißt es aus der deutschen Botschaft, man gehe weiterhin von einer „zufriedenstellenden Lösung auch für die deutschen Hersteller“ aus.


Doch nicht nur ausländische Autobauer, auch die chinesischen Herstellerverbände hatten gegen die Quote opponiert. Bis 2020 soll es nach dem Plan der Regierung 5 Millionen E-Fahrzeuge im Land geben. Dieses Ziel sei jedoch „nicht realistisch“, sagte der Vorstandschef des staatlichen Autobauers Chery, Chen Anning, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Denn anders als oft dargestellt sind Elektroautos in China unter Privatleuten keineswegs besonders beliebt. Der Schanghaier Berater Jochen Siebert schätzt, dass von der halben Million E-Autos, die im vergangenen Jahr im Land verkauft wurden, 90 Prozent zu Flotten von Taxiunternehmen, Fahrdienstanbietern und Behörden gehörten.


Privatkunden kaufen E-Autos vor allem wegen hoher Subventionen von bis zu 55.000 Yuan (7000 Euro) für Fahrzeuge mit reinem Elektromotor. Hybride, die neben dem E-Antrieb auch einen Verbrennungsmotor haben, erhalten bis zu 30.000 Yuan Subvention (3800 Euro). Zudem bekommen auch Hybride sofort und kostenlos ein Nummernschild, das in Städten wie Schanghai für Autos ohne E-Motor derzeit 90.000 Yuan (11.500 Euro) kostet und Wartezeiten von mehreren Jahren haben kann. Wegen des Mangels an Stromtankstellen nutzen Hybrid-Fahrer jedoch dann oft vor allem den Benzinmotor.






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