In Indonesien prangern Künstler mit ihren Werken die Zerstörung des Regenwalds durch die Palmölindustrie an.


Bedrohlich lodern die Flammen zwischen den Pflanzen hinauf. Schwarze Rauchwolken steigen in die Höhe. Eine schmale, haarige Gestalt schwingt sich von einem Gewächs zum anderen. Es ist ein orange-brauner Orang-Utan. Der Menschenaffe versucht, sich vor dem Feuer in Sicherheit zu bringen. Aus seiner ganzen Haltung spricht Todesangst. Zum Glück ist der flüchtende Affe nur gemalt. Dafür sind aber die Blätter der Pflanzen echt. Denn in den Bildern des Künstlers Ernest Zacharevic wird der reale Gegenstand zum Teil seiner Kunst. Durch seine Malerei ist eine gewöhnliche graue Betonwand, auf der wild die Pflanzen wuchern, zum Symbol des brennenden Urwalds geworden.


In Indonesien werden jedes Jahr absichtlich riesige Flächen von Torfmoorwäldern niedergebrannt. Dahinter stecken in der Regel Tochterunternehmen der internationalen Papier- und Palmölindustrie, die mit Feuer den Boden frei für neue Pflanzungen machen. Die Folgen seien für jeden zu sehen, der die Insel besucht, sagt Ernest Zacharevic per Skype aus Amerika, wo er sich gerade aufhält. „Jeder Flug nach Sumatra führt über ein riesiges Gebiet, das nur aus Plantagen besteht“, sagt der Künstler. „Es ist wie ein Teppich, ein endloses Raster aus Ölpalmen. Von oben sieht es erst mal grün und eigentlich ganz schön aus. Aber dann merkt man, dass diese Landschaft noch vor nur 30 Jahren komplett aus Primärwald bestanden hat.“


Die Waldbrände sind eine Naturkatastrophe, die sich jährlich wiederholt. Für Zacharevic war dieses wiederkehrende Unglück der Anlass für ein Projekt, an dem sich mittlerweile mehr als zehn örtliche und internationale Künstler beteiligt haben. Die meisten von ihnen sind sogar nach Sumatra gereist und haben sich dort über die Hintergründe informiert. Dabei gehörte er zu denjenigen, die den Effekt der jährlichen Brände am eigenen Leib erfahren haben. Der in Litauen geborene Künstler lebt seit sieben Jahren in Malaysia. „Im Jahr 2015 gelangte der Qualm aus Sumatra bis in mein Studio in Penang“, berichtet er. „Du wachst eines Morgens auf, und der Himmel ist plötzlich orange.“


Es war das Jahr, in dem der in Abständen immer wieder auftretende Rauch ein bis dahin noch nicht gekanntes Ausmaß erreicht hatte. Von Borneo über Sumatra bis nach Singapur und Malaysia: Eine dicke Decke aus Qualm hatte sich über die Region gelegt. Forscher der Universitäten Harvard und Columbia ermittelten später, dass in dem Jahr rund 100000 Menschen in Indonesien und Umgebung an den Folgen des Qualms zu Tode gekommen seien. Die Flammen zerstören nicht nur einzigartigen Primärwald. Sie töten Menschenaffen, Malaienbären und andere bedrohte Tiere. Elefanten, Tiger und Nashörner verlieren ihren Lebensraum.


Doch für viele Menschen in der Region sei es nur ein temporäres und abstraktes Problem. Sobald sich der Qualm verzogen habe, sei auch die Zerstörung des Regenwalds vergessen, sagt Zacharevic. Für die Ursachen und die komplexen Zusammenhänge interessiere sich kaum jemand. „Niemand erklärt so richtig, was der Rauch eigentlich zu bedeuten hat. Es gibt nur Spekulationen, woher er kommt und wer die Schuld daran trägt“, sagt Zacharevic. Das sei eine Lücke in der Wahrnehmung der Menschen, die er mit seiner Street-Art zu füllen versuche. „Ich wollte die Konversation darüber in ein neues Medium bringen, das die Leute anspricht: Kunst und Kreativität.“


Neben dem Orang-Utan, der vor den Flammen flüchtet, hat Zacharevic deshalb weitere Kunstwerke auf Sumatra geschaffen. Eines zeigt ein Mädchen, das auf einem aus Geldscheinen gefalteten Elefanten reitet. Ein anderes besteht aus der Kombination von Malerei und dem echten Rückteil eines Rikscha-Motorrads. Der Wagen lehnt an einer Häuserwand, auf der das restliche Motorrad gemalt ist. Dahinter hat Zacharevic mehrere Kinder an die Wand gemalt, die mit einem Orang-Utan-Baby spielen. Ein weiteres Bild zeigt einen Jungen, der auf dem Rücken eines Bären reitet.


Die Malereien erinnern an das, womit Zacharevic in seiner Wahlheimat Penang bekannt geworden ist. Dort haben seine Wandbilder, die häufig mit echten Gegenständen wie Fahrrädern oder Motorrädern kombiniert sind, mittlerweile einen festen Platz unter den Touristenattraktionen. In diesen Werken widmete sich der Künstler dem Lebensstil, der den Wohnvierteln in den Städten Malaysias, Indonesiens und anderer südostasiatischer Länder ihren dörflichen Charakter verleiht. Dieses geruhsame Leben in den „Kampungs“ geht langsam, aber sicher verloren.


In dem Gemeinschaftsprojekt mit dem Titel „Splash and Burn“ beschäftigt sich Zacharevic nun aber mit der Zerstörung der Natur. Er und seine Mitstreiter fragen, was das mit dem Leben der Menschen zu tun hat. Eine ganze Menge, lautet die Antwort. Denn in den Plantagengebieten leben viele Menschen vom Palmölanbau in ihrer Nachbarschaft. Und es sterben Menschen an den Folgen des jährlichen Qualms. Durch den Konsum der vielfältigen Palmöl-Produkte, vom Shampoo bis zur Tiefkühlpizza, sei zudem jeder mitverantwortlich, sagt Zacharevic. „Wir können uns jetzt eine Tüte billiger Kartoffelchips kaufen. Aber in 20 Jahren haben wir vielleicht nicht mehr genug Luft zum Atmen.“ Bis dahin könnte mit dem indonesischen Urwald eine weitere grüne Lunge der Erde verschwunden sein.


Während der Initiator des Projekts deshalb seine Kunst zu den Menschen bringt, sind einige andere den gegenteiligen Schritt gegangen. Sie haben sich in die Welt der Palmölplantagen, der ausgebrannten Torfmoorfelder und der entwurzelten Dorfgemeinschaften begeben. Der Amerikaner Mark Jenkins etwa baute seine Installationen direkt auf die Felder im Nirgendwo der Insel Sumatra. Zwischen den endlosen Ölpalmenreihen, vor den Entwässerungsgräben der Plantagenbesitzer oder im Sumpf stehen Puppen in Lebensgröße. Sie stecken in dunklen Kapuzenpullis. Doch dort, wo ihr Gesicht sein sollte, strömt Rauch heraus. Obwohl diese Kunstwerke an Plätzen aufgebaut wurden, die für die meisten Menschen nicht zugänglich sind, dürften sie trotzdem ein Publikum finden, wenn die Fotos in den sozialen Netzwerken geteilt werden, sagt Zacharevic. Auf diese Weise überbrücken sie die Entfernung zwischen dem Ort Zerstörung, ihren Verursachern und denjenigen, die den Rauch einatmen müssen.






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