Peking. Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern die Stunde haben die Millionstädten Macau und Hong-Kong verwüstet. Kritiker bemängeln den fehlenden Katastrophenschutz.


Normalerweise funkeln und glitzern die Glasfassaden der Hotels und Casinos in der Glücksspielmetropole Macau. Doch der Anblick, der sich am Donnerstag in der südchinesischen Sonderverwaltungszone bietet, hat nur noch wenig mit dem Pomp zu tun, der sonst das Stadtbild bestimmt: Überflutete Straßen, abgedeckte Dächer, entwurzelte Bäume, abgerissene Stromleitungen, zertrümmerte Autos – Taifun „Hato“ hat weite Teile der Stadt verwüstet. Bis zum Abend war die Hälfte aller Haushalte noch immer ohne Strom.


Und nicht nur in Macau hat der Tropenorkan gewütet. „Hato“ fegte auch über die Hafen- und Finanzmetropole Hongkong hinweg sowie über weite Teile des dicht bevölkerten Perflussdeltas in Südchina. Die Behörden berichten von mindestens 16 Toten und Hunderten von Verletzten, allein in Hongkong gab es mehr als 120. Macaus Regierungschef Fernando Chui Sao sprach vom „schlimmsten Sturm seit 53 Jahren“.


Tiefgarage wurde zur tödlichen Falle


In der Region gibt es zu dieser Jahreszeit viele Taifune. „Hato“ ist bereits der zehnte in dieser Saison, die normalerweise im Juni beginnt und bis Oktober anhält. Doch während die meisten Stürme vor allem Massen an Niederschlag bringen, kam bei „Hato“ außergewöhnlich starker Wind hinzu. Orkanböen von bis zu 200 Kilometern die Stunde peitschten durch die Stadt. Die engen Straßenschluchten zwischen den vielen Hochhäusern von Hongkong und Macau verstärkten diese Böen noch. Die meisten Verletzte gab es durch umherwirbelnde Gegenstände. Bürger in Hongkong stellten Videos ins Netz, auf denen zu sehen ist, wie Baukräne umknickten und Teile von Baugerüsten sowie zerbrochene Fensterscheiben durch die Luft flogen. In Macau ertranken zwei Menschen in einer überfluteten Tiefgarage. Ein weiterer wurde von einer einstürzenden Mauer erschlagen.


In der angrenzenden südchinesischen Provinz Guangdong brachte der Taifun Hunderte von Bäume zu Fall. Mindestens vier Menschen starben. Chinas amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, dass die Behörden mehr als 27 000 Menschen in Notunterkünfte unterbringen mussten, rund zwei Millionen Haushalte waren in Guangdong zeitweise ohne Strom. Der Sachschaden ist enorm. Die in Hongkong erscheinende „South China Morning“ zitiert Versicherungsgesellschaften, die in ersten Schätzungen von umgerechnet bis zu 870 Millionen Euro allein in der Hafenstadt ausgehen.


Tokio ist Vorbild


Obwohl die Menschen in Südchina Taifune gewöhnt sind, gibt es immer wieder Kritik. Trotz der Milliardeneinnahmen durch das Casino-Geschäft habe die Stadt kaum in den Taifun-Schutz investiert, heißt es in Macau. Als positives Beispiel wird gern Tokio herangezogen. Die japanische Hauptstadt verfügt über ein umfangreiches Entwässerungssystem. In über das gesamte Stadtgebiet verteilten 30 Meter hohen und 65 Meter breiten unterirdischen Tanks sammelt sich das Wasser und wird durch kilometerlange Tunnel ins Meer geleitet. Über so ausgeklügelte Abwassersysteme verfügen die Städte in Südchina nicht. Hongkong und Macau gehören zu den am meisten durch Umweltkatastrophen gefährdeten Städten der Welt.






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