Schwierige klimatische Bedingungen steigern die Zahl der Suizide von Bauern. Eine Studie der Universität Berkeley geht allein in Indien für einen Zeitraum von 30 Jahren von 60’000 Fällen aus.


Der mächtige Kaveri im Süden Indiens ist die Lebensader für Millionen Staatsbürger. Doch derzeit ist der Strom an vielen Stellen nur noch ein Rinnsal. Die anhaltende Dürre hat gemäss Schätzungen bereits rund 300 Menschen das Leben gekostet.


Pestizide getrunken


Derzeit trifft es vor allem die Bauern im südlichen Bundesstaat Tamil Nadu. Doch in den vergangenen Jahren wurden auch andere Teile Indiens immer wieder von schweren Dürren und Unwettern heimgesucht. Nach Ernteaus­fällen fordern derzeit mehr als 30 Millionen Bauern vom Staat, dass er für ihre Schulden aufkommt. In vielen Dörfern herrscht Verzweiflung.


Immer wieder machen die Landwirte bei ihren Protesten auf die enorme Zahl an Suizidfällen auf dem Land aufmerksam: Allein im Bundesstaat Maharashtra haben sich zwischen 2013 und 2016 mehr als 9500 Bauern das Leben genommen. In ganz Indien töteten sich laut der Weltgesundheitsorganisation seit 1995 mehr als 300 000 Bauern und Tagelöhner selbst. Viele von ihnen tranken giftige Pestizide.


Studie zeigt Zusammenhang


Umstritten war bisher, wie stark Klimaveränderungen, Ernteausfälle und Suizid zusammenhängen. Doch eine neue Studie der Universität Berkeley zeigt nun eine alarmierende Verbindung auf. Demnach solle die Erderwärmung in den vergangenen 30 Jahren zu insgesamt fast 60 000 Selbstmorden in Indien geführt haben, warnt die Agrarökonomin Tamma Carleton. Angesichts der hohen Dunkelziffer bei Suiziden dürfte der Effekt sogar noch grösser sein. An allen Tagen, an denen es wärmer ist als 20 Grad, führt gemäss der Studie eine Erwärmung um ein weiteres Grad im Schnitt zu 65 Suiziden. Der Effekt tritt dabei nur zu jener Jahreszeit auf, in der die Pflanzen wachsen. Das höhere Risiko für Suizide bei steigenden Temperaturen in der Wachstumsphase sei eindeutig, sagt Agrarökonomin Carleton.


Weitere Erwärmung erwartet


Angesichts des fortschreitenden Klimawandels könnte sich die kritische Situation in den länd­lichen Regionen des Subkontinents weiter zuspitzen. Klimaforscher halten es für möglich, dass sich Indien bis zum Jahr 2050 um durchschnittlich 3 Grad erwärmt. Und offenbar ist es ­vielen indischen Bauern bisher nicht gelungen, sich an vorhergehende, weitaus geringere Klimaveränderungen anzupassen.


Erhoffte Wirkung verfehlt


Ein Grossteil der indischen Landwirte arbeitet mit primitiven Mitteln: Schätzungen gehen davon aus, dass rund 60 Prozent der Felder auf dem Subkontinent nicht systematisch bewässert werden können. Das macht die indischen Bauern hochgradig abhängig von Niederschlag. «Wird den Familien nicht geholfen, ist es wahrscheinlich, dass wir wegen des sich verschlimmernden Klimawandels in Indien noch mehr Selbsttötungen sehen werden», sagt Forscherin Carleton.


Das Leid der Landbevölkerung beschäftigt zunehmend auch die Landesregierung. Rund die Hälfte der 1,3 Milliarden Inder ist in der Landwirtschaft beschäftigt. Erst im Juni kam es im Bundesstaat Madhya Pradesh zu schweren Ausschreitungen, bei denen fünf Bauern erschossen wurden. Derzeit fordern Landwirte in sieben Bundesstaaten vom Staat, nicht mehr selber für ihre Schulden aufkommen zu müssen.


Um weitere Krisen zu verhindern, hatte die Regierung 2016 zwar eine Art Versicherung für Ernteausfälle angeboten und dafür umgerechnet rund 1,3 Milliarden US-Dollar im Haushaltsplan veranschlagt. Doch noch erzielt das neue Programm nicht die gewünschte Wirkung. Nach einer Umfrage der Regierung haben mehr als die Hälfte der Bauern von diesem Angebot noch nie gehört.






Über AdriaMediaGroup:

Seit 1999 bilden Online-Magazine das Fundament unseres Unternehmens. Dank unser regelmäßigen Markt- und Zielgruppenanalysen kennen wir unsere Leserinnen und Leser sehr gut und wissen genau, was diese von unseren Magazinen erwarten. Mit renommierten Nachrichtenagenturen wie dpa und AFP ergänzen wir die uns zur Verfügung stehenden Informationsquellen aus Politik und Wirtschaft. Stetig entwickeln wir unsere Magazine weiter und kreieren immer wieder neue Online-Magazine, die speziell auf das entsprechende Marktumfeld angepasst sind. Ob das kleine Nischenmagazin, ein Wirtschaftsjournal im Internet oder ein Tageszeitung im Internet. Mit über 45 Millionen Seitenaufrufen pro Monat (quelle: PIWIK September 2016), zeigt sich dass unsere aktuellen Magazine vom Publikum sehr gut angenommen werden. In den 17 Jahren unserer verlegerischen Tätigkeit mussten wir uns bis heute weder einem Abmahnverfahren stellen noch jemals einen Widerruf veröffentlichen. Entgegen anderer Verlage basiert unsere Berichterstattung auf seriöser Recherche und reinen Fakten. Wir sehen in grundsolider Berichterstattung auch heute noch die Zukunft unserer Arbeit.

Die AdriaMediaGroup ist seit 1999 auf dem internationalen Markt tätig. Derzeit publiziert die ADMG auf dem deutschsprachigen Markt über 80 Online-Magazinen aus unterschiedlichsten Themenbereichen. Alle Zeitschriften werden von unserem eigenem Redaktionsteam regelmässig aktualisiert.