Als der Zoll im Mai seinen Fang präsentierte, war der Stolz groß. Heute weiß man: Die 604 Kilo „Shabu“ waren nur ein Viertel der Lieferung.

Während Präsident Duterte Süchtige grausam verfolgen lässt, steht der Zoll im Verdacht, mit den Drogenbossen zu kooperieren. Die haben ihre Taktik minimal geändert – bringen den Stoff aber weiterhin problemlos ins Land.


Der Zoll auf den Philippinen gilt als sehr korrupt – insofern ist es wohl ein besonders harter Job, in diesem Apparat aufzuräumen. Seit gut einem Jahr versucht sich Nicanor Faeldon an dieser Aufgabe, doch ist nicht sicher, ob er weitermachen kann. Ein Skandal um Drogenschmuggel und Bestechung bringt ihn in Bedrängnis, Parlamentarier fordern seinen Rücktritt. Doch Faeldon sagt, er gehe nur, wenn ihn der Präsident feuere.


Noch hält Staatschef Rodrigo Duterte seine schützende Hand über Faeldon, er zieht es vor abzuwarten. „Ich glaube an seine Integrität“, so Duterte. Der Mann, der sonst gerne den rabiaten Vollstrecker gibt, wirkt in der Affäre um verschobenes Rauschgift wie ein Zauderer. Den Chef des Zolls hatte er 2016 selbst ausgewählt, weil er große Stücke auf ihn hielt. Nun aber wird es eng für Faeldon, einen früheren Offizier mit tadelloser Frisur und feiner Brille. Die Arbeit seiner Behörde wird von einem Senatsausschuss durchleuchtet.


Zwei Prozent der 100 Millionen Philippiner konsumieren laut staatlichen Erhebungen Drogen


Eigentlich sollte Faeldon am Mittwoch aussagen, aber kurz vor der Sitzung legte er ein ärztliches Attest vor, wonach er wegen einer akuten Erkrankung verhindert sei. Auslöser des Skandals war der Fund großer Mengen an Rauschgift in der letzten Maiwoche. Damals entdeckten Fahnder 604 Kilogramm Crystal Meth in einem Lagerhaus nördlich von Manila. Auf den Philippinen nennen sie das Aufputschmittel Shabu, es ist vor allem die Droge der Armen, die Duterte als Kleindealer und Drogenkonsumenten gnadenlos verfolgen lässt. Sein Feldzug kostete schon mehr als 7000 Menschen das Leben. Kritiker klagen, dass Dutertes Verfolgungen unten ansetzten, bei den Süchtigen. Sie würden gejagt, während die Bosse bislang kaum etwas zu fürchten hatten. Bei Besuchen in den Slums stößt man bei Familien der Opfer oft auf völliges Unverständnis. „Wenn man eine Schlange erschlagen will, dann zielt man doch als Erstes auf den Kopf, oder?“ So formulierte es der hilflose Vater eines jungen Drogensüchtigen, der im Frühjahr bei einer Menschenjagd ums Leben kam. Der trauernde Mann rätselte, weshalb sein Präsident nur die Armen verfolge und nicht jene, die Milliarden mit Drogen machten. Duterte hat das nie erklärt.


Als die 604 Kilogramm Shabu sichergestellt wurden, lobten chinesische Zollbeamte den Schlag als Beweis für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den philippinischen Behörden. Deren Beamte in Manila hatten demnach von chinesischen Kollegen einen Tipp bekommen und das Rauschgift so 14 Kilometer nördlich von Manila gefunden. Der philippinische Zollchef Faeldon hob damals den „effektiven Informationsaustausch“ hervor und erklärte, dass die Kooperation eine starke Warnung an alle aussende, die in den Drogenhandel verwickelt seien. Laut UN-Drogenbehörde drängen „transnationale Netzwerke von China aus“ auf die Philippinen, außerdem versuchen mexikanische Syndikate, Stoff in den südostasiatischen Inselstaat zu liefern. Knapp zwei Prozent der 100 Millionen Philippiner konsumieren Drogen, wie eine staatliche Untersuchung 2015 ergab.


Im jüngsten Zollskandal rätseln die Philippiner nun: Ist Behördenchef Faeldon einer, der den Sumpf tatsächlich trockenlegen will? Oder steckt er selbst mit drin? Jene, die den Behördenchef für „sauber“ halten, verweisen darauf, dass bisher kein belastendes Material aufgetaucht sei, sie vermuten vielmehr, dass sich Faeldon in schlechter Umgebung befinde. Seit Jahren schon hat der Zoll einen besonders miesen Ruf. Faeldon gibt unterdessen den unerschrockenen Feldherrn im Kampf gegen die Drogen, er habe eine Mission zu erfüllen, versicherte er. Doch der Tag, an dem er diesen Job wieder abgeben dürfe, werde „der glücklichste in meinem Leben sein“. Er machte zudem Andeutungen, dass Politiker versuchten, auf ihn Druck auszuüben. Konkreter wurde er nicht.


Die Schmuggelware, die im Zentrum der Untersuchung steht, war in Metallzylindern versteckt und als Küchenausstattung deklariert. Sie kam im Expressverfahren durch den Zoll, die Frage ist, ob Faeldons Beamte bestochen waren und die Ware passieren ließen oder ob sie schlicht pennten. Inzwischen stellte sich zudem heraus, dass die Fahnder nur etwa ein Viertel der Lieferung sicherstellten. Die restlichen Drogen dürften längst ihren Weg auf den Markt gefunden haben, merkte die Zeitung Philippine Star an. Sie schätzte den Wert einer einzigen solchen Lieferung auf knapp eine halbe Milliarde US-Dollar. Kein Wunder, dass trotz Dutertes Anti-Drogen-Krieg der Handel mit Rauschgift weiter floriere, kommentierte das Blatt. Geändert hat sich offenbar nur, dass die Drogenbosse eher fertige Aufputschmittel ins Land schleusen, anstatt sie wie früher vor Ort zu produzieren, nachdem Duterte ein Dutzend Shabu-Labors ausheben ließ.






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