China findet keinen Astronomen für sein Riesenteleskop

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Eine Million Euro für Forschung und Gehalt plus freie Unterkunft: Mit diesem Angebot versucht China einen ausländischen Wissenschaftler zu finden, der mit dem größten Teleskop der Welt nach Aliens im All sucht. Doch bisher hat niemand Interesse.

Als die Nachricht von der Fertigstellung des Superlativprojekts im vergangenen Jahr um die Welt ging, überschlugen sich die Berichte vor Begeisterung: nicht weniger als einen halben Kilometer beträgt der Durchmesser des größten Radioteleskops der Welt, dass nach fünf Jahren Bauzeit in der südchinesischen Provinz Guizhou fertig gestellt wurde.

Damit sollte das „Five-hundred-meter Aperture Spherical Telescop“, abgekürzt „FAST“, das 50 Jahre alte Teleskop von Arecibo auf der zu den Vereinigten Staaten zählenden teilautonomen Karibikinsel Puerto Rico als weltgrößtes Observatorium ablösen. Als FAST vor einem Jahr eröffnet wurde, nahmen an der Feier Hunderte Wissenschaftler aus aller Welt teil. Durch seine große Fläche kann das Teleskop einen riesigen Teil des Himmels im Frequenzbereich von zwei bis vier Gigahertz durchsuchen. Chinas amtliche Nachrichtenagentur Xinhua tönte, die riesige Schüssel könne sogar die Suche nach außerirdischem Leben im Weltraum revolutionieren.

Im kommenden September soll das Radioteleskop eigentlich seinen regulären Betrieb aufnehmen. Laut der Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“ gibt es jedoch ein Problem. Trotz intensiver Suche haben die chinesischen Behörden bisher niemanden gefunden, der die Leitung der Anlage übernehmen will.

Die Stellenanforderungen sind allerdings auch hoch. Das Mindestalter von 20 Jahren stellt dabei noch die geringste Hürde da. Schwieriger wird es schon bei der leitenden Position, die der Kandidat in seinem bisherigen Berufsleben beim Betrieb eines großen Radioteleskops bereits inne gehabt haben sollte. Zudem sollte er eine Professur in einem weltweit führenden Forschungsinstitut oder einer Universität aufweisen. Und da nach Meinung der chinesischen Behörden niemand im eigenen Land diese Anforderungen erfüllt, muss der Leiter des chinesischen Riesenobservatoriums ein Ausländer sein und eben kein Chinese.
Eine Aufgabe für einen Superhelden

Die finanziellen Konditionen der offerierten Stelle klingen eigentlich verlockend. 8 Millionen Yuan soll der Leiter des Teleskops für wissenschaftliche Zwecke erhalten, das sind umgerechnet gut 1 Million Euro. Darin enthalten ist ein Gehalt, das mit ähnlichen Positionen im Ausland vergleichbar ist. Zudem darf der ausländische Astronom in der Nähe des Teleskops frei wohnen.

Dem Bericht der „Post“ zufolge sind die Anforderungen an die Kandidaten jedoch so hoch, dass weltweit höchstens 10 Wissenschaftler für die Stelle infrage kämen. Diese haben dem Bericht zufolge jedoch allesamt bisher keinerlei Interesse gezeigt, in das chinesische Hinterland zu ziehen. Die Scheu könnte auch an der Sprachbarriere liegen, die den Teleskopleiter in China erwartet, wo selbst im Wissenschaftsbetrieb nur die wenigsten Menschen Englisch sprechen.

Zudem sei das Teleskop in Wahrheit noch lange nicht betriebsbereit, schreibt die Zeitung. Tausende von beweglichen Reflektionspanelen müssten noch eingestellt und unzählige weitere Teile der Anlage noch getestet werden. Dies bringe eine so hohe Arbeitsbelastung mit sich, dass der ausländische Wissenschaftler seine eigene Forschung wohl komplett aufgeben müsste, um die Anlage zum Laufen zu bringen. „Das ist keine Aufgabe für einen Wissenschaftler, sondern für einen Superhelden“, zitiert das Blatt einen chinesischen Astronomen.

Finde China weiterhin keinen Ausländer für den Betrieb, werde dem Land wohl nur eine Möglichkeit übrig bleiben: den Betrieb des weltgrößten Radioteleskops in die Hände eines einheimischen Wissenschaftlers zu legen.