Große Teile Südasiens könnten im Laufe der nächsten Jahrzehnte für Menschen unbewohnbar werden, zeigt eine aktuelle Studie. Sollte der Kampf gegen die Erderwärmung nicht ausreichend verfolgt werden, drohe der Region eine lebensfeindliche Mischung aus Hitze und Luftfeuchtigkeit. „Klimawandel ist kein abstraktes Konzept, es trifft Millionen Menschen direkt“, hielt der Studienautor vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) fest. „Geht es weiter wie bisher, werden sich tödliche Hitzewellen häufen.“


Lebensentscheidende Feuchtkugeltemperatur


Die Forscher untersuchten in der Studie nicht nur die Auswirkungen des Temperaturanstiegs, sondern auch die Kombination von Hitze und Luftfeuchtigkeit, widergespiegelt in der Feuchtkugeltemperatur. Diese ist relevant dafür, wie schnell der menschliche Körper abkühlen bzw. sich erhitzen kann. Erreicht die Feuchtkugeltemperatur 35 Grad Celsius, sei das Verdunsten von Schweiß und damit die Wärmeableitung nicht mehr möglich – selbst gesunde Menschen würden innerhalb kürzester Zeit sterben, so die Studienautoren.


Erst im Jahr 2015 fanden bei einer Hitzewelle in Indien und Pakistan 3.500 Menschen den Tod, im Vorjahr wurde in der Stadt Phalodi der bisherige Hitzerekord verzeichnet: 51 Grad. Als vermutlich heißeste Region der Welt zur Jahrtausendwende werden in der Studie die Golfstaaten genannt. Diese könnten sich angesichts ihres Reichtums und des Fehlens einer wetterabhängigen Landwirtschaft aber besser wappnen.


Zwei Szenarien für die Zukunft


Der Untersuchung, die am Mittwoch im Magazin „Science Advances“ veröffentlicht wurde, liegen zwei Modelle zugrunde. Ein Szenario geht davon aus, dass international wenig gegen den CO2-Ausstoß und damit die Erderwärmung getan wird. Unter dieser Annahme wären vier Prozent der Bevölkerung dann zumindest einmal zwischen 2071 und 2100 mit tödlichen Hitzewellen von über 35 Grad Feuchtkugeltemperatur konfrontiert. Betroffen wären auch indische Millionenstädte wie Lucknow in Uttar Pradesh und Patna in Bihar. In weiten Teilen Südasiens müsste mit zumindest „extrem gefährlichen“ Hitzeperioden gerechnet werden.


Im zweiten Modell gingen die Wissenschaftler davon aus, dass das Ende 2015 vereinbarte Klimaabkommen von Paris weitgehend umgesetzt wird. Die Zahl der von lebensbedrohlichen Hitzewellen Betroffenen würde auf zwei Prozent der örtlichen Bevölkerung sinken – gegenüber 30 Prozent im negativen Fall. Zwar würden die Temperaturen dann im Schnitt noch immer über 31 Grad Feuchtkugeltemperatur liegen, aber eben doch deutlich unter der tödlichen 35-Grad-Schwelle.


Vor Augen führt die Studie auch, dass jene Länder am stärksten von der globalen Erwärmung betroffen sind, deren CO2-Emmissionen immer noch steigen – aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Es ist ein schwieriger Spagat für Indien, sagte Studienautor Eltahir: Die Wirtschaft müsse möglichst schnell wachsen, gleichzeitig würden die dafür eingesetzten Ressourcen die Umwelt massiv schädigen.


„Wenn es ein Wort gibt, das den Klimawandel umschreibt, ist das wohl ‚Ungerechtigkeit‘“, zitierte der „Guardian“ Professor Chris Huntingford vom Britischen Zentrum für Ökologie und Hydrologie. „Die steigenden CO2-Werte in der Atmosphäre bedrohen Millionen Menschen in Südasien – die meisten von ihnen trifft es völlig unverschuldet.“ Im Ernstfall, halten die Studienautoren fest, ist mit einer Massenauswanderung zu rechnen.






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