Der globale Tourismus unterliegt einem stetigen Wandel. Die beliebtesten Städtedestinationen werden in Zukunft grösstenteils in Asien liegen. Auch innerhalb Europas gibt es Verschiebungen.


Wanderungsbewegungen sind eine Konstante in der Geschichte des modernen Menschen: Mal floh der Homo Sapiens vor Gefahren, mal war er auf der Suche nach Nahrung, dann wieder wollte er eine Eroberung tätigen oder einfach nur Handel treiben. Einen starken Einfluss auf die Reisetätigkeit hatte in späteren Jahren auch das Aufkommen von Transportmitteln sowie der Aufbau einer Infrastruktur mit Hotels, Restaurants und anderen Dienstleistungen für Reisende, die schliesslich eine eigentliche Tourismusbranche entstehen liess. Und natürlich brauchte es auch eine Reihe von interessanten Reisezielen, die, zusammen mit dem steigenden Interesse einer vermögenden Kundschaft, der Branche schlussendlich zum Durchbruch verhalfen.


Nichtsdestotrotz sind reine Vergnügungsreisen ein relativ junges Phänomen, wie die im 18. Jahrhundert in gut situierten Kreisen geradezu obligatorischen «Grand Tours». Dazu gehörten Reisen zu historisch wert- und reizvollen Städten, meist in Italien gelegen. Aber auch die Schweiz gehörte zu den bevorzugten Reisezielen: So waren Lord Byron und das Ehepaar Mary und Percy Shelley im 19. Jahrhundert die wohl bekanntesten Touristen am Genfersee. Und schliesslich erfand Thomas Cook 1845 die erste, (für ihn selbst) gewinnorientierte Gruppenreise.


Städtereisen boomen


2016 unternahmen nach Angaben der Weltorganisation für Tourismus UNWTO etwa 16 Prozent der Weltbevölkerung, oder 1,2 Milliarden Touristen, eine Reise. Der grösste Magnet für Touristen ist mit 620 Millionen Besuchern oder fast 50 noch immer Europa. Es folgen die Region Asien-Pazifik mit etwa 303 Millionen, Nord- und Lateinamerika mit 201 Millionen, Afrika mit 58 Millionen Besuchern und dem Nahen Osten mit etwa 54 Millionen Besuchern.


Besonders die Städtereisen boomen. Seit 2009 sind die Besucherzahlen der 132 meistbesuchten Städten der Welt um fast 54 Prozent gestiegen. Im Vergleich dazu stieg das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) weltweit nur um etwas mehr als 20 Prozent. Und trotz ungewisser oder angespannter Sicherheitslage nimmt der Tourismus jedes Jahr weiter zu. Asien und Afrika gehören mit einem Plus von je 8 Prozent zu den Regionen mit dem stärksten Wachstum, gefolgt von Nord- und Lateinamerika mit 4 Prozent, während der Tourismus in Europa nur um 2 Prozent wuchs und der Nahe Osten gar einen Besucherrückgang von 4 Prozent hinnehmen musste.


Das Wachstum der Touristenströme ist vor allem in Asien dramatisch. Betrachtet man den Besucherzuwachs 2016, finden sich in den Top-20-Städten viele asiatische Städte: Auf Platz eins der Top 10 steht Osaka (Japan), gefolgt von Chengdu (China), Abu Dhabi (VAE), Colombo (Sri Lanka), Tokio (Japan), Riad (Saudi-Arabien), Taipeh (Taiwan), Xi’An (China), Teheran (Iran) und Xiamen (China). Verantwortlich sind vor allem Besucher aus den Nachbarländern.


Bangkok an der Spitze vor London und Paris


Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete Osaka letztes Jahr etwa einen Besucherzuwachs von 13 Prozent. Die meisten stammten aus Südkorea (33 Prozent), gefolgt von China (25 Prozent). Insgesamt kamen nur 11 Prozent der Besucher nicht aus dem asiatisch-pazifischen Raum. In Europa verzeichnete übrigens Hamburg den grössten Besucherzuwachs. Acht der zehn europäischen Städte, in denen der Tourismus am meisten anzog, liegen dagegen in Osteuropa, einer Wachstumsregion.


Und welcher Ort führt Ihrer Meinung die Rangliste der meistbesuchten Städte der Welt an? Wahrscheinlich liegen Sie falsch: Denn mit 21.5 Millionen Besuchern steht Bangkok an der Spitze des Master Card Global Destination Cities Index, gefolgt von London (19,9 Millionen), Paris (18 Millionen), Dubai (15,3 Millionen) sowie auf dem fünften Platz New York mit 12.8 Millionen Besuchern. Auf den nächsten fünf Plätze folgen Singapur, Kuala Lumpur, Istanbul, Tokio und Seoul. Unter den ersten zwanzig der beliebtesten Destinationen finden sich acht europäische Städte sowie neun asiatische Städte. Geschäftsreisende sind nur in Shanghai in der Überzahl, ansonsten überwiegt der Anteil der Ferienreisenden.


Sehnsucht, aus dem Alltag auszubrechen


Die Popularität der Destinationen unterliegt einem stetigen Wandel. So werden in Zukunft die wohl beliebtesten Städtedestinationen grösstenteils in Asien respektive vor allem in China liegen. Europas Städte dürften sich zwar nach wie vor grosser Beliebtheit erfreuen, allerdings werden sich die grossen Besucherströme voraussichtlich eher in Richtung Osteuropa bewegen.


Ein bestimmender Faktor der Industrie ist neben der demografischen Entwicklung der Bevölkerung – der Anteil älterer Touristen nimmt stetig zu – auch der technologische Wandel. Als einzige Konstante bleiben der Wunsch und die Sehnsucht, aus dem Alltag auszubrechen. Ich persönlich verbringe meine Ferien in der Schweiz und wünsche Ihnen, wo immer Sie auch hinreisen, bereits jetzt schon schöne Ferien.






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