Indonesien: Evonik produziert Kosmetik-Basisstoffe für Muslime

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Evonik hat das Halal-Zertifikat: Für den indonesischen Markt entspricht die Produktion von Kosmetik-Basisstoffen muslimischen Vorschriften.

Wer möchte nicht gut riechen und schön aussehen? Die wenigsten vermutlich. Körperpflege ist ein Wachstumsmarkt. Und in Asien besonders. Darauf hat sich das Spezialchemieunternehmen Evonik aus Essen gut eingerichtet. Indonesien, das viertbevölkerungsreichste Land der Erde, fordert ab Oktober 2019 eine besondere Kennzeichnungspflicht für Kosmetika, aber auch Lebensmittel: Halal oder Haram, rein oder unrein, muss dann auf dem Shampoo stehen. Im Inselstaat Indonesien leben mehr als 250 Millionen Menschen, rund 200 Millionen davon sind muslimischen Glaubens, daher die gesetzliche Vorschrift.

Dass religiöse Vorschriften bei Produktherstellung eine Rolle spielen, ist für Evonik nicht neu. „Es gibt auch viele Produkte, die koscher sein müssen“, sagt der Chemiker Christian Nöthe, Evonik-Manager für Körperpflege & Hautschutz. Diese Produkte seien nicht besser oder schlechter als andere, „aber es hat ein Rabbi auf die Produktion geschaut“. Ähnlich ist es beim Thema „Halal“. Evonik hat mehrere Standorte, an denen die Produktion von Basisstoffen für die Kosmetikindustrie garantiert den muslimischen Vorschriften entspricht. Einmal im Jahr kommen von Indonesien anerkannte Prüfer, Chemiker der Moslem Union of Indonesia (MUJ), um die Anlagen in Essen, Duisburg, Jamesville (bei Chicago) oder Jakarta selbst unter die Lupe zu nehmen.

Vorsicht mit Alkohol

Das Wichtigste: Stoffe von Tieren, die nach muslimischem Glauben als unrein gelten, dürfen nicht mit der Anlage in Berührung kommen. „Der größte Gau wäre, irgendwo ein Schwein drin zu haben“, sagt Nöthe. Aber auch Alkohol spielt eine Rolle. Zum Reinigen der Reaktoren, in den die chemischen Prozesse zur Herstellung der Kosmetikgrundstoffe stattfinden, ist eine Alkoholspülung nicht schlecht.

Für Indonesien ist es aber kein unlösbares Problem. Der Umgang mit Alkohol wird dort laut Evonik entspannter gesehen als in anderen Ländern mit islamischer Glaubensrichtung. Wird nach der Spülung mit Alkohol auch noch mit Wasser nachgeschossen, ist das für die Asiaten ok. Im Nahen und Mittleren Osten wäre es ein Ausschlusskriterium auf dem Weg das Gütesiegel Halal zu erlangen.

Bislang ist Indonesien aber der erste und einzige Staat, der den Nachweis fordert. Evonik folgt mit der Zertifizierung auch den Anforderungen der großen Kunden. Die Essener produzieren keine Endprodukte, die in der Parfümerie oder Drogerie im Regal stehen. Sie produzieren aber Basisprodukte für beinahe alle großen internationalen Marken, die genau dort vertreten sind.

Für die Abteilung „Personal-Care“ im Essener Konzern war der Schritt Richtung Halal in der Produktion gar kein wahnsinnig großer. „Tatsächlich passiert das allermeiste bei uns auf pflanzlicher Basis, bei Kosmetika ausschließlich“, sagt Nöthe. Seit dem BSE-Skandal, an den sich Jüngere vielleicht gar nicht mehr erinnern, sei dies so. Seit rund 20 Jahren also seien Kosmetika frei von Tierprodukten. Wohl ein Grund, warum „Halal-Produkte“ sich bei Veganern auch hierzulande immer größerer Beliebtheit erfreuen. Dabei heißt halal bei Lebensmitteln nicht unbedingt frei von tierischen Stoffen. Umgekehrt heißt vegan keineswegs halal.

Schwierigkeit des Nachweises

Die Schwierigkeit für Evonik ist, nachzuweisen, dass die gesamte Produktionskette rein ist – von der Anlieferung der Chemikalien, über den Tank, die Einwaage, Reaktor und Rührwerk. Nichts darf vorher mit unreinen Stoffen in Berührung gekommen sein. „Halal kann man nicht unbedingt an den verwendeten Inhaltsstoffen erkennen“, sagt Nöthe. Die Produktionskette muss halt „rein“ sein.

Auch wenn in der Region hier und da mittlerweile „Halal-Produkte“ auftauchen, die Marktchancen sieht Evonik in Asien. Indonesien sowieso.

„Da haben wir mit der Zertifizierung das Geschäft abgesichert“, sagt Nöthe. Aber auch Thailand, Malaysia, Singapur seien perspektivisch interessant. „Muslimische Märkte sind alle Wachstumsmärkte“. Mit dem Wohlstand wächst auch die Nachfrage nach kosmetischen Produkten. Logisch. Schön sein zu wollen, ist nicht unbedingt eine Glaubensfrage.